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Sitzplatz garantiert, auch ohne Fahrkarte: Busbank vom Regionalverkehr Oberbayern.

Diese Idee sitzt

Der Chiemgauer Bankerl-Boom

Allen Traumstränden und Fernwehstimmungen zum Trotz: Deutschland ist immer noch der Deutschen liebstes Reiseland, und Bayern rangiert auf der Beliebtheitsskala unter allen Bundesländern ganz oben.

Natürlich: Biergärten und Berge haben sie hier alle, da muss man sich als Urlaubsort schon was ausdenken zur Profilierung. Die Chiemgau-Gemeinde Aschau setzt dabei voll und ganz auf die Gemütlichkeit. Sie hat überall im Dorf Bankerl aufgestellt. Das 190. ist gerade in Arbeit.

Ilse Aigner hat eine bekommen, weil sie eine Ministerin ist, Christian Wolff, weil er einmal der TV-Oberförster war und 75 Jahre alt geworden ist. Die vor der Volks- und Raiffeisenbank ist dem Erfolg gewidmet und die vor der Sparkasse dem Volk, also eigentlich jedem, der sich draufsetzen mag. „Deine Bank“, steht da freundlich auffordernd. Keine Sorge, kostet nix!

Zu Übungszwecken: Die Bank der Aschauer Bauern hat unten Zitzen.

Das Bankerl mit dem Namen Bankgeheimnis aber hat komischerweise kein Kreditinstitut für sich gepachtet, sondern die Möbelschreinerei Fuchs. Das ist weniger naheliegend, anderes schon: Sternekoch Heinz Winkler hat eine Feinschmeckerbank aufgestellt, der Auerbräu eine Bierfasslbank, die Metzgerei Ablinger eine Brotzeitbank, der Blumenladen Pfaffinger ein Rosenbankerl, Brigittes Frisierstube ein Baderbankerl, die Schlossapotheke ein Gsundheitsbankerl und die katholische Pfarrgemeinde eine Papstbank (was die evangelische Kirchengemeinde sogleich mit einer Lutherbank gekontert hat).

Zum Chillen oder Ausruhen

Das hoaklige Thema mit der Tod-und Deifi-Bank aber wurde überkonfessionell von anderer Stelle aufgenommen, nämlich vom Gasthof Kampenwand. Vielleicht, weil man solche posthumen Themen halt im richtigen Leben eher am Stammtisch als von der Kanzel herunter ausdiskutiert.

Es gibt Bankerl für den Ausblick und für den Augenblick, solche zum neumodisch chillen und solche zum altmodisch ausruhen. Und einige auch, an denen man sich betätigen soll: Das Modell Milli-Liesl der Aschauer Bäuerinnen und Bauern zum Beispiel hat unter der Sitzfläche Zitzen, an denen der im Oberland urlaubende Stadterer das Melken üben kann.

Schieben wir es nicht auf die lange Bank (die es auch gibt), machen wir es kurz: In der Chiemgauer Urlaubsgemeinde Aschau gibt es bald so viele Bankerl wie Strandbäder in Rimini. Das ganze Dorf ist hochgradig infiziert vom Bankerlvirus, so die medizinische Diagnose. Das 190. Objekt werden sie demnächst aufstellen, eine Bank, deren Name „Mammut“ Großes verspricht.

Für die Integration: Mittendrin-Bank.

„So ein Schmarrn“ könnte man die Sache jetzt ganz einfach argumentativ vom Tisch wischen. Wenn man nicht mittlerweile wüsste, dass die Aschauer ihre Bankomanie marketingstrategisch ganz zielorientiert ausleben und zwar mit großem Erfolg. Immerhin haben sie damit dieses Jahr den bayerischen Tourismuspreis abgeräumt und sind für den deutschen Tourismuspreis nominiert. „Die Aschauer Bankerl schaffen einen ganz neuen Erlebniswert. Sie sind Sitzplätze mit Erholungswert und Schauplätze bayerischer Tradition.“ So hat es die Bankinhaberin Ilse Aigner in ihrer Laudatio gesagt, und dabei hat sie ganz traditionell einen Trachtenjanker getragen, weil es an dem Tag für ein Dirndl zu kalt gewesen wäre.

Himmlische Ruh: Die Blaue Bank.

Was die Aschauer mit ihrer Bankomanie ganz nebenbei auch bewirken wollen ist, dass das Leben in ihrem Dorf ein bisserl langsamer wird. Entschleunigt heißt das neuerdings und wird als ganz großer Trend im modernen Tourismusgeschäft gehandelt. Zehn der 190 Bankerl stehen, abseits von Lärm und Hektik, auf dem westlichen Höhenweg, und von jeder Position dort oben hat man einen wunderbaren Ausblick auf das Aschauer Tal und die Kampenwand. Dass das Prinzip funktioniert, haben die letzten 500 Tage bewiesen, an denen die Zamperlbank (mit Wassernapf für den tierischen Wanderer) und das Zauber-Bankerl, die stille Bank und eine Bank mit dem Namen Waldesruh da oben stehen. Die Menschen setzen sich nieder, schauen, genießen, nehmen sich Zeit, denken nach (darum heißt eine der Sitzgelegenheiten wohl auch Hirnschmoiz-Bank). Und wenn sie sich über das Nachgedachte dann austauschen wollen, können sie wieder runter gehen und sich vor das Rathaus setzen, wo genau zu diesem Zweck quadratisch praktisch die Quadratratschn-Bank steht. So halten sie das im schönen Aschau. Und das machen sie genau richtig mit ihrem Bankerlboom.

Christine Hinkofer

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