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Fast eine Million Vorhängeschlösser haben Verliebte an das Geländer angeschlossen - nun hat die Stadtverwaltung in einer wenig romantischen Aktion damit begonnen, diese "cadenas d'amour" abzumontieren.

Paris

Ende eines Symbols der Liebe

Als Stadt der Liebe weltberühmt zu sein, kann auch eine Last sein. Für Paris ist diese Last an einer Stelle zu schwer geworden: 45 Tonnen wiegt sie und hing bis Montag an der weltberühmten Seine-Brücke Pont des Arts beim Louvre-Museum, für die das Gewicht zunehmend zur Gefahr wurde.

Denn fast eine Million Vorhängeschlösser hatten Verliebte dort an das Geländer angeschlossen, als Symbol ihrer unverbrüchlichen Liebe. Nun hat die Stadtverwaltung in einer wenig romantischen Aktion damit begonnen, diese "cadenas d'amour" abzumontieren.

"Ich habe hier vor zehn Jahren ein Liebesschloss angehängt", erinnert sich nostalgisch Feruccio, ein 43-jähriger Italiener, der mit seiner Frau die Aktion beobachtet. Auch Yilmaz, der vor fünf Jahren sein Vorhängeschloss an der Brücke festgemacht hat, versteht die Stadtverwaltung nicht: Dies sei so, "als ob man ein Kulturerbe von Paris wegnehmen würde, ein Kulturerbe, das von den Menschen geschaffen wurde."

Ganz herzlos sind die sozialistische Bürgermeisterin Anne Hidalgo und ihre Verwaltung freilich nicht. Die Bedeutung der Brücke als Anziehungspunkt für Verliebte aus aller Welt ist der Stadt durchaus bewusst. Deshalb wurde vor der Radikal-Maßnahme lange nach Alternativen gesucht: Immer wieder wurden Vorhängeschlösser abgenommen, um die malerische Fußgänger-Brücke aus dem Jahr 1804 zu entlasten.

Als auch das nichts half, startete die Stadt im vergangenen Jahr eine Kommunikationskampagne und rief die Verliebten auf, lieber ein Selfie auf der Pont des Arts zu schießen und ins Internet zu stellen, statt die lästigen Schlösser an die Brücke zu hängen und den Schlüssel danach in die Seine zu werfen. Von Erfolg gekrönt war diese Aktion nicht: Bis heute stellten gerade einmal 638 Menschen ihr Foto auf die eigens geschaffene Homepage www.lovewithoutlocks.paris.fr.

Dass die Liebesschlösser zu einem ernst zu nehmenden Problem geworden waren, hatte ein Vorfall vor genau einem Jahr deutlich gemacht: Unter der Last der Vorhängeschlösser war ein Gitter des Geländers auf 2,4 Metern Länge an der Pont des Arts zusammengebrochen. Zum Glück wurde niemand verletzt. Laut Stadtverwaltung wiegt jedes dieser Gitter mehr als 500 Kilo.

Die Mode der Liebesschlösser hatte ab 2008 ein "verrücktes Ausmaß" angenommen, wie der Bürgermeister des Viertels, Jean-Pierre Lecoq, im vergangenen Juni beklagte. Weil immer weniger Platz an den Brücken-Gittern war, hängten die Verliebten ihre Vorhängeschlösser in zweiter und dritter Reihe auf. Lecoq mahnte schon damals: "Wenn eines Tages ein Stück Brüstung mit mehreren Kilo Vorhängeschlössern dran einem Touristen auf einem Boot auf den Kopf fällt, könnte ihn das schwer verletzen oder sogar töten."

Hinzu kommt, dass viele Touristen und auch die Stadtverwaltung die Vorhängeschlösser einfach hässlich finden. Der Vize-Bürgermeister und Kulturbeauftragte Bruno Julliard erinnerte auch am Montag daran, dass die Vorhängeschlösser nicht nur die Statik, sonder auch "die Ästhetik des Bauwerks beeinträchtigen". Zugleich versicherte er: "Paris soll die Hauptstadt der Liebe bleiben." Verliebte sollten sich dort weiter ihre Liebe erklären, vielleicht auf der Pont des Arts - aber ohne Vorhängeschlösser.

Ob der beliebte Brauch so schnell zu beenden sein wird, bleibt abzuwarten. Denn schon jetzt weichen viele Verliebte einfach auf andere Brücken von Paris aus. Auf der Pont des Arts werden Liebesschlösser künftig jedenfalls nicht mehr zu sehen sein, dort sollen - nach einer Kunstausstellung - Glaswände statt Gitter installiert werden. Was mit den fast eine Million Vorhängeschlössern passiert, die im Laufe der Woche abmontiert werden, ist noch offen: Sie werden laut Stadt erst einmal in ein Lager gebracht - "im Hinblick auf ihre Wiederverwendung für eine neue, romantische Geste".

AFP

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