All-inclusive-Urlaub
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Beim All-inclusive-Urlaub gibt es meistens Essen und Trinken umsonst und so viel man will – es lauern aber auch tückische Kostenfallen.

Eine Urlaubsform mit Fallen

Die All-inclusive-Lüge

Es klingt nach dem perfekten Urlaub: Nach der Buchung von All inclusive (AI) wird nur einmal bezahlt – und dann ist vor Ort alles gratis. Quasi wie im Schlaraffenland...

Mikka Bender: Die All-inclusive-Lüge – Wie Pauschalurlauber getäuscht werden.

...gibt es Essen und Trinken ständig und umsonst, und für alle weiteren Angebote im Hotel muss man ebensowenig etwas bezahlen wie für die Strandliegen, das Sportprogramm, den Barbesuch und die Disco. Immerhin über 40 Prozent der deutschen Pauschalurlauber entschieden sich im vergangenen Sommerurlaub für diese Form der Rundumversorgung. Doch was den Kunden als entspannte Erholung dank Budgetsicherheit versprochen werde, entpuppe sich nur allzu oft als Etikettenschwindel, sagt Mikka Bender. Der Reiseexperte, der unter anderem in den vergangenen Jahren für den TV-Sender Vox als Urlaubsretter unterwegs war, benennt in seinem Buch „Die All-inclusive-Lüge“ die Schattenseiten des vermeintlichen Aufenthaltes im Schlaraffenland. Im Interview gibt er Tipps, wie man dennoch zu einem guten Urlaub kommen kann.

Hallo Herr Bender, die Sommerferien sind vorbei und der Alltag hat uns wieder. Bis zur nächsten Reise müssen wir nun von den Urlaubserinnerungen zehren. Die sind bei manchen allerdings alles andere als positiv. Glauben Sie, dass wieder viele Urlauber der All-inclusive-Lüge aufgesessen sind?

Mikka Bender: Viele Urlauber, die eine Pauschalreise unternommen haben, kommen halbwegs zufrieden nach Hause. Die deutschen Reiseveranstalter wissen ja ziemlich genau, mit welchen Leistungen sie die Feriengäste vor Ort zufrieden stellen können. Leider werden vor allem beim AI-Modell die Leistungen so gering wie möglich gehalten. Der Kunde hat den Reisepreis ja schon zu 100 Prozent vor Antritt der Reise an den Veranstalter überwiesen. Besonderer Service und besondere Qualität müssen also gar nicht mehr erbracht werden. Eine besonders gute Leistung lohnt sich gar nicht. Das Prinzip bei AI heißt daher: Den Gast mit möglichst geringem Aufwand und Wareneinsatz unterzubringen und satt zu machen. Das funktioniert erstaunlich oft. Auch in diesem Sommer.

Wie kann man sich im Urlaub gegen Probleme mit der Unterkunft, mit dem Essen und mit weiteren nicht eingehaltenen Leistungen schützen? Sollte man runterschlucken, umbuchen oder abreisen?

Mikka Bender

Mikka Bender:Mit viel Bier runterschlucken kann funktionieren, wenn man wirklich trinkfest ist. Abreisen ist keine gute Idee, es sei denn, die Mängel machen überhaupt keinen Urlaub möglich und man will nur wieder – möglichst gesund – nach Hause kommen. Nein, wer vor Ort mit den Leistungen seines Veranstalters aus guten und nachweisbaren Gründen nicht zufrieden ist, der muss Urlaubszeit opfern und Mängel dokumentieren, schriftlich und mit Beweisfoto, Zeugen finden und den verantwortlichen Reiseleiter bitten, für Abhilfe zu sorgen. Kann er das nicht, sollte man einen Zimmer- oder sogar Hotelwechsel einfordern und einen Mängelbericht verfassen, den der Reiseleiter möglichst unterschreibt. Mit diesem Mängelbericht dann nach der Rückkehr umgehend den Veranstalter konfrontieren und eventuell eine Reisepreisminderung einfordern. Kostet viel Zeit und Nerven!

Was sollte man unbedingt tun, wenn man keine Möglichkeit zum Reklamieren hat, weil der Reiseleiter vor Ort abtaucht und der Veranstalter zu Hause auch nicht erreichbar ist?

