+
Der Preis ist heiß: Im Parkstadthotel in Bad Muskau bestimmen die Gäste selbst, wie viel sie für eine woche Aufenthalt zahlen wollen.

Eine Frage der Wertschätzung

Im Parkstadthotel in Bad Muskau bestimmen die Gäste am Ende ihres Aufenthaltes selbst, wie viel ihnen die Übernachtungen in der Oberlausitz wert war. Zu schön, um wahr zu sein?

Wo ist der Trick? Was steckt im Kleingedruckten verborgen? Wenn Gäste im Parkstadthotel in Bad Muskau ankommen, steht ihnen die Suche nach dem Haken an der Sache regelrecht ins Gesicht geschrieben. „Die Gäste sind anfangs richtig angespannt“, sagt Holger Lauterbach. Doch der Hotelbesitzer meint es ehrlich: Jeder bestimmt bei einem einwöchigen Aufenthalt selbst, wie viel er für die Übernachtung bezahlen möchte. Was es mit dieser ungewöhnlichen Aktion auf sich hat, erklärt Holger Lauterbach den Neuankömmlingen am ersten Abend.

Dann weiß jeder, dass das Angebot tatsächlich stimmt. „Ich bin eigentlich kein Hotelier“, gibt Holger Lauterbach freimütig zu. „Ein Hotelier könnte wahrscheinlich gar nicht so denken.“ Aber seine Rechnug geht auf. „Wir brauchen rund 15 Euro pro Gast“, sagt Holger Lauterbach zu seiner Kalkulation – und nach Auswertung der ersten Saison mit dem Angebot hat jeder Gast im Schnitt genau so viel Geld bezahlt.

In Kauf nehmen müssen die Gäste, dass es keinen täglichen Zimmerservice gibt und Leistungen im Restaurant (wo Matthias Hermann kocht, der im Brauereigasthof Aying gelernt hat) bezahlt werden müssen. Den beiden anderen Hoteliers in Bad Muskau nimmt er mit dieser unkonventionellen Aktion nichts weg. „Wir bringen unsere Gäste selbst mit. 95 Prozent haben sich nur durch unser Angebot anlocken lassen und wären sonst nicht so weit in den Osten gekommen“, sagt Holger Lauterbach stolz.

Der Fürst-Pückler-Park Bad Muskau (poln. Park Muzakowski) in der Oberlausitz ist mit einer Gesamtfläche von 545 Hektar der größte Landschaftspark Zentraleuropas im englischen Stil.

Das Verhältnis untereinander sei entspannt, es profitieren alle im Ort von den zusätzlichen Gästen, die im Schnitt pro Tag rund 50 Euro ausgeben. Damit ist neben der wirtschaftlich sinnvollen Auslastung des Hotels das Ziel des extra zu diesem Zweck gegründeten Vereins „Der Osten lädt ein“ erfüllt: Begegnung zwischen Menschen aus Westund Ost. Durch den einwöchigen Aufenthalt lerne man sich besser kennen, teilweise würden seine Gäste gemeinsame Ausflüge organisieren. „Das ist durchaus so gewollt“, sagt der 54-Jährige, „Vorurteile räumt man nur so aus.“ Der studierte Betriebswirt und frühere Geschäftsführer einer Waldorfschule verdiente sein Geld eigentlich mit einer Einkaufsgesellschaft für gemeinnützige Einrichtungen in Wuppertal. An das Hotel kam er unverhofft: Er hatte dem Eigentümer eine Großküche geliefert, die nicht bezahlt werden konnte. Als Gegenleistung erhielt Lauterbach dafür ein Grundstück neben dem Hotel.

Bei einem Besuch in der Lausitz gemeinsam mit seiner Frau Lucia im Jahr 2004 sah das Ehepaar, dass das Hotel schon wieder leer stand. „Es hat uns einfach gejuckt“, sagt Holger Lauterbach zu dem spontanen Entschluss, das Hotel kurzerhand selbst zu übernehmen und wieder mit Leben zu füllen. „Es war einfach ein schönes Hotel in einer schönen Gegend.“ Die beiden waren begeistert und zogen vom Bergischen Land in die hinterste Ecke Sachsens. Eine erste Aktion mit Gratis- Übernachtungen wirkte. „Wir waren wochenlang komplett ausgebucht“, sagt der Neu-Hotelier, „und wir hatten genau den Effekt, den wir wollten.“

