Bad Gögging Bierkur: Hopfenbad zur äußeren Kuranwendung gibt es auch ein Bier, allerdings in homöopathischen Dosen.
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Mit Amor im Hopfenbad: Zur äußeren Kuranwendung gibt es auch ein Bier, allerdings in homöopathischen Dosen.

Urlauber baden im Hopfensud

Die Bier-Kur in Bad Gögging

Auf der Wiesn, die an diesem Wochenende beginnt, wird der Stoff vorwiegend verinnerlicht. 6,9 Millionen Mass Bier haben die Besucher letztes Jahr auf dem Münchner Oktoberfest getrunken.

Nicht jedem Gast hat das selbstverordnete Quantum gutgetan. 827 Alkoholleichen gab es in zwei Festwochen. Dann doch lieber die äußerliche Anwendung, wie sie in Bad Gögging zelebriert wird. Baden im Bier, Massage mit Hopfen – eine echt bayerische Kur.

Wer hat’s erfunden? Die Römer jedenfalls nicht, die suchten ihr Heil nachweislich in den Schwefelquellen von Bad Gögging. Mit der Braukunst des Bieres, geschweige denn mit dem gesundheitlichen Nutzen des Hopfens hatten die Legionäre der Kaiser Domitian, Trajan und Hadrian, die im ersten und zweiten Jahrhundert nach Christus am römischen Grenzwall Limes im Osten Bayerns ihren Dienst taten, wenig am Hut. Südländer waren und sind halt bekanntlich dem Wein mehr zugetan als dem Gerstensaft. Suum cuique, wie der Lateiner sagt – jedem das Seine.

Hopfenkur als ganzheitliches Erlebnis

Hopfenbad-Erfinder: Franz Bauer, Leiter der Gögginger Limes-Therme, hatte die innovative Kur-Idee.

Zum Bierbrauen werden die Hopfenzapfen erst seit dem Mittelalter genutzt, schriftlich ist das festgehalten im bayerischen Reinheitsgebot von 1516. Ein halbes Jahrhundert vorher allerdings hat eine Naturheilerin schon erkannt, dass der Humulus, wie die krautige Kletterpflanze im Botanikerlatein heißt, durchaus auch eine medizinische Bedeutung hat. Die Benediktinerin Hildegard von Bingen beschrieb als Erste die beruhigende Wirkung von Hopfenbädern und Hopfentees.

Warum diese Rohstoffe nicht nutzen, wenn sie vor der Haustür in den Himmel wachsen? So oder ähnlich haben sie im niederbayerischen Bad Gögging wohl gedacht und bieten nun neben Anwendungen mit Schwefel, Moor und Thermalwasser auch Hopfenkuren an. Schließlich ist gerade in Zeiten der Bäderkrise der Unique Selling Point, wie man ein Alleinstellungsmerkmal neudeutsch nennt, für die Kurorte besonders wichtig. Hopfen und Malz, Gott erhalt’s.

Eine andere Bier-Erfahrung

Erfunden hat das Hopfenbad Franz Bauer, der Leiter der Gögginger Limes-Therme. Weil er aber ein bescheidener Mensch ist, sagt er das nicht so direkt, sondern relativiert stattdessen: „Ich weiß keinen, der es in dem Stil macht wie wir.“ Sehen, fühlen und schmecken könnten die Gäste das Naturheilmittel, während sie in der mit frischen Hopfenreben und urigem Erntegerät dekorierten Holzhütte in der Massagewanne der sitzen. In Säckchen, gefüllt mit Hofendolden, die im Badewasser hängen, wird dabei der Wirkstoff Xanthohumol freigesetzt. Er beruhigt, hilft gegen Einschlafstörungen, kann freie Radikale unschädlich machen und gilt sogar als krebshemmend.

Hopfen für die Massage

Eine Hopfenkur soll ein ganzheitliches Erlebnis sein. Und deshalb wird dem Gast während der äußerlichen Anwendung (die man in der Hopfenhütte auch paarweise genießen kann) ein Bier kredenzt – allerdings nicht in Massen wie auf der Wiesn, sondern in Maßen, also homöopathischen Dosen – eine Halbe für zwei. Ob die Sorte „Alte Liebe“ der Brauerei Kuchlbauer, auf deren Etikett der Liebesgott Amor gleich doppelt abgebildet ist, eine aphrodisierende Wirkung haben könnte, will Bauer nicht kommentieren. Auf alle Fälle habe die Hopfenkur verjüngende Wirkung, das wisse er aus etlichen Eigenversuchen. „Ungelogen, ich schau heut viel besser aus als früher“, sagt der 53-Jährige mit bierernster Mine.

