+
Kicken in allen Lagen: Beim Fußballcamp auf der Mein Schiff 1 wird meistens an Deck trainiert.

Fußballcamp an Bord

Kreuzfahrt mit Kick

Nur Senioren an Bord war gestern. Heutzutage ist das Publikum auf Kreuzfahrten immer vielfältiger, die Reedereien lassen sich eine Menge einfallen.

TUI Cruises wendet sich dabei auch an Familien mit sportlichem Nachwuchs und bietet Fußballcamps an. Reiseredakteur Volker Pfau hat eine Kreuzfahrt mit Kick auf der Ostsee mitgemacht.

Alle sind sie gekommen. Messi und Alaba, Reus und Özil, Neuer und Götze, Robben und Ribéry, Ibrahimovic und van der Vaart. Sie haben sich einträchtig am Heck auf Deck 12 der Mein Schiff 1 versammelt, ihre Trikots leuchten in der Sonne, und bei manchem schlottert das bunte Leibchen selbst in Größe 124 immer noch ein wenig um die dünnen Ärmchen. Tom, Ben, Yannik, Felix, Sebastian, Laura, Mika und Maximilian, wie ihre Namen im Reisepass stehen, sind hier, weil sie auch einmal kicken wollen wie ihre berühmten Vorbilder, deren Trikots sie stolz tragen.

Zwischen sieben und zwölf Jahre sind sie alt, die 16 Kinder, die sich da im Sportdress auf dem Außendeck des Kreuzfahrtschiffes versammelt haben, das am Abend zuvor in Kiel abgelegt hat und nun durchs dunkle Wasser der Ostsee pflügt, Richtung Gdansk. Sie alle sind zum Fußballcamp auf der Mein Schiff 1 angemeldet. Weil sie begeisterte Kicker sind – oder vielleicht auch, weil ihre Eltern in den Tagen an Bord einige Stunden in Ruhe genießen wollen.

Fußball-Training auf Deck 12

Für Alexander Jamil, den Leiter des Fußballcamps, ist es erst einmal nicht wichtig, mit welcher Intention die Anmeldung erfolgte. „Wenn ein Kind Bewegungsdrang und wenigstens ein bisschen Ballgefühl hat, ist es hier richtig.“ Und auch das Können der Kinder ist für den Leiter des Camps eher zweitrangig: „Hier sind echte Talente dabei, aber auch totale Anfänger.“ Am wichtigsten sei, dass Buben und Mädels Spaß bei der Sache haben. „Es geht nicht primär um Leistung, sondern um den kooperativen Gedanken, um Kommunikation, Fairness und Teamgeist.“ Das hört sich erst einmal nach viel Theorie an, wie aber sieht die Praxis aus?

Bei der morgendlichen Begrüßung fordert Alexander Jamil die Kinder beispielsweise auf, sich in einer Reihe nach ihrem Geburtstag aufzustellen – wer den im Januar feiert, steht ganz links, Dezember-Geborene ganz rechts. Das Eis ist bald gebrochen und nach ein paar Minuten stehen sie in der richtigen Reihenfolge.

Seit 2010 entwickelt Alexander Jamil (35) mit seiner Firma SportJobs für TUI Cruises verschiedene Themenreisen für den Kids- und Teens Club.

Lange Reden sind nicht das Ding der drei Trainer Alexander, Kai und Shahab, sie arbeiten am liebsten mit dem Ball. Und so dribbeln dann auch am ersten Morgen wenige Minuten nach 10 Uhr auf dem Spielfeld auf Deck 12 die Kinder und passen sich den Ball zu, dabei sollen sie von jedem Anspielpartner den Namen erfragen. So geht Kennenlernen unter Kickern am einfachsten, so wird Kooperation und Kommunikation in die Praxis umgesetzt.

Dichte Netze umspannen auf allen Seiten – auch himmelwärts – das gesamte, etwa 15 auf acht Meter große Feld an der Backbordseite, das ansonsten für Volley- und Basketball genutzt wird. Passieren kann bei dem bisweilen wilden Herumgebolze also nichts. Und sollte dann doch mal ein Ball in den Wellen landen, sei das kein Problem, sagt Alexander Jamil und setzt grinsend hinzu: „So lange die Kinder dem Ball nicht hinterherlaufen.“

An sieben Tagen auf der eineinhalbwöchigen Ostseekreuzfahrt bitten Alex und sein Team zum Training. Pünktlich kommen alle zu jedem Termin, und ganz unglücklich schauen diejenigen drein, die sich mal für einen Landausflug mit den Eltern abmelden müssen. Sie würden viel lieber aufs Kennenlernen der Sehenswürdigkeiten von Danzig, St. Petersburg, Tallin oder Stockholm verzichten und stattdessen an Bord bleiben und kicken.

Aber wenn es in der Nähe eines Liegeplatzes ein geeignetes Gelände gibt, wird auch mal an Land gespielt.

