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Kleine Globetrotter: Vroni und Ferdl auf gepackten Koffern. Die erste große Reise war für sie ein Kinderspiel.

Thailand Fernreise – das reinste Kinderspiel

Ja, aber...: Es gibt viele Argumente, warum man mit Kleinkindern lieber an der italienischen Adria Urlaub machen sollte anstatt zwölf Stunden lang nach Südostasien zu fliegen. Ja, aber...

Unsere Autorin Dorit Caspary fand auch viele gute Gründe, warum sie mit ihren Kindern Ferdinand (4) und Vroni (2) Familienurlaub in Thailand machte.

Skeptisch: Beim Elefanten-Reiten.

Die Liste, was Freunde und Verwandte alles zu bedenken gaben, war lang, vom Flug über die Zeit- und Klimaumstellung bis zu den gesundheitlichen Problemen. Die Argumente waren natürlich nicht unberechtigt. Aber: Wir hatten einfach eine unbändige Lust, wieder einmal weiter wegzukommen als auf den Campingplatz am Gardasee oder den Bauernhof im Allgäu. Wir sind schon vor den Kindern gerne gereist, vor allem nach Asien. Wir haben uns das mit der Reise sehr gut überlegt und uns bei Experten informiert. Beim Kinderarzt, bei der Fluggesellschaft und bei einem Reisebüro, das Erfahrung mit so was hat.

Staunen: Der Baum gibt Gummi

Die erste Herausforderung ist der Flug. Zwölf Stunden, das klingt grauenhaft. Zum Glück ein Nachtflug. Unsere Platzwahl ist eine Empfehlung vom Reisebüro. Zwei Sitzreihen hintereinander, jeweils Fenster- und Gangplatz. Da stören wir niemanden. Auf dem Boden kann man den Kindern mit ein paar Kissen ein Bett richten, und wir Erwachsene haben oben auf den Sitzen mehr Platz. Die Crew kümmert sich rührend um uns.

Überraschend erholt kommen wir an. Es ist Nachmittag, sechs Stunden Zeitverschiebung. Es regnet und das Thermometer zeigt 33 Grad Celsius. Fühlt sich an wie in einem Dampfbad. Wen das stört? Außer uns Erwachsenen niemanden.

Wir haben uns für eine kleine Bungalow-Anlage in Khao Lak entschieden, nah genug am Hauptort Phuket und dem nächsten Krankenhaus (man weiß ja nie), direkt am Strand (ist mit Kindern immer entspannter) und mit vielen Möglichkeiten für Ausflüge (deswegen sind wir ja hier).

Familie Caspary über den Dächern von Singapur.

Das erste Highlight, auf das wir schon seit Wochen hinfiebern, ist ein Besuch bei den Elefanten im nahen Khao Sok Nationalpark. Auf einem Elefanten durch den Dschungel reiten, das sollte doch der Wahnsinn sein. Von wegen! Vroni hat solche Angst vor dem grauen Riesenrüssel, dass die Tränen kullern. Ferdl ist zwar skeptisch, wagt sich aber trotzdem zusammen mit der Mama auf den Rücken von Ninwah, einer 40 Jahre alten, gemütlichen Elefantendame.

Wir schaukeln durch die Wildnis. Vorsichtig, aber sicher setzt Ninwah Fuß für Fuß in den Bachlauf. „Das ist der mutigste und schlaueste Elefant auf der ganzen Welt“, erklärt mir mein Sohn später bewundernd. Und verkündet: „Den nehm’ ich mit heim!“ Als wir von unserer Runde zurückkommen, füttert Ferdl seine neue Freundin mit Bananen. Ein bleibendes Erlebnis. Sollte man meinen.

Aber Ninwah gerät schnell in Vergessenheit. Wir lernen auf dieser Reise, dass unsere Kinder von ganz anderen Dingen beeindruckt sind, als wir glauben. Es sind vor allem die Menschen, von denen sie selbst Wochen später noch zu Hause in München erzählen, und das kommt nicht von ungefähr.