Während im Hopfenbad der Limes-Therme das pflanzliche Produkt rein naturbelassen zur Anwendung kommt, werden die Gäste im Spa des Hotels Eisvogel mit Hopfenöl oder -cremepackungen einbalsamiert und baden im Biersud. Letzteres soll Bindegewebe, Gelenke und Knochen festigen. Wenn das die alten Römer gewusst hätten, die am Limes schufteten, dann wäre das mit der italienischen Weintradition über die Jahrhunderte vielleicht ganz anders gelaufen. Zumindest holen sie die versäumte Biererfahrung inzwischen auf dem Oktoberfest am Wochenende der Italiener geballt nach. Wobei der Gerstensaft da ja innerlich zur Anwendung kommt, vorwiegend jedenfalls ...

Christine Hinkofer

Die Reiseinfos zu Bad Gögging

REISEZIEL Bad Gögging ist ein Stadtteil von Neustadt an der Donau in Niederbayern. Vermutlich haben schon die Kelten 500 Jahre v. Chr. die Thermalquellen der Region gekannt und genutzt. Ein halbes Jahrhundert später bauten die Römer hier die wohl größte Thermenanlage nördlich der Alpen. Ein Teil davon, der unter der Andreaskirche gefunden wurde, ist seit 1980 als Römisches Museum für Kur- und Badwesen zugänglich. 1919 wurde Gögging als Bayerisches Staatsbad anerkannt.

HOPFEN AM FELD Die Hopfengärten der Hallertau, dem größten Hopfenanbaugebiet der Welt, beginnen am Ortsrand von Bad Gögging.

HOPFEN ZUR KUR Seit 2009 wird in der Limes-Therme das Hopfenbad angeboten (20 Euro inklusive zweieinhalb Stunden Aufenthalt in der Therme), 35 Euro für zwei.

HOPFEN-WELLNESS Das Vier-Sterne-Hotel Eisvogel in Bad Gögging bietet ein Hopfenwellness-Paket ab 229 Euro pro Person im DZ. Es beinhaltet Hopfenöl-Anwendungen, Fitness-Programm und zwei Übernachtungen all inclusive. Außerdem kann man ein Biersudbad buchen (80 MInuten mit Massage, 69 Euro). Tel. 09445/9690, www.hotel-eisvogel.de.

HOPFEN-ERLEBNIS Ab Ende August mit zahlreichen Veranstaltungen rund um den Hopfen. Infos unter www.hallertauer-hopfenwochen.de, www.hopfenland-hallertau.de.

HOPFEN IM MUSEUM Wissenswertes über den Hopfen, von der Botanik bis zum Bier, erfährt man in einer Erlebnisausstellung auf über 1000 Quadratmetern im Deutschen Hopfenmuseum in Wolnzach. Tel. 08442/7574, www.hopfenmuseum.de, Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr.

HOPFEN IM FASS 20 Brauereien produzieren im Gebiet der Hallertau über 70 Biersorten. Mit einigen der ältesten Brauereien gilt die Region als Ursprungsland des Bieres. Brauereiführungen z. B. in Kuchlbauers Bierwelt, www.kuchlbauer.de; Privatbrauerei Schneider, www.schneider-weisse.de; Riedenburger Brauhaus, www.riedenburger.de.

HOPFEN IM BUCH „Arzneipflanze Hopfen, Anwendungen, Wirkung und Geschichte“ von Dr. Martin Biendl und Dr. Christoph Pinzl. Das Buch ist im Verlag des deutschen Hopfenmuseums in Wolnzach erschienen.ISBN 3-929-749-05-X; Preis: 14,90 Euro.

WEITERE INFOS Tourist-Information Bad Gögging, Tel. (kostenfrei) 0800-46344464. Limes-Therme Bad Gögging, Tel. 09445/20090, www.limes-therme.de.

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