Cannabis wurde 1923 in Kanada verboten und gilt bis heute als illegale Droge. Doch die medizinische Anwendung ist seit 1999 erlaubt.
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Haschisch-Boom in Vancouver: Zwar wurde Cannabis 1923 in Kanada verboten und gilt bis heute als illegale Droge, doch die medizinische Anwendung ist seit 1999 erlaubt.

Cannabis-Boom

In Vancouver gibt es Hasch aus dem Automaten

Er sieht aus wie einer dieser Süßigkeitenautomaten auf Bahnsteigen. Doch das Modell im kanadischen Vancouver spuckt weder Schokoriegel noch Gummibärchen aus. Sondern "Gras".

Wer hier ein paar Münzen einwirft, kann zwischen unterschiedlichsten Sorten Cannabis wählen. Für vier kanadische Dollar (2,70 Euro) gibt die Maschine ein versiegeltes Plastiktütchen mit einem Gramm der Sorte "Cotton Candy" frei. "Purple Kush" kostet zwei Dollar mehr. Das beste Gras sei "Pink Kush", empfiehlt Chuck Varabioff.

Varabioff ist der Chef der British Columbia Pain Society, einer von 400 Abgabestellen in Vancouver, in denen Marihuana an Schmerzpatienten verkauft wird. Und die erste, in der Automaten den Verkauf übernehmen.

Cannabis wurde 1923 in Kanada verboten und gilt bis heute als illegale Droge. Doch die medizinische Anwendung ist seit 1999 erlaubt. Ein Gerichtsurteil vom April hat einen regelrechten Haschisch-Boom ausgelöst. Seither dürfen lizensierte Unternehmen Cannabis anbauen und vertreiben - bisher versorgten 30.000 Kleinproduzenten, die den Hanf zu Hause züchteten, den Markt.

Die medizinischen Abgabestellen sind ein relativ neues Phänomen. Über Jahrzehnte wurde Hasch auf der Straße gehandelt. Vor zehn Jahren schätzte eine Studie des Fraser Institute den Umsatz dieses illegalen Handels auf sieben Milliarden kanadische Dollar (4,7 Milliarden Euro) allein in der Provinz British Columbia.

Tütchen mit getrockneten Hanfblättern

Es werde streng kontrolliert, wer in der British Columbia Pain Society einkaufe, versichert der Betreiber. Nur wer mindestens 19 Jahre alt sei und ein Rezept von einem Arzt oder Heilpraktiker vorweisen kann, werde zu den Automaten vorgelassen. Das Tütchen mit den getrockneten Hanfblättern dürfen die Kunden mit nach Hause nehmen oder vor Ort rauchen.

Wie Justin Johnson. Johnson sitzt an dem mit einer Lüftungsanlage ausgestatteten Tisch und inhaliert den Rauch aus einer gläsernen Pfeife. Er fühle sich "bekifft, ein bisschen euphorisch und unruhig", sagt er lächelnd. "Und sofort sind all meine Schmerzen verschwunden." Er kiffe, seit er sich bei seiner Arbeit als Koch den Rücken verletzt habe, als er einen Sack Kartoffeln hoch hob, erklärt Johnson.

In Zukunft will Ladenbetreiber Varabioff auch in Krankenhäusern und Altenheimen Hasch-Automaten aufstellen. Er glaubt an die schmerzlindernde Wirkung von Cannabis, seit er einen älteren Verwandten hat leiden sehen. Varabioff selbst verzichtet jedoch auf das Hasch-Pfeifchen: Er hat Asthma.

In Deutschland fällt Cannabis unter das Betäubungsmittelgesetz und ist verboten. Seit Anfang des Jahres kann man aber Marihuana in Colorado (USA) legal kaufen.

Cannabis

Die Pflanze Cannabis enthält verschiedene psychoaktive Inhaltsstoffe. Der Hauptwirkstoff ist das Tetrahydrocannabinol (THC). Nur die weibliche Form der Gattung "Cannabis sativa" enthält genügend THC, um einen Rausch zu erzeugen.

Cannabis wird meist in Form von Marihuana oder Haschisch konsumiert.

  • Marihuana - getrockneten und zerkleinerten Pflanzenteile
  • Haschisch - das aus den Blüten gewonnene Harz der Pflanze

Besonders häufig ist Kiffen - das Rauchen von Joints. Dabei wird das zerbröselte Haschisch oder Marihuana mit Tabak vermischt und zu einer Zigarette gedreht. Cannabisprodukte werden auch als zu Kekesen verbacken und können dann gegessen werden.

Cannabis ist in Deutschland illegal. Der Besitz, Handel und Anbau von Cannabis ist verboten.

Seit 2011 ist es aber möglich cannabishaltige Arzneimittel zu verschreiben. Das erste in Deutschland zugelassene Medikament auf Basis von Cannabis wird zur Schmerzlinderung bei Multipler Sklerose eingesetzt. Handel und Besitz von Cannabis zu Rauschzwecken bleiben unverändert verboten.

Gesundheitsrisiko für Kiffer

Vor allem bei Jugendlichen wirkt sich regelmäßiges Kiffen negativ auf die Gehirnentwicklung aus. Ist der Cannabiskonsum gefährlich? Kann Kiffen eine Psychose auslösen? Ein Selbsttest für Kiffer gibt es von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf www.drugcom.de.

AFP/ml

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