Wow! Ein dicker Fisch an der Angel

Thailand ist so ziemlich das idealste Urlaubsland, das man sich mit Kindern vorstellen kann. Jeder hat ein Lächeln für Vroni und Ferdl, selbst dann, wenn sich die beiden mal nicht von ihrer besten Seite zeigen. Scheinbar freuen sich im Resort alle über uns. Wir glauben das zumindest gerne, wenn wir mit „Hello Sunshine-Family“ begrüßt werden. Der Gärtner wartet jeden Tag mit einer Banane. Oberkellner Nick ist sowieso Ferdls großer Freund. Und Saliné von der Rezeption kauft Vroni rosa Haarspangen und besorgt ihr Sandspielförmchen und hält Ferdl mit einem kleinen Thai-Boxkampf bei Laune. Im Strandlokal nebenan bekommen Vroni und Ferdl bei jedem Besuch ein neues Spieltier und die besten Mango-Pfannkuchen mit Schoko-Soße aller Zeiten. Mit den Kindern der Mitarbeiter wird im Sand getobt, alle verstehen sich ohne Worte, streicheln sich gegenseitig, weil sie wissen wollen, ob sich weiße und dunkle Haut unterschiedlich anfühlt. Gemeinsam werden Einsiedlerkrebse und Riesen-Grillen beobachtet. Und der Koch öffnet Kokosnüsse für die Kinder und wartet mit der täglichen Fischfütterung immer bis wir da sind. Die Kellner haben ein Auge auf unsere beiden Wasserratten, wenn sie im Pool plantschen und wir auf unserer Liege unter der Palme den Blick aufs Meer genießen.

Unsere beste Freundin: Vroni und Ferdl mit Saliné.

Die erholsamen Strandtage wechseln sich mit Ausflügen ab. Saliné organisiert uns einen Pickup mit Fahrer, für 25 Euro pro Tag sind wir mit ihm unterwegs, Stopps und Heimfahrten, wann immer wir wollen. Das ist gut so, wenn das Besichtigungsprogramm überfordert, wenn man mal genug von Tempeln hat oder nach einem Schlauchboot-Trip zu den Höhlenfledermäusen einfach hundemüde ist. Wenn ein Affe am Straßenrand eine gefühlte Ewigkeit inspiziert werden muss, auch das kein Problem. Oder wenn es an einem Stand Ananas oder Tintenfisch-Spießchen zu kaufen gibt und wir gerade hier und jetzt darauf Lust haben. In Thailand alles kein Problem. Für Kinder würde hier wahrscheinlich der Koch sogar Reiskörner in Spaghettiform pressen, wenn es sie glücklich macht.

Fast vier Wochen sind wir insgesamt in Thailand unterwegs. Da relativiert sich die Flugzeit. Wir ziehen dreimal um, was uns wirklich ein Gefühl von Reisen gibt und mit den Kindern gut klammte. Die wirklich umfangreiche Reiseapotheke bringen wir unangetastet wieder mit nach Hause, die vielen Bedenken und Abers lassen wir zurück. Ja, eine Thailandreise mit Kleinkindern funktioniert. Und zwar besser als wir je gedacht hätten.

Dorit Caspary

DIE REISE-INFOS ZU THAILAND

REISEZIEL Khao Lak liegt im südlichen Thailand an der Westküste, etwa eine Autostunde nördlich von Phuket. Der Khao Sok Nationalpark, in dem es unterschiedliche Möglichkeiten fürs Elefantenreiten gibt, ist von dort zirka 70 Kilometer entfernt.

ANREISE Mit Air Berlin von München direkt nach Phuket. Mit Lufthansa nach Singapur oder Bangkok. Der Weiterflug mit Jet Star oder Air Asia kostet um die 80 Euro. Thai Airways bietet München-Phuket über Bangkok ab 665 Euro an. Die meisten Hotels haben einen Transfer vom Flughafen. Wer sich selbst ein Taxi nimmt, zahlt um die 40 Euro. Ideal ist ein Nachtflug. Ordern Sie vor Abflug die Spezialmenüs für Kinder. Und nehmen Sie genug Beschäftigungsmaterial mit. Warme Socken nicht vergessen.

