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Bilderbuch-Fischerdorf. Gestresste Städter erholen sich gerne im malerischen Foça.

Die blaue Ewigkeit

Eine Entdeckungsreise durch die Ägäisregion

Die Türken nennen es das „Land der blauen Ewigkeit“ – die Region im Westen des Landes, in der das Wasser der Ägäis in klarstem Azurblau an die Strände schwappt und im Hinterland Kulturschätze an eine über 8000 Jahre alte Geschichte erinnern.

In knapp zwei Stunden fährt man mit dem Auto von der Vier-Millionen- Metropole Izmir in die einstige Tempelstadt Didim. Unterwegs laden zahlreiche kleine Berg-und Fischerdörfer dazu ein, ein unverfälschtes Stück Türkei zu entdecken – ob im Getümmel eines Basars oder bei einem Glas Raki mit Blick aufs Meer. Dem touristisch dominierten Antalya hat die türkische Ägäis dabei eines voraus: Neben Sandstrand und Palmen ist sie eine Goldgrube türkischer Kulturschätze. Im Hinterland der Ägäis erstreckt sich entlang kilometerlanger Olivenhaine, Pinienwälder, Mandarinen- und Pfirsichplantagen eine Landschaft mit Jahrtausende alter Geschichte. Wer durch eine der zahlreichen Ruinenstätten spaziert, erhält eine Vorstellung vom einstigen Zentrum der Antike und des Osmanischen Reiches. Zehn Tipps für Urlauber, die mehr als den Hotelstrand erkunden wollen:

Haus der Mutter Maria

Ausgerechnet in der Türkei findet sich einer der bedeutendsten katholischen Wallfahrtsorte: Auch Papst Benedikt besuchte die kleine Bergkapelle bei Selçuk, in der Jesus Mutter Maria mit Apostel Johannes ihre letzten Lebensjahre verbracht haben soll. Neben dem Marienhaus hinterlassen Pilger aus aller Welt auf Taschentücher geschriebene Wünsche an einer Steinwand. (Eintritt: rund 5 Euro).

Die Tempel von Ephesos

Seit 100 Jahren graben Forscher nach Überresten der von Erdbeben zerstörten antiken Tempelanlagen – und haben bislang gerade mal 25 Prozent freigelegt. In den Hanghäusern, die einst von reichen Ephesern bewohnt wurden, kann man die Ausgrabungsarbeiten aus der Nähe betrachten. Zu den besterhaltenen Überresten gehören die Celsus-Bibliothek (114 n. Chr.) und das größte antike Amphitheater der Türkei. (Eintritt: rund 10 Euro).

Sirinçe – das weiße Dorf

Über Serpentinen gelangt man in das seit den 30er-Jahren unter Denkmalschutz stehende Bergdorf. Weiße Häuschen im griechischen Stil erinnern an die einstige Bevölkerung, die nach dem Ersten Weltkrieg ins heutige Griechenland umgesiedelt wurde. Touristen findet man hier kaum, dafür eine beeindruckende Auswahl an hervorragenden hausgekelterten Fruchtweinen. Enge Gässchen und kleine Basare laden in dieser kleinen Ruheoase zum Schlendern ein.

Oliven in Davutlar

Ein kulinarisches Erlebnis erwartet einen im Olivenmuseum in Davutlar. In über einem Dutzend Ausstellungsräumen wird hier chronologisch und besonders für Kinder anschaulich die über 2600-jährige Geschichte des Olivenöls erzählt. Am Ende der Tour darf an der Olivenölbar das hausgepresste Produkt gekostet werden (Eintritt: rund 4 Euro).

Sehenswürdigkeiten: Wie gut kennen Sie die Welt?

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Honigeis in Kusadasi

Die Hafenpromenade der 60 000-Einwohner-Stadt bietet das perfekte Ambiente für den Ausklang eines umtriebigen Tages. Als Kreuzfahrt- Hauptstadt der Türkei lässt sich hier bei Sonnenuntergang fast täglich die Ausfahrt eines Luxusliners beobachten. Den angenehmsten Blick auf das Treiben hat man bei einem hausgemachten Honigeis im Café Roma.

