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Der Königskrabbenfang ist streng reglementiert, nur wenige Fischer bekommen Lizenzen.

Auf Königskrabbensafari in Norwegen

Delikate Monster

Sie haben bis zu 80 Zentimeter lange Beine, doch besonders hübsch sind sie nicht: die Königskrabben. In Nordnorwegen sind die Schalentiere eine besondere Delikatesse - auch für Touristen.

Die Gischt spritzt, und kalter Wind pfeift einem um die Ohren, als das Motorboot über die Barentssee brettert. Nur der Motorenlärm und ein paar kreischende Möwen durchbrechen die Stille. Am Ufer schroffe Felsen, Geröll und grünes Gestrüpp, der Abfahrtsort Kirkenes ist schon lange nicht mehr zu sehen. Ein Rentier lugt hinter einem Felsbrocken hervor, der Wind treibt Wolkenfetzen über den Himmel, die sich im glasklaren Wasser spiegeln.

Ronny Ostrem war früher Pilot.

An einer Boje hält Ronny Ostrem das Boot an. Mit aller Kraft zerrt er ein grünes Fischernetz an Bord, darin purzeln knapp 40 große, stachelige Königskrabben durcheinander. Langsam, wie aus Protest, bewegen sie ihre rotbraunen Beine und Stielaugen. Prüfend drückt Ronny die Krabbenbeine zwischen Daumen und Zeigefinger, um zu erfühlen, ob genug Fleisch dran ist. Ist das Beinchen zu dünn, wirft er das Krebstier mit einem Platsch zurück ins Wasser. Im Winter ist das selten der Fall, jetzt herrscht Hochsaison. Dank des Golfstroms bleibt das Meer eisfrei.

Die fettesten Exemplare werden bis zu zehn Kilo schwer, die Beine bis zu 80 Zentimeter lang.

Sie werden oft Monsterkrabben genannt, die mächtigen Königs- oder Kamtschatkakrabben. Besonders hübsch sind sie nicht mit ihrem stacheligen Panzer, den langen, spinnenartigen Beinen und kleinen Scheren. Die fettesten Exemplare können bis zu zehn Kilo schwer werden, ihre Beine 80 Zentimeter lang. Königskrabben sind eigentlich im nördlichen Pazifik beheimatet, aber Anfang der 1960er setzten russische Forscher einige Dutzend Exemplare in der Barentssee vor Murmansk aus. Weil natürliche Feinde fehlen, haben sich die Krustentiere seither stark vermehrt und dringen immer weiter an Norwegens Küsten vor.
Die Krabben könnten das ökologische Gleichgewicht zerstören, fürchten Kritiker und fordern, die Königskrabben hier auszurotten. Doch in Ländern wie den USA und Japan ist ihr Fleisch eine Delikatesse. Die Fischer machen gutes Geld damit - und Touristen lieben die Königskrabbensafaris, die vielerorts in der nordnorwegischen Provinz Finnmark angeboten werden.

Trotzdem ist der Königskrabbenfang streng reglementiert, nur wenige Fischer bekommen Lizenzen. Die Einheimischen dürfen maximal zehn Krabben im Jahr für den Eigengebrauch aus der See holen - und nur männliche. Auch für Ronny Ostrem sind die Königskrabben eine gute Einnahmequelle.

Es ist zwar etwas schwierig, das saftige Fleisch aus der Schale zu pulen, doch die Mühe ist es wert.

Ronny war früher Pilot, musste aber aus gesundheitlichen Gründen den Job aufgeben. Er baute ein brummmendes, kleines Tourismusunternehmen in seiner Heimatstadt Kirkenes auf. Hundeschlittenfahrten, Schneehotel, Rentierpark, Wandertouren und Königskrabbensafari - bei Ronny gibt es fast alles, was Besucher an Nordnorwegen reizt. Denn hier, im äußersten Nordosten Norwegens, in der Provinz Finnmark, nahe der Grenze zu Russland und Finnland, ist die Natur die größte Sehenswürdigkeit.

Ronny hat das Netz wieder ins Wasser gelassen und wirft den Motor an. Nach der Rückkehr zu einer schlichten, rot gestrichenen Fischerhütte am Ufer geht es an die Zubereitung des Fangs. Beherzt rammt Ronny ein großes Messer in den Brustpanzer jeder Krabbe, schabt Lunge und Innereien heraus, schneidet die Beine ab und wirft die Reste in den Abfall.

Im Blechtopf dämpft er die Krabbenbeine 17 Minuten lang über Salzwasser, bis sich ihre Schale in ein sattes Orange färbt. Es ist zwar etwas mühselig, das saftige Fleisch aus der Schale zu pulen, doch die Mühe ist es wert. Am liebsten isst Ronny das zarte Krabbenfleisch pur, höchstens mit ein wenig Zitrone und gebuttertem Weißbrot. Mit den Fingern selbstverständlich. Und wenn ihm danach ist mit einem Glas Weißwein. So lässt es sich leben.

Von Kathrin Dorscheid, dpa

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