Seit drei Jahren bietet TUI Cruises die Fußballcamps auf Mein Schiff 1 und Mein Schiff 2 und künftig auch auf der neuen Mein Schiff 3 an, wenn diese während der Sommerferien – man muss schließlich Rücksicht auf die Zielgruppe nehmen – auf Routen im Mittelmeer oder der Ostsee unterwegs sind. Als Partner hat sich die Reederei die Experten des Hamburger Unternehmens Sport Jobs ins Boot geholt.

Normalerweise findet das Camp auf Deck 12 statt, und wo es nahe des Hafens einen geeigneten Spielplatz an Land gibt, wird dort gekickt. Auf unserer Tour war dies zwei Mal der Fall: im polnischen Gdingen und in Stockholm. Im ersten Hafen, den die Mein Schiff 1 nach dem Start in Kiel anläuft, weiß Alex von einem schönen Strand, wo man wunderbar Beachsoccer spielen könne. Also marschiert die Gruppe der Fußballer in Sportklamotten durch Gdingen. Bälle, Zubehör und Getränke werden im Bollerwagen transportiert.

Ballgefühl an Bord

Und tatsächlich sind die Bedingungen für ein Training im Sand perfekt. Drei markierte Plätze mit Toren sind am breiten Strand eingerichtet, auf einem kicken ein paar einheimische Jungs. Und die stehen sofort da, als die deutsche Gruppe eintrudelt und sich zum Fußballspielen bereit macht. Alex wechselt ein paar Worte mit den jungen Polen, und gleich darauf wird der Plan geändert: Statt Training im Sand wird ein Mini-Turnier gespielt. Vier Mannschaften werden gebildet, jeder spielt gegen jeden. „Da muss man flexibel sein und auch mal seine Ansprüche beiseite legen“, sagt Alex zu der Änderung des Ablaufs. Den Fußballcamp-Teilnehmern macht das ungewohnte Kicken im Sand sichtlich Spaß, auch wenn die bestens eingespielten polnischen Jungs jedes Match gewinnen.

Dass aus dem Strandtraining eine internationale Sport-Begegnung wurde, taugt dem Camp-Leiter. Ein Ball, zwei Tore – mehr braucht’s nicht. Die Kinder dürfen ruhig über den Tellerrand blicken und sollen nicht nur isoliert in der abgeschotteten Luxusumgebung auf dem Schiff kicken. Bestimmt gibt es Gäste an Bord der Mein Schiff 1, die bei ihren Landausflügen weniger Kontakt mit Einheimischen hatten.

Kicker auf Kreuzfahrt

Von schlechtem Wetter bleibt die Ostsee-Kreuzfahrt weitgehend verschont, so dass nicht mit Tennisbällen im Flur gespielt wird – neben einem Fußball-Quiz eine der Alternativen für Regentage. Für einige Einzelübungen weichen die Übungsleiter zwischendurch auf die beiden von Netzen umspannten Golfabschlagsplätze auf der Steuerbordseite aus. Sollte einer der jungen Kicker meinen, er könne es schon gar zu gut, wissen Alex und seine Kollegen Mittel und Wege, diesen wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzubringen. „Da muss man bei manchen schon Bundesliga-Attitüden austreiben, die sie aus dem Fernsehen kennen“, sagt der Camp-Leiter.

Bisweilen ist aber auch genau das Gegenteil nötig: So muss Alex beim Training auch mal einen der Jungs trösten, der völlig verzweifelt ist, weil er, der seit mehreren Jahren schon Fußball spielt, bei einer Übung weniger oft ins Ziel getroffen hat als einer der Jüngsten, ein Anfänger. Da ist viel pädagogisches Knowhow samt tröstender Worte gefragt. Noch ein Schniefen, einen Klaps auf die Schulter, und ein junger Kicker hat sein Selbstbewusstsein wieder.

Immer wieder kommen andere Kreuzfahrtgäste auf Deck 12 vorbei. Manche schauen verdutzt, dass da Fußball gespielt wird, manche wirken indigniert ob des Umwegs, den sie wegen des belegten Sportfeldes bei ihrem Bordrundgang in Kauf nehmen müssen, aber die Mehrheit reagiert positiv auf das flotte Treiben der jungen Sportler, schaut lächelnd zu, kommentiert die Ballwechsel und macht bisweilen sogar auch noch ein paar Fotos.

Zum Abschluss gibt es dann aus der Hand von Jens Dahlmann, Human Ressources Manager der Mein Schiff 1, die Teilnehmerurkunden.