Johannesbasilika

Im 6. Jahrhundert über dem Grab des Apostels Johannes errichtet, war die Johannesbasilika in Selçuk eine der weltgrößten Kirchen. Die Ruinen des von einem Erdbeben zerstörten Gotteshauses sind auch heute sehenswert. Auf den Säulen haben sich ganze Storchkolonien ein Zuhause gebaut. Dank der erhöhten Lage hat man ein 360-Grad-Panorama auf die Stadt, die alte Festung von Selçuk, die Kuppeln der Isa-Bey-Moschee, die Überreste des Artemis-Tempels – eines der sieben antiken Weltwunder – und das umliegende Gebirge.

Die Ruinen von Priene

Einst saß Alexander der Große auf den Stufen des Rathauses von Priene. Am Fuße des Samsun-Berges bilden die restaurierten ionischen Säulen der einstigen griechischen Hafenstadt eine imposante Kulisse. Die schattenspendenden Pinien machen den Spaziergang durch Priene auch im Hochsommer angenehm (Eintritt: rund 1,50 Euro).

Faustina-Thermen

Neben seinem Ruf als Geburtsort der griechischen Philosophie bescheren Milet vor allem die Faustina- Thermen regen Zulauf. Die größte noch erhaltene Badanlage der römischen Zeit wird jedes Jahr im Frühling zum blumenbunten Naturpark (Eintritt: rund 1,50 Euro).

Basarviertel von Izmir

Kein Weg führt an der drittgrößten aber mit Abstand modernsten Stadt des Landes vorbei. Die Einwohner Izmirs begreifen sich klar als Europäer. Das bekannteste Wahrzeichen der Stadt, ein 1901 im spätosmanischen Stil erbauter Uhrturm, war ein Geschenk Kaiser Wilhelms II. Im Gegensatz zu Istanbul herrscht im kleinen Basarviertel Kemeralti weitgehend Gelassenheit. Eine Kaffeepause in einer Filiale von „Herrn Sükrü“ ist Pflicht. Der Kaffeemeister von Izmir kocht den türkischen Mokka direkt in der Tasse.

Fischerdorf Foça

Altstadtgassen voll blumenumrankter Steinhäuser auf der einen Seite, bunte Fischerboote im glasklaren Wasser auf der anderen: Foça ist ein Ort wie aus dem Bilderbuch. In dem Fischerdorf nördlich von Izmir verbringen die Großstädter gerne ihre Wochenenden. Wer auf Baden keine Lust hat, kann die malerischen, felsigen Wege an der Bucht entlangwandern oder in einem der hervorragenden Fischrestaurants zusehen, wie die frisch gefangenen Saisonfische direkt aus dem Netz auf den Grill wandern.

Die Infos zur Reise 

REISEZIEL

Die türkische Ägäis liegt nordwestlich der Marmara- und Mittelmeerregion. Fähren verbinden die Ägäisküste auch mit den nahegelegenen griechischen Inseln wie Chios oder Samos. Etwa neun der insgesamt 75 Millionen Einwohner der Türkei leben an der Ägäisküste. Vor allem die Region um Izmir ist für ihre Textil-, Nahrungsmittel-, Auto- und Chemieindustrie bekannt. Die Mehrheit der Türken der Region sprechen vor allem in den Tourismusregionen auch Deutsch oder Englisch.

ANREISE

Von München aus fliegt zum Beispiel SunExpress mehrmals wöchentlich nonstop in knapp zweieinhalb Stunden nach Izmir. Infos und Buchung unter: www.sunexpress.com. Auch Lufthansa bietet Nonstop-Verbindungen an.

WÄHRUNG

Eine türkische Lira entspricht etwa 43 Cent.

ESSEN

Sahil Balik Restaurant: Authentische türkische Küche und vor Ort gefangene Saisonfische frisch zubereitet. Asiklar Cd. 5, Foça. Tel. 00 90/232 812 22 20. Sükrü Bey‘in Yeri: Erfinder des in der Tasse gebrühten türkischen Kaffees. Internet: www. fincandapisenkahve. com. Dereli Kaplankaya Saraplari: Reiche Auswahl an hausgekelterten Fruchtweinen. Sirince. Internet: www.sirince kaplankayasaraplari. com.

ANGEBOT

Die einwöchige Standortrundreise „Faszinierende Westägäis“ ist mit Unterkunft im Fünf-Sterne- Hotel Ephesus Princess in Kusadasi im Bungalowzimmer mit All-inclusive-Verpflegung und Flug ab München ab 718 Euro pro Person bei FTI buchbar. Im Reisebüro.

Iris Spiegelberger

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