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Fontainebleau zählt zu den größten und bekanntesten Bouldergebieten der Welt.

Fontainebleau

Kletterparadies bei Paris

Das Paradies liegt südlich von Paris - zumindest für Kletterer aus aller Welt. Selbst manche Boulderer aus Bayern lassen dafür die Alpen links liegen.

Im Wald von Fontainebleau ist Hochsaison. Outdoor-Sportler aus aller Welt kommen in das Gebiet südlich von Paris, um hier auf Tausende von Sandsteinfelsen zu klettern. Auch Bayern sind dabei - und ziehen Frankreich den Alpen vor.

Niclas Popp krallt sich von unten an den Felsvorsprung, presst seine Füße fest gegen den Stein und wuchtet sich auf halbe Höhe des Felsens. Der 14-Jährige ist begeisterter Boulderer, das heißt: Er klettert ohne Seil und in Absprunghöhe.

Niclas kommt aus Bayern. Zuletzt klettert er aber nicht etwa in den Alpen, sondern im Wald von Fontainebleau, 70 Kilometer südlich von Paris. Gemeinsam mit seiner Klettergruppe ist er die fast 900 Kilometer aus Oberhaching, einem Vorort von München, hierhergekommen. Die Gegend um Fontainebleau mit ihren 15.000 bis 20.000 Sandsteinfelsen und geschätzten zehn Millionen Touristen pro Jahr gilt als ein Mekka des Boulderns.

Niclas wagt sich an einen Vier-Meter-Felsen fast ohne Griffe. Zwei Meter unter ihm auf dem Boden liegt eine dicke Matte. Kletterkollegin Ladina steht bereit, um ihn im Notfall abzufangen. Wie ein Schwimmer am Beckenrand greift er die Oberkante des Steinbrockens und stemmt sich hoch. Ganz reicht sein Schwung nicht: Auf den Knien nimmt er die letzte Etappe. Dann steht er oben und strahlt stolz.

„In Bayern gibt es nichts, was mit Bleau vergleichbar wäre“, schwärmt Susanne Menhorn, die Kletterlehrerin von Niclas' Gruppe. Schon zum dritten Mal bringt die 50-Jährige Kinder und Jugendliche zum Bouldern her. „Hier gibt es einfach eine brutale Auswahl an Felsen!“ Auf einer Fläche von rund 22.000 Hektar wachsen die zwei bis zwölf Meter hohen Brocken aus weichem Sandboden - mal dicht gedrängt, mal weit verstreut zwischen Kiefern und Birken.

Zehn verschieden farbige Markierungen auf den Felsen zeigen an, wie schwer diese zu besteigen sind: Weiß steht für Kinderboulder, blaue sind schon recht schwer, schwarze Boulder bezwingen nur absolute Profis - für jedes Kletterniveau ist etwas dabei. Auch ganz ohne Erfahrung kann man hier Spaß haben.

„Fontainebleau ist einfach ein riesiger Spielplatz“, findet Angelika Lorenz, 40 Jahre alt und Boulderin auf hohem Niveau. Auch sie ist extra aus Bayern hergekommen und hat ihren Sohn dabei. Sie selbst schafft blau markierte Felsen locker, der Zwölfjährige ist eher am Anfang seiner Kletterlaufbahn. Aber laut Lorenz ist das kein Problem: „Hier kann man Hunderte Wege finden, auch wenn man nicht so gut ist“, sagt sie.

Allerdings stellen die Sandsteinfelsen von Fontainebleau besondere Anforderungen an Kletterer. Sie sind sehr glatt und haben wenige Griffe. Profis schwören auf viel zu kleine Kletterschuhe, um den Fels besser zu spüren. Extrem schwere Boulder kann man nur bei Temperaturen unter null Grad schaffen, sonst sind die Hände zu feucht. „Auf jeden Fall kann man hier sehr gut auf Technik trainieren“, so Angelika Lorenz.

Das machte sich seit seiner Gründung auch der Französische Alpenverein zunutze. 1874 entdeckten seine Mitglieder die Felsblöcke um Fontainebleau und trainierten dort für die „echten Berge“. Heute ist Bouldern eine etablierte Sportart mit eigenen Vereinen und vielen Fans. Immer mehr spezielle Boulderhallen eröffnen und bieten Kurse an. „Das Tolle am Bouldern ist, dass man am Anfang so schnell besser wird“, erklärt der 14-jährige Niclas Popp: „Man braucht erst einmal nichts außer Kletterschuhen und jemanden, der einen sichert.“

Dann hat er keine Zeit mehr zum Reden. Nur noch zehn Minuten bleiben ihm, um den Wettbewerb zu gewinnen, den Kletterlehrerin Menhorn angeleiert hat: Wer die meisten und schwersten Boulder schafft, muss am Abend in der Hütte nicht putzen.

Von Violetta Kuhn, dpa

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