Im Urlaub essen, immer und überall: Das ist das Grundprinzip von all-inclusive.
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Im Urlaub essen, immer und überall: Das ist das Grundprinzip von all-inclusive.

Ohne Nebenkosten

Die Wahrheit überAll-inclusive-Urlauber

Doris Dörrie hat mit „Alles inklusive“ eine bittersüße Komödie über Urlauber in einem All-inclusive-Hotel gedreht.

Welchen Stellenwert die Urlaubsform im realen Tourismus heute einnimmt, darüber sprachen wir mit Oliver Dörschuck, Touristikchef bei Deutschlands größtem Reiseveranstalter TUI.

Herr Dörschuck, wann fing das Geschäft mit dem „Essen-und-trinken-satt“ eigentlich an? Oder anders gefragt: Wie weit muss man in der Tourismus-Geschichte zurückschauen zu den Wurzeln von all-inclusive?

Oliver Dörschuck von der Tui.

Seit der Sommersaison 2004 liegen uns für den touristischen Gesamtmarkt als auch für TUI Daten zur Entwicklung von All-Inclusive-Urlaub vor. Demnach haben damals in Mittelstrecke-Destinationen insgesamt 27 Prozent der bundesdeutschen Urlauber all inclusive gebucht – bei den TUI Gästen lag der Anteil sogar schon bei 41 Prozent.

Ist all-inclusive seither ein konstantes Erfolgsmodell?

Ja, es entwickelt sich gut. Urlaub ohne Nebenkosten liegt absolut im Trend. Weil die Kosten für den Kunden bereits vor der Reise kalkulierbar sind und vor Ort nichts mehr hinzukommt. Es ist eine sehr „bequeme“ Urlaubsform. Außerdem ist all-inclusive ja auch preislich attraktiv.

Wie viele Urlauber buchen denn heute All-inclusive?

Der Anteil liegt auf der Mittelstrecke bei knapp 60 Prozent. Die Daten beziehen sich auf Reisen ab fünf Tagen Dauer.

Welches sind die stärksten Destinationen für All-inclusive-Urlaub?

Den höchsten All-Inclusive-Anteil haben die Türkei, Ägypten, Tunesien und die Kapverden. Dort bieten über 90 Prozent der Hotels Urlaub ohne Nebenkosten. In Spanien oder Portugal sind die All-inclusive-Anteile deutlich geringer. Die meisten Hotels in diesen Zielen bieten all-inclusive wahlweise zur Halbpension an. Bei den Fernzielen buchen die TUI-Gäste in der Karibik und Mittel-/Südamerika besonders gerne all-inclusive. TUI-Reisende nach Asien oder Australien bevorzugen dagegen Unterkunft mit Frühstück. Und USA- und Kanada-Kunden buchen überwiegend nur die Unterkunftsleistung.

Worin begründen sich die nationalen Unterschiede?

Das hängt von den Gegebenheiten vor Ort ab, die die Umsetzbarkeit verschiedener All-inclusive-Konzepte bestimmen: Größe der Hotelgrundstücke (je größer, desto mehr Einrichtungen sind in den Bereichen Sport, Entertainment, Gastronomie möglich), Personalkosten, touristische Infrastruktur außerhalb der Hotels etc.

In Deutschland hat sich die Urlaubsform bis heute nicht richtig etabliert?

Der All-inclusive-Anteil ist in den letzten Jahren in Deutschland zwar gestiegen, bewegt sich aber immer noch im einstelligen Prozentbereich. Die TUI bietet hier einige Familienhotels und -resorts an, die durchaus eine hohe Nachfrage verzeichnen, etwa die Best Family-Hotels.

Was beinhaltet all-inclusive? Gibt es da Spannen?

Der Anspruch an Umfang und Qualität hat zugenommen. Die TUI setzt Mindeststandards für Vertragshotels mit All-inclusive-Label. Darin enthalten sind Vollpension, Snacks und/oder Kuchen sowie ausgewählte nationale alkoholische und nicht alkoholische Getränke während der Mahlzeiten und zu den Öffnungszeiten der Bars. Die Infos, welche Leistungen bei all-inclusive integriert sind, sind transparent im Katalog abgedruckt.

Geht der Trend zu mehr?

Tendenziell werden heute mehr zusätzliche Leistungen integriert, wie z. B. A-la-carte-Restaurants, Massagen, Sportangebote etc. Das umfassendste All-Inclusive-Angebot bietet die TUI-Marke Club Magic Life mit ihrem Alles-drinklusive-Konzept: 170 Leistungen sind darin eingeschlossen, darunter auch motorisierter Wassersport (Wasserski, Banana Boat), Tennis-Gruppenkurse oder geführte Mountainbike-Touren.

Gibt es auch die Gegenbewegung? Den Trend hin zu weniger?

Ja, bei der neuen Hotelmarke Viverde spielt das Thema keine Rolle.

Wieviel muss ich heute minimum für eine Woche All-inclusive-Urlaub ausgeben?

In einem Vier-Sterne-Hotel unserer Preiswert-Marke 1-2-fly, beispielsweise in der Türkei, kann man einen Woche all-inclusive schon ab 300 Euro buchen.

Und wer ist nun der klassische All-inclusive-Gast?

Urlauber, die viel Zeit in der Anlage verbringen und Genuss und Unterhaltung suchen ,legen mehr Wert auf das All-inclusive-Angebot als Entdecker, die vor allem Land und Leute kennenlernen möchten. Familien sind meist besonders preissensibel und dankbar, wenn sie die Nebenkosten im Urlaub im Griff haben.

Interview: Christine Hinkofer

"Rührend"

Doris Dörrie

„All-inclusive-Urlaub kann rührend sein. Ich habe viel Erfahrung mit diesen All-inclusive-Hotels, weil ich einmal im Jahr eine Exkursion mit meinen Studenten mache und wir dann immer in ein solches Hotel fahren, weil es einfach das Einzige ist, was wir uns leisten können, und weil es wahnsinnig praktisch ist, wenn die Studenten so viel essen und trinken können, wie sie wollen. “

Doris Dörrie, Regisseurin und Professorin an der Hochschule für Film & Fernsehen in München

Christine Hinkofer

Christine Hinkofer

E-Mail:Christine.Hinkofer@tz.de

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