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Gipfel der Genüsse: Unterwegs bei Herbstwanderungen auf den Höhenwegen rund um das Südtiroler Eisacktal.

Tipps fürs Eisacktal

Das kleine Glück der großen Berge

Es ist der Erfahrungsaustausch der Besten. Die Bergsteiger dieser Welt treffen sich vom 17. bis 22. Oktober zum International Mountain Summit IMS im Eisacktal.

Dass die Südtiroler Urlaubsregion nicht nur Extremsportlern etwas zu bieten hat, sondern auch für sanfte Gipfelerlebnisse gut sein kann, hat Autorin Johanna Stöckl erlebt.

So sehr ich das 500 Jahre alte Hotel Goldener Adler mitten in der Altstadt von Brixen liebe, dieses Mal gehe ich fremd und habe eines von elf Zimmern im modernen Designhotel Pupp gebucht. Mein Zimmer trägt den Namen „Apfel“ und überrascht mich in satten Grüntönen sowie mit einem privaten, beheizten Whirlpool auf meiner großzügigen Holzterrasse.

Die Lage des Hotels ist ein idealer Ausgangspunkt. Wer dem International Mountain Summit (IMS) einen Besuch abstatten will, erreicht in ein paar Minuten zu Fuß den Veranstaltungsort im Forum Brixen. Hier treffen sich Profibergsteiger, Kletterstars und Newcomer zu spannenden Vorträgen und Diskussionsrunden und gehen darüber hinaus tagsüber mit Fans zum Wandern oder Klettern.

So sehr mich der IMS begeistert, manchmal haue ich gerne ab, lege einen „freien“ Tag ein, um mich ganz zwanglos in der Bergwelt rund um Brixen zu bewegen. Drei Tipps dafür:

Auf der Ochsengartenalm

Im Villnösstal, keine 25 Kilometer von Brixen entfernt, lerne ich bei einer Wanderung Luis kennen. Eine Szene wie aus dem Bilderbuch: Morgens um 9 Uhr sitzt er in Pantoffeln und Arbeitskleidung vor seiner Hütte, der Ochsengartenalm, am Tisch. Auf dem Kopf trägt er einen abgewetzten Hut. Während Luis spricht, zwirbelt er seinen grauen Bart zurecht.

Besondere Rasse: Das Villnösser Brillenschaf.

Luis ist Hirte. Etwa 500 Stück Vieh von 25 Bauern betreut er während der Sommermonate hier oben auf der Alm. Es sind besondere Tiere, die er hütet. Das Villnösser Brillenschaf, das so heißt, weil es um die Augen zwei große schwarze Ringe in der sonst weißen Wolle aufweist, ist die älteste Schafrasse Südtirols und war vom Aussterben bedroht. Heute hat sich der Bestand wieder erholt. Die Schafbauern seien inzwischen sogar so etwas wie die Stars im Tal, erzählt Luis. Dem war nicht immer so.
Dann unterbricht er das Gespräch. Günter ist im Anmarsch. Günter Pernthaler, so erfahre ich, ist der Zuchtvater des Brillenschafs. Seiner Initiative ist es zu verdanken, dass man sich wieder um die Zucht dieser besonderen Schafrasse bemüht. Mit gutem Grund. Das Fleisch schmeckt köstlich. Wo ich es wohl probieren könnte? Die beiden empfehlen mir die Zanser Alm.

Zweierlei auf der Zanser Alm

Tags darauf mache ich mich auf den Weg. Die Zanser Alm liegt in 1680 Metern Höhe auf einem wunderschönen Hochplateau. Gigantisch der Ausblick auf die berühmten Geislerspitzen. Nach einer kurzen Wanderung kehre ich ein, um das Brillenschaf zu testen. Als „Zweierlei vom Brillenschaf mit Gerstenrisotto“ steht es auf der Karte. Testergebnis: Zarter und feinfasriger kann Fleisch nicht sein. Nach Schaf schmeckt es eigentlich gar nicht. Einfach köstlich.

Beim IMS ist das „Abklettern“ nach dem Vortrag eines Profis immer besonders nett. Publikum, Vortragende, Journalisten und Veranstalter begegnen sich auf Augenhöhe. Jeder spricht mit jedem. Man tauscht sich aus und trinkt ein Glas Wein zusammen. Da kann es schon mal später werden, weshalb sich für den Folgetag eine leichte, aber wunderschöne Tour empfiehlt: eine circa fünfstündige Wanderung auf dem so genannten Keschtneg.

Eine Etappe auf dem Keschtneg

Der Eisacktaler Kastanienweg verbindet in vier Tagesetappen die 60 Kilometer langen Sonnenhänge zwischen Bozen und Brixen. Meine Etappe bringt mich von Klausen über Feldturns ins Zentrum von Brixen. Intensiver kann man den Herbst in Südtirol wohl nicht erleben. Ich laufe zeitweise ganz alleine durch endlose Kastanienhaine, komme völlig zur Ruhe und schärfe meine Sinne für die Schönheit der Natur.