Wenn der Reiseleiter und auch der Veranstalter nicht ansprechbar sind, was leider auch immer mal wieder passiert, alle Mängel dokumentieren und von Zeugen belegen lassen. Wenn der Urlaub eine Katastrophe ist und keine Besserung in Sicht, kann die Abreise die letzte Möglichkeit sein. Aber niemand kann dann sicher sein, seinen Reisepreis vom Veranstalter zurückzuerhalten, auch nicht, wenn er eine Klage anstrengt.

Muss man eigentlich Mitleid mit diesen Urlaubern haben, die wenig Geld ausgeben wollen und trotzdem einen tollen Urlaub mit allem Komfort erwarten?

Nein, ich kann überhaupt kein Mitleid mit Urlaubern haben, die – drastisch gesagt – für 5 Euro am Tag den perfekten Pauschalurlaub erwarten. Geiz mag geil sein, bei Reiseangeboten, die man ja nicht vorher testen und in Augenschein nehmen kann, kann man mit diesem Motto ganz schön auf die Schnauze fallen. Wenn Reisepreise sehr günstig sind, darf man keinerlei Luxus oder gehobene Qualität erwarten. Für kleines Geld gibt es auch kleine Leistung. Kein Veranstalter kann zaubern oder ist ein Samariter. Wenn die Unterkunft sauber ist und man satt wird, reicht das in diesem Fall.

Welche Tipps können Sie Reisenden geben, um nicht in die AI-Falle zu tappen?

Was muss man bei den Vorbereitungen wissen, auf was muss man bei der Buchung achten? Wer AI-Urlaub buchen möchte, sollte sich in der Reiseausschreibung auch das Kleingedruckte genau durchlesen und feststellen, was genau an Leistungen inkludiert ist. Wo all inclusive drauf steht, ist oftmals eben nicht all inclusive drin. Und man muss sich der Tatsache bewusst sein, dass man ein Massenprodukt bucht, das wenig Spielraum für individuelle Wünsche lässt, es sei denn, man geht sehr spendabel mit Trinkgeldern um.

Wie soll Ihrer Meinung nach jemand Urlaub machen, der Kinder hat, dessen Geld gerade für eine zweiwöchige Reise reicht und der einfach nur entspannen und sich um nichts kümmern will? Welche Alternativen zu AI gibt es, vor allem, wenn das Budget beschränkt ist?

Wenn ich über ein begrenztes Budget verfüge und mich um nichts kümmern möchte, kann AI sinnvoll sein. Aber: AI muss nicht besonders günstig sein, im Gegenteil. Das Rundum-sorglos-Angebot muss auch bezahlt werden. Und meine Kinder verhungern und verdursten auch nicht, wenn es im Hotelgelände nicht an jeder Ecke eine Eismaschine, einen Cola-Automaten und einen Frittenstand gibt. Die Veranstalter haben es bei vielen Urlaubern erfolgreich geschafft, die Angst zu nähren, dass man ohne das AI-Angebot vor Ort gar nicht vernünftig überleben kann. Was natürlich Blödsinn ist. In jeder Ferienregion gibt es eine gut ausgebaute touristische Infrastruktur, die zu nutzen nicht besonders schwierig ist und außerdem Spaß macht.

Warum hat AI-Urlaub so einen schlechten Ruf? Es gibt doch durchaus auch seriöse Veranstalter, bei denen das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.

Bei AI-Angeboten zahlen Sie ja oftmals Leistungen, die Sie gar nicht in Anspruch nehmen können. Wer kann und will schon den ganzen Tag Bier trinken und ständig an irgendeinem Buffet herumlungern. Es gibt auch Angebote nur mit Frühstück oder Halbpension. Da zahlen Sie dann eher nur das, was Sie auch konsumieren. Es ist ein völliger Irrglaube, dass AI-Angebote immer ein Schnäppchen seien. Gute Angebote sind meist richtig teuer. AI-Angebote haben nicht grundsätzlich einen schlechten Ruf. Sonst würden doch nicht so viele Urlauber dieses Urlaubsmodell favorisieren. Es ist halt ein Modell für die große Masse, nie besonders gut, aber auch selten ganz schlecht. Man macht viele Urlauber damit halbwegs zufrieden und die Urlaubskasse wandert zu 100 Prozent in die Taschen der Veranstalter. Für die ist es ein gutes Geschäftsmodell, für die Einheimischen vor Ort, die vom Tourismus leben, überhaupt nicht.