Man sprach über das Parkstadthotel Bad Muskau. Weil aber trotz vieler und zufriedener Gäste, die freiwillig das Sparschwein an der Rezeption fütterten, für Investitionen nichts übrig blieb, wurde im vergangenen Jahr das Angebot eingeführt, bei dem die Preisgestaltung bei den Gästen liegt. Seit einem Jahr können die Hoteliers aus Leidenschaft ihren Gästen auch mehrere Ferienhäuser anbieten. Die Lauterbachs sind in Bad Muskau angekommen. Einen Trick haben sie dabei nicht gebraucht – nur ein paar gute, unkonventionelle Ideen.

Volker Pfau

REISE-INFOS ZUM PARKHOTEL

REISEZIEL Bad Muskau liegt in der Oberlausitz (Sachsen) an der Lausitzer Neiße. Der dort von Hermann von Pückler-Muskau angelegte Landschaftspark gehört zum Unesco-Welterbe.

ANREISE Von München auf der A 9 Richtung Berlin, bei Köditz auf die A 72, bei Chemnitz auf die A 4 und bis Bautzen-Ost. Dort auf der B 156 über Weißwasser bis Bad Muskau. Entfernung von München rund 580 Kilometer.

HOTEL Das Parkstadthotel hat 14 Doppel- und 2 Einzelzimmer sowie 2 Suiten, die Übernachtung mit Frühstück kostet ab 35 Euro pro Person (im DZ). Anschrift: schulstraße 45, 02953 Bad Muskau, Tel. 035771/68 60, www.parkstadthotel. de.

ANGEBOT Wer von Samstag bis Samstag ein Zimmer bucht (ohne täglichen Zimmerservice), kann am Ende des Aufenthalts selbst bestimmen, wie viel er dafür bezahlen will. Infos und Buchung über den Verein „Der Osten lädt ein“, der sich das Ziel gesetzt hat, die Begegnung zwischen Menschen aus dem Osten und dem Westen zu fördern. Info: Tel. 035771/686 86, www.der-osten-laedt-ein.de.

FERIENHAUS Zum Parkstadthotel gehören seit 2008 auch einige neu gebaute Ferienhäuser für zwei bis zehn Personen. Preis: ab 350 Euro pro Woche. Info und Buchung unter Tel. 035771/68 60 oder im Internet unter www. ferienhaus-bad-muskau.de.

SEHENSWERTES in der in näheren Umgebung sind der Fürst-Pückler-Park in Muskau, der Saurierpark Kleinwelka und das Lausitzer Seenland. Informationen bei Marketinggesellschaft Oberlausitz- Niederschlesien, Tzschirnerstr. 14a, 02625 Bautzen, Tel. 03591/487 70, www. oberlausitz.com.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Am dritten Advent droht Stau vor allem in Ballungszentren

In den Innenstädten wird es am Wochenende viel Verkehr auf den Straßen geben. Mit Park-and-Ride-Parkplätzen können Autofahrer diesen umgehen. Auf den Autobahnen kann das …
Am dritten Advent droht Stau vor allem in Ballungszentren

Eisbaden in Tirol und ein Museum voller Stühle in Kopenhagen

Wer in den Wintermonaten verreisen möchte, ist nicht unbedingt auf Schnee angewiesen. In Kopenhagen zeigt eine Ausstellung die dänische Möbelkunst des 20. Jahrhunderts …
Eisbaden in Tirol und ein Museum voller Stühle in Kopenhagen

Wie viel Sprit haben Flugzeuge als Reserve an Bord?

Airlines dürfen beim Sprit nicht zu knapp kalkulieren. Denn Flugzeuge müssen auch mal Warteschleifen fliegen, ehe sie landen können. Oder sie werden umgeleitet. Das …
Wie viel Sprit haben Flugzeuge als Reserve an Bord?

Winter 2017: Die Lieblingsreiseziele der Deutschen

Ischgl, Oberstdorf oder Saalbach: Die Deutschen fahren im Winter eher in die Berge als in den Süden. Der Grund: Sie fahren lieber Ski als sich am Strand zu sonnen.
Winter 2017: Die Lieblingsreiseziele der Deutschen

Kommentare