Das Eisacktal erstreckt sich vom Brenner bis nach Bozen.

Für den letzten Tag in Brixen habe ich mir den Hausberg vorgenommen, die Plose. Ich wandere zur Schatzerhütte. Sie liegt auf 2004 Metern Höhe eingebettet in die atemberaubende Kulisse der Aferer Geisler und des Peitler Kofels, dem nordwestlichsten Berg der Dolomiten. Dem Slogan der Hütte im Internet „Dem Himmel so nah“ wird dieser Platz voll und ganz gerecht. Das gilt nicht nur fürs Panorama, sondern vor allem für das Essen, das hier serviert wird. Franz Pernthalers Kochkunst, die er unter anderem bei Starkoch Heinz Winkler erlernte, hat die Schatzerhütte weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht. Da man hier oben auch übernachten kann, habe ich für das Frühjahr gleich ein Zimmer reserviert.

Johanna Stöckl

Infos zum Alpinisten-Treff und dem Eisacktal

REISEZIEL Das Eisacktal erstreckt sich vom Brenner bis nach Bozen, wo der Fluss nach knapp 100 Kilometern in die Etsch mündet.

ANREISE Von München über Innsbruck und die Brennerautobahn bis Autobahnausfahrt Brixen. Insgesamt rund 250 Kilometer.

WOHNEN

HOTEL PUPP: modernes Designhotel in der Altstadt von Brixen. Zimmer ab 89 Euro pro Person/Nacht. Tel. 00 39/04 72/26 83 55, www.small-luxury.it.

HOTEL GOLDENER ADLER: über 500 Jahre altes Traditionshotel in Brixen. Zimmer mit Frühstück ab 63 Euro pro Person/Nacht. Tel. 00 39/04 72/20 06 21, www.goldener-adler.com.

ALPINISTEN-TREFF Der International Mountain Summit (IMS) findet von 17. bis 22. Oktober 2013 im Forum Brixen statt. Der IMS versteht sich als Gipfeltreffen internationaler Alpinisten und Newcomer der Bergsteigerszene. Der Besucher kann Vorträge und Filmvorführungen sowie Wanderungen mit bekannten Bergsteigern (u.a. mit Reinhold Messner oder David Lama) buchen. Tickethotline: 00 39/34 58 43 13 34. Programm unter www.ims.bz/de.

URLAUBSPAKET mit drei Ü/F oder HP, geführter Wanderung auf dem Keschtnweg, Stadtführung in Brixen oder Drei-Gipfel-Tour auf der Plose, Eintritt zum Eröffnungsabend IMS Mountain Stories, zur Film-Weltpremiere „Benedikt Böhm“ sowie zum Vortragsabend mit Reinhold Messer ab 177 Euro pro Person; buchbar über den Tourismusverband Eisacktal (Adresse s. unten).

WANDERN/ALMEN

SCHATZERHÜTTE Bequem in 40 Minuten Fußmarsch über einen breiten Wanderweg (kinderwagentauglich) ab dem Parkplatz am Berghotel/Skihütte Schlemmer in Afers zu erreichen. Übernachtung auf der Hütte inkl. HP ab 40 Euro pro Person. Hütten- und Küchenchef Franz Pernthaler kocht auf der Schatzerhütte traditionelle Südtiroler Küche auf höchstem Niveau. Tel. 00 39/04 72/52 13 43, www.schatzerhuette.com. Bis 26. Oktober geöffnet, im Winter vom 26. Dezember bis Ende März 2014.

ZANSER ALM Möchte man die Zanser Alm erwandern, startet die Tour im Villnösstal am Parkplatz der Waldschenke in St. Johann am Ranuiboden, Wanderweg Nr. 33, Gehzeit 50 Minuten. Tel. 00 39/ 04 72/84 05 43, www.zanseralm.com. Bis Ende Oktober geöffnet. Übernachtung mit Frühstück pro Person 35 Euro.

OCHSENGARTENALM Nicht bewirtschaftet. Start vom Parkplatz Restaurant Pitzock in St. Peter im Villnösstal, Wanderweg Nr. 10 folgen, Gehzeit circa 2,5 Stunden. Von der Ochsengartenalm aus gibt es eine schöne Wanderung über Peterer Scharte, Raschötz, Broglesalm bis zur Zanser Alm.

WEITERE INFOS zur Region und zum Herbst im Eisacktal: Tourismusverband Eisacktal, Brixen, Tel. 00 39/04 72/80 22 32, www.eisacktal.com/de.

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