REISEZEIT/KLIMA Die besten Monate für den Süden Thailands sind Mitte November bis März. In dieser Zeit gibt es statistisch die wenigsten Regentage. Die Temperaturen liegen am Tag um die 30 Grad, in der Nacht um die 24 Grad. Die Wassertemperatur beträgt ca. 28 Grad.

GESUNDHEIT Kinderärzte und Tropenmediziner empfehlen einen Impfschutz gegen Tetanus, Diphterie, Polio und Hepatitis A (vor allem bei Kindern). Sechs Wochen vor Abflug sollten die Impfungen erfolgt sein. Die Region ist kein Malaria-Gebiet. Eine gut ausgestattete Reiseapotheke mit Antibiotika, Durchfallmittel und Elektrolyten ist sehr ratsam. Mit ein wenig Vorsicht beim Essen und Trinken dürfte man aber auf der sicheren Seite sein: Keine Eiswürfel, essen Sie nichts, was man nicht schälen oder kochen kann, trinken Sie gekauftes Wasser aus der Plastikflasche. Wird dennoch ein Kind richtig krank – Thailand hat eine gute medizinische Versorgung, das nächste Krankenhaus ist innerhalb einer Stunde mit dem Auto erreichbar.

WOHNEN Das sehr familiäre Khao Lak Wanaburee Resort liegt am Sunset Beach. Die 39 Zimmer sind großzügig und verteilen sich in einem prachtvollen Dschungel-Garten, der in den Strand übergeht. Es gibt zwei Pools, einer davon direkt am Meer mit Kinderbecken. Highlight: die Lagune im Garten, in der sich Fische, Frösche und wirklich ungefährliche Warane tummeln. In den Ort Khao Lak sind es knapp 15 Gehminuten.

AKTIVITÄTEN Alles, was der Süden Thailands an Ausflugsmöglichkeiten zu bieten hat, ist von Khao Lak aus buchbar: Tauch- und Schnorcheltrips, Trekking- und Kanutouren in den Nationalparks, Tempel- und Höhlenbesichtigungen oder einfach nur faule Strandtage. Ein 18-Loch-Golfplatz ist rund zehn Kilometer vom Hotel entfernt.

STRAND Der feinsandige Strand ist für Kinder ideal. Außerdem gibt es schattenspendende Kokospalmen und kleinere Angelfelsen. Immer wieder bahnen sich Süßwasserbäche aus den Bergen der Umgebung ihren Weg ins Meer – insgesamt ein toller natürlicher Spielplatz. Es geht flach ins Wasser, auch für ganz Kleine ist so das Baden im Meer kein Problem.

VERANSTALTER Der Münchner Reiseveranstalter Lotus Travel (Tel. 089/20208990, www.lotus-travel.com) bietet das Khao Lak Wanaburee Resort ab 31 Euro pro Person und Nacht im Doppelzimmer mit Frühstück an. Für Familien lohnen sich zudem ein paar Tage in der Yaowawit School & Lodge. Hier bekommen Kinder, die durch den Tsunami unter materieller und sozialer Not leiden, eine Ausbildung im Hotel- und Restaurantgewerbe. Die Schule in den Bergen von Phang Nga, 40 Minuten westlich von Khao Lak, hat ein paar wunderschöne Bungalows für Gäste: Übernachtung inklusive Frühstück pro Person ab 14 Euro im Doppelzimmer. Kinder bis zwölf Jahre sind im Zimmer der Eltern frei.

WEITERE INFOS Thailändisches Fremdenverkehrsamt in Frankfurt, Tel. 069/1381390, www.thailandtourismus.de, www.childrensworldacademy.com, www.wanaburee.com.

Dorit Caspary

Dorit Caspary

E-Mail:Dorit.Caspary@tz.de

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