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Wenn Flugpassagiere stranden, sind sie oft auf sich gestellt. Das soll sich ändern.

Störrische Airlines

Fluggäste sollen mehr Rechte bekommen

Brüssel – Verspätung, Flugausfällen oder Gepäckverlust - viele Airlines verhalten sich störrisch, wenn es um die Zahlung von Entschädigungen für Flugpassagiere geht. Die EU möchte das jetzt ändern.

Der Flug wird verschoben oder gar abgesagt – häufig beginnt die Reise schon am Flughafen mit Ärger. Nun macht sich die EU-Kommission daran, die Schlupflöcher im Gesetz zu schließen und ergänzt die Regeln nach acht Jahren Praxistest. Nach der Zustimmung von EU-Parlament und Rat könnten sie frühestens 2014 Gesetz werden. Das sind die Neuerungen:

Information

Wird der Start verschoben, muss die Airline Fluggäste künftig spätestens eine halbe Stunde nach der vorgesehenen Abflugzeit über die Gründe für die Verzögerung informieren – und zwar detailliert: Streiken die Fluglotsen, ist die Maschine noch nicht da oder fehlt die Crew? Bislang gelten nur ganz allgemeine Informations-Pflichten.

Verpflegung

Bereits ab zwei Stunden Verspätung muss die Fluggesellschaft den Kunden betreuen, sprich, ihm Getränke und Snacks anbieten. Bislang galt das erst ab vier Stunden. Falls nötig, muss die Airline auch ein Hotel zahlen.

Entschädigung

Entscheidend für Entschädigung sogenannten Ausgleichszahlungen ist künftig die Verspätung am Ziel der Reise – und nicht die beim Abflug.

Das betrifft vor allem Kunden, die einen Anschlussflug gebucht haben und diesen verpassen. Wenn sie ein europäisches Reiseziel (bis zu 3500 Kilometer Entfernung) mehr als fünf Stunden später erreichen, können sie bis zu 600 Euro Ausgleich verlangen. Bei Transatlantikflügen gilt dies erst ab zwölf Stunden.

Bislang konnte ein Kunde bei einem Direktflug schon ab drei Stunden Verspätung um finanziellen Ausgleich bitten.

Höhere Gewalt

Häufig berufen sich Airlines auf höhere Gewalt oder "außergewöhnliche Umstände", um eine Entschädigung bei längeren Verspätungen zu vermeiden. Erstmals listet die EU-Kommission nun auf, was dazugehört: Etwa Naturkatastrophen wie Schneechaos sowie Streiks von Fluglotsen. Ausgeschlossen sind technische Probleme, die beim Routinecheck der Maschine gefunden werden, oder das Nichtauftauchen der Besatzung.

Flugabsage

Dann muss die Airline die Passagiere innerhalb von zwölf Stunden selbst weiterbefördern. Andernfalls muss sie Plätze bei der Konkurrenz buchen.

No-Show und Rückflug

Neu ist, dass ein Passagier auch dann einen Rückflug in Anspruch nehmen darf, wenn er den Hinflug verfallen ließ. Bislang hatten Fluggesellschaften in solchen Fällen das Boarding verweigert.

Durchsetzung der Ansprüche

Verauslagte Kosten für notwendige Übernachtungen und Versorgungsleistungen können Fluggäste nur gegenüber dem ausführenden Luftfahrtunternehmen geltend machen.

Es handelt sich hierbei um zivilrechtliche Ansprüche, deren Durchsetzung ausschließlich im Verhältnis zwischen Fluggast und ausführendem Luftfahrtunternehmen, erforderlichenfalls im Wege eines Mahn- oder Klageverfahrens, erfolgen kann. Das Luftfahrt-Bundesamt hat bezüglich der Durchsetzung zivilrechtlicher Ansprüche keinerlei Kompetenzen.

Verspätung, Flugausfällen, Gepäckverlust - alle Infos zu EU-Fluggastrechten gibt es im Internet unter www.eu-verbraucher.de

Smartphone-App zu Fluggastrechten

Passagiere, die auf Flughäfen gestrandet sind oder auf ihr fehlendes Gepäck warten, können jetzt eine kostenlose mobile Anwendung nutzen, um sich direkt vor Ort zu vergewissern, welche Rechte sie haben.

Bei Verstoß Anzeige beim Luftfahrt-Bundesamt

Fluggäste können einen Verstoß gegen die Bestimmungen der Verordnung ((EG) Nr. 261/2004 beim Luftfahrt-Bundesamt anzeigen. Das Luftfahrt-Bundesamt wird als deutsche Durchsetzungs- und Beschwerdestelle nach der Verordnung (EG) Nr. 261/2004 im Sinne einer gewerberechtlichen Aufsicht tätig.

Das bedeutet, das Luftfahrt-Bundesamt wird den angezeigten Sachverhalt prüfen und gegebenenfalls insbesondere Geldbußen nach Ordnungswidrigkeitenrecht gegen Luftfahrtunternehmen verhängen. Somit soll verhindert werden, dass sich zukünftig Verstöße wiederholen.

Ein entsprechendes Anzeigeformular finden Sie hier.

dpa

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