Wie verreisen Sie im Urlaub mit Ihrer Familie? Haben Sie selbst schon mal AI-Urlaub gemacht?

Ich haben natürlich sehr oft AI-Angebote genutzt, besonders als Urlaubsreporter. Ich muss schließlich wissen, wovon ich rede. Privat nutze ich solche Angebote nicht. Ich kann nicht so viel essen und trinken, ich treibe mich lieber außerhalb von Hotelanlagen herum, auch an ziemlich exotischen Reisezielen. Da zieht meine Familie mit. Vor Kurzem war ich in Osttirol zum Wandern und Para­gleiten und habe in einer Frühstücks­pension gewohnt für 27 Euro im Einzelzimmer. Morgens Kaffee und Brötchen, abends Wiener Schnitzel oder Gamsgulasch, herrlich!

Interview: Volker Pfau

Der Autor

Nach dem Abitur reiste Mikka Bender (Jahrgang 1954) mit einem alten VW Bus zum Himalaya-Trekking nach Nepal. Sein Studium der Geografie- und Sportwissenschaften finanzierte er als Reise- und Expeditionsleiter und machte sich nach dem Abschluss mit einem Reise- und Vortragsdienst und als Reiseveranstalter selbstständig. 1992 wurde er vom TV-Sender Vox als Redakteur angeheuert, wo er unter anderem die Sendung „Voxtours“ maßgeblich entwickelte und ab 1996 Redaktionsleiter der Reisesendung „Wolkenlos“ war. Von 2011 bis 2013 stand er als Moderator für die Reisesendung „Hilfe, mein Urlaub geht baden!“ vor der Kamera. Mikka Bender läuft Marathon, klettert auf Berge, fliegt mit dem Paragleiter, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Das Buch

Mikka Bender: Die All-inclusive-Lüge – Wie Pauschalurlauber getäuscht werden. 202 Seiten, Rowohlt Verlag, 8,99 Euro, ISBN 978-3-499-63019-4.

All Inclusive – die Leistungen und die Fallen

Neben den bekannten Begriffen Übernachtung mit Frühstück (ÜF), Halbpension (HP) und Vollpension (VP) werden Urlauber in den Katalogen mit diversen Formen des All inclusive (AI) konfrontiert. Es gibt keine einheitliche Definition, viele verschiedene Begriffe, aber Anhaltspunkte für unterschiedliche Leistungen – und jede Menge versteckte Kostenfallen.

AI SOFT/LIGHT: Eine Mager-Version, bestimmte Serviceleistungen sind ausgeklammert oder eingeschränkt – Getränke sind nur zu bestimmten Uhrzeiten inklusive, Büffets werden früh abgeräumt oder es gibt keine Snacks wie Eis und Kuchen.

AI: Kann je nach Reiseanbieter oder Hotel stark variieren. Zu den Hauptmahlzeiten gibt’s meist ein Büffet, Getränke (oft Softdrinks und ortsübliche Alkoholika) sind frei, importierte alkoholische Getränke kosten extra. Zwischendrin gibt es Snacks. Sperrzeiten beachten, ebenso kostenpflichtige Ex­tra-Leistungen wie Espresso oder Cocktails! Gäste werden oft mit Animation und diversen Abendveranstaltungen unterhalten. Freizeitangebote, Wellness, Sauna sind oft nur eingeschränkt inklusive, Strandliegen und Empfang deutscher TV-Sender können zusätzlich kosten.

AI PLUS/ULTRA/PREMIUM: Umfasst noch mehr Leistungen, zum Beispiel mehr Markengetränke, täglich gefüllte Minibar, freie Getränke in der Disko oder an der Bar. Manchmal sind auch sonst teure Sportangebote wie Windsurfing, Tauchen und Segeln kostenlos.

Schummel-Fotos im Reisekatalog

Schummel-Fotos im Reisekatalog

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