Als Krönung der Abschlussveranstaltung steht der gemeinsame Kick mit den Eltern auf Deck an. Damit sich dabei Groß und Klein nicht zu sehr in die Quere kommen, werden Flatterbänder gespannt, die das Feld aufteilen und an denen sich alle Spieler festhalten müssen, so dass der Aktionsradius jedes Spielers eingeschränkt ist und auch die körperlich Unterlegenen ihre Chancen haben. Und diese nutzen, denn die meisten Tore erzielen die Kinder.
Letzter offizieller Programmpunkt ist die Verabschiedung der kleinen Kicker durch Alexander Jamil und seine beiden Trainer Kai und Shahab. Auch Jens Dahlmann ist gekommen, der als Human Ressources Manager auf der Mein Schiff 1 für alle 808 Mitarbeiter an Bord verantwortlich ist. Als offizieller Vertreter der Reederei verteilt Jens Dahlmann die Teilnehmerurkunden, außerdem bekommt jedes Kind noch eine Medaille und ein T-Shirt. Ein paar Erinnerungsfotos werden noch gemacht, und dann verschwinden sie nach und nach Richtung Heck.

Sie treffen sich im Bistro La Vela auf Deck 11, wo es die leckere frische Pizza gibt und das während der Kreuzfahrt zum inoffiziellen Stammlokal der Fußballer wurde. Da sitzen dann Messi und Alaba, Reus und Özil, Neuer und Götze, Robben und Ribéry, Ibrahimovic und van der Vaart und genießen noch eine knusprige Pizza Margarita. Auch das gibt dieser Kreuzfahrt einen Kick.

Volker Pfau

Infos zur Kreuzfahrt mit Fussballcamp

FUSSBALLCAMP: Das beschriebene Fußballcamp auf der Mein Schiff 1 mit sieben Trainingseinheiten hat 49 Euro gekostet. Im Sommer 2014 wird das Angebot an Sportkursen stark erweitert, diese finden dann auf der Mein Schiff 3 statt. Der Neubau wird im Mai 2014 in Dienst gestellt. Er ist 294 Meter lang, hat 1253 Kabinen und bietet Platz für 2506 Passagiere.

TERMINE:

  • 6. bis 20. Juli: Handballcamp (Kursgebühr 39 Euro).
  • 20. Juli bis 3. August sowie 31. August bis 14. September: Fußballcamp (49 Euro).
  • 3. bis 17. August: Volleyballcamp (39 Euro).
  • 17. bis 31. August: Basketballcamp (39 Euro).

KREUZFAHRT:Die einwöchige Kreuzfahrt „Adria mit Kroatien“ vom 31. August bis 7. September 2014 auf der Mein Schiff 3 kostet in einer Innenkabine bei Doppelbelegung mit Premium All inclusive ab 1298 Euro pro Person, mit Flug ab 1658 Euro pro Person. Kinder bis einschließlich 14 Jahre können im Zusatzbett als dritte Person in der Kabine auf dem Schiff kostenlos mitfahren. Info und Buchung im Reisebüro, unter Tel. 040/286 67 71 11 oder unter www.tuicruises.com.

DER TRAINER:Seit 2010 entwickelt Alexander Jamil (35) mit seiner Firma SportJobs für TUI Cruises verschiedene Themenreisen für den Kids- und Teens Club, leitet das Fußballcamp auf Kreuzfahrten und arbeitet im Jugendbereich des Fußball-Zweitligisten FC St. Pauli, wo er die Mannschaften der Altersklasse U 7 bis U 9 betreut. Das Konzept für das erweiterte Sportangebot auf der neuen Mein Schiff 3 wurde ebenfalls von SportJobs gestaltet.

Mehr zum Thema

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Am dritten Advent droht Stau vor allem in Ballungszentren

In den Innenstädten wird es am Wochenende viel Verkehr auf den Straßen geben. Mit Park-and-Ride-Parkplätzen können Autofahrer diesen umgehen. Auf den Autobahnen kann das …
Am dritten Advent droht Stau vor allem in Ballungszentren

Eisbaden in Tirol und ein Museum voller Stühle in Kopenhagen

Wer in den Wintermonaten verreisen möchte, ist nicht unbedingt auf Schnee angewiesen. In Kopenhagen zeigt eine Ausstellung die dänische Möbelkunst des 20. Jahrhunderts …
Eisbaden in Tirol und ein Museum voller Stühle in Kopenhagen

Wie viel Sprit haben Flugzeuge als Reserve an Bord?

Airlines dürfen beim Sprit nicht zu knapp kalkulieren. Denn Flugzeuge müssen auch mal Warteschleifen fliegen, ehe sie landen können. Oder sie werden umgeleitet. Das …
Wie viel Sprit haben Flugzeuge als Reserve an Bord?

Winter 2017: Die Lieblingsreiseziele der Deutschen

Ischgl, Oberstdorf oder Saalbach: Die Deutschen fahren im Winter eher in die Berge als in den Süden. Der Grund: Sie fahren lieber Ski als sich am Strand zu sonnen.
Winter 2017: Die Lieblingsreiseziele der Deutschen

Kommentare