+
Wer kommt bei langen Flugverspätungen durch einen verpassten Anschlussflug für den Schaden auf? Entscheidend ist, wie die Buchung vorgenommen wurde. Foto: Andreas Gebert

Die Buchungsform zählt: Entschädigung bei Codeshare-Flügen

Verspätungen durch verpasste Anschlussflüge sind ärgerlich und können den eigenen Terminplan mächtig durcheinander bringen. Ist man mit verschiedenen Airlines geflogen, stellt sich die Frage, wer für den Schaden aufkommt. Codeshare-Flüge sind da ein besonderer Fall.

Hamburg (dpa/tmn) - Viele Airlines verkaufen Sitze in Flugzeugen anderer Fluggesellschaften und stimmen ihre Flugpläne aufeinander ab. Sie machen Codesharing. Nur wer zahlt eine Entschädigung, wenn sich der Zubringerflug mit Airline A verspätet und der Kunde den Weiterflug mit Airline B verpasst?

Entscheidend ist hier, ob ein einheitlicher Buchungsvorgang vorliegt, entschied das Amtsgericht Hamburg (Az.: 20a C 219/14). Bietet also Airline B auch den Zubringer von Airline A an, ist sie für die gesamte Flugstrecke verantwortlich. Darüber berichtet die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in der Zeitschrift "ReiseRecht aktuell".

In dem verhandelten Fall hatten die Kläger einen Flug von Hamburg nach München und von dort weiter über Johannesburg nach Kapstadt bei der beklagten Airline gebucht. Der innerdeutsche Zubringer wurde von einem Codeshare-Partner durchgeführt, das Gepäck aber bis zum Ziel in Südafrika durchgecheckt. Der München-Flug verspätete sich jedoch, so dass die Kläger den Weiterflug verpassten. Sie erreichten Kapstadt erst mit einem Tag Verspätung und forderten von der Airline eine Entschädigung nach EU-Recht. Das Gericht gab ihnen Recht.

Zweifellos habe die Verspätung bei mehr als drei Stunden gelegen, so das Gericht. Dabei sei es egal, dass der Abflug des Zubringers selbst sich nur um 51 Minuten verspätet hatte. Der Zeitverlust am Ende zählt. Weil alle Flüge der Route bei der Beklagten gebucht wurden, sei diese auch für die Durchführung verantwortlich. Der Fluggast dürfe davon ausgehen, dass sich die Codeshare-Partner über die Umstiegszeiten Gedanken gemacht haben und für den jeweils anderen Flug die Verantwortung übernehmen. Somit stehe den Klägern eine Ausgleichszahlung in Höhe von 600 Euro pro Person zu.

Mehr zum Thema

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Flusskreuzfahrten boomen - Die Schattenseite des Erfolgs

Sie kommen zu Hunderten, schieben sich wenige Stunden durch historische Altstädte und ziehen dann wieder ab: Die steigende Zahl an Flusskreuzfahrt-Touristen sorgt …
Flusskreuzfahrten boomen - Die Schattenseite des Erfolgs

Kein Fährverkehr in der Ägäis am Freitag und Samstag

Wer sich derzeit an der Ägäis aufhält, sollte vorerst keine Fahrten mit der Fähre planen. Denn die Fähren werden bis Sonntag nicht ablegen. Grund ist ein Streik der …
Kein Fährverkehr in der Ägäis am Freitag und Samstag

Im Erzgebirge startet die Skisaison

Am Samstag werden die ersten Skilifte und -pisten in Sachsen in Betrieb genommen. Kunstschnee macht es möglich. Doch der Deutsche Wetterdienst verspricht auch gute …
Im Erzgebirge startet die Skisaison

Luther und Weihnachtsparaden im Januar

Wem die Adventszeit zu kurz ist, der kann sie in Brasilien verlängern. Auch im Januar gibt es dort noch einige Weihnachtsevents. Der Berliner Gropius-Bau beschäftig sich …
Luther und Weihnachtsparaden im Januar

Kommentare