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Silberpfeil heißt der schnittige AVE. Spanien hat nach China das weltweit zweitgrößte Hochgeschwindigkeitszugnetz.

Hochgeschwindigkeitszug AVE

Mit dem Silberpfeil mal schnell durch Spanien

Wussten Sie, dass die Spanier das zweitgrößte Hochgeschwindigkeitszugnetz der Welt haben? Unser Autor Peter Loder hat den Alta Velocidad Española (AVE) auf der Strecke von Madrid nach Sevilla getestet. 

Die Fahrt von Madrid in die andalusische Provinzhauptstadt Sevilla (der Entfernungsrechner gibt dafür exakt 476 Kilometer an) dauert gerade mal zweieinhalb Stunden und kostet in der Touristenklasse ab 23 Euro. Das ist etwas mehr als hierzulande eine S-Bahn-Fahrt aus dem Münchner Außenbereich zum Flughafen und zurück. Vom Komfort ganz zu schweigen.

Madrid, die Hauptstadt im Zentrum Spaniens, ist der ideale Ausgangspunkt für eine spanische Schienenkreuzfahrt. Weil sich hier alle Verbindungen treffen, die nach Valladolid, Barcelona, oder Malagsa und auch die nach Girona und Alicante, die 2013 als jüngste Strecke hinzukamen.

Vor allem für Touristen, die per Flug aus dem Ausland ankommen und mit dem Zug weiterreisen, ist Madrid ideal. Gerade am Flughafen angekommen, geht’s in einer halben Stunde per Bus, U-Bahn oder Taxi ins Zentrum. Und damit auch zum Bahnhof, der zentral mitten in der City liegt.

Zweieinhalb Stunden von Madrid bis nach Sevilla

Die Estación in Madrid ist viel mehr als nur ein Bahnhof. Es ist ein botanischer Garten mit meterhohen Palmen, zahllosen Pflanzen und künstlichen Teichanlagen mit hunderten von Schildkröten. Ein schönes Entrée für den Urlaub im Süden.

Das Bahnfahren in Spanien ist irgendwie anders. Fahrkartenkontrolle im Zug? Gibt’s nicht! Verspätungen? So gut wie ausgeschlossen. Sie kommen höchstens einmal in drei Jahren vor und sind demnach fast so selten wie ein Treffer in der spanischen Millionen-Lotterie, deren Lose von resoluten Señoras entlang der Bahnsteige verkauft werden. Denn wer nur fünf Minuten zu spät am Ziel ankommt, hat mit dem AVE Anspruch auf die komplette (!) Erstattung der Fahrtkosten.

Die Tickets werden wie im Flughafen an einem Check-in-Schalter registriert. Ähnliches passiert mit dem Gepäck, das durchleuchtet wird (eine Konsequenz aus dem Terroranschlag am Madrider Bahnhof vom 11. März 2004). Doch in der Bahn sind die Gesetze längst nicht so streng wie im Flieger. Shampoo, Zahnpasta und Spray können unbeanstandet mitgeführt werden.

Auch Spaniens Königspaar nutzt den AVE für den schnellen Trip über die Iberische Halbinsel. Königin Laetitia geht an Bord bei der Eröffnung der neuen Verbindung zwischen Madrid und Albacete im Osten Spaniens.

Danach steht einer unbeschwerten Zugfahrt mit streckenweise bis zu 330 Stundenkilometern nichts mehr im Weg. Nachdem die kostenlosen Kopfhörer für das bordeigene Musikprogramm von den Stewardessen verteilt sind, wandert der Blick durch das Zugfenster hinaus über endlose Olivenhaine, wenn der AVE durch die La Mancha schnurrt, der Heimat von Don Quichotte und seinem Diener Sancho Pancha.

Der AVE ist die zweitschnellste Städteverbindung der Welt. Nur in China geht’s noch rasanter. Nach einer Stunde und 42 Minuten ist das 300 Kilometer südlich gelegene Cordoba erreicht. Auch dort steht der Bahnhof mitten im Zentrum der vom arabischen Einfluss geprägten Stadt. Zwischenstopp für eine Nacht, sich einmal durch die engen Gassen an der Alcazar des los Reyes Catolicos und durch das ehemalige Judenviertel arbeiten, in einer Taverne einkehren, wo es zum Dessert Flamenco gibt. Dann noch die nächtliche Besichtigung mit Lichtershow in der monumentalen Kathedrale, die einst eine Moschee war – und schon startet der AVE am nächsten Morgen weiter in Richtung Sevilla – zum nächsten Kapitel spanischer Kulturgeschichte. Pfeilschnell. Und am nächsten Morgen wieder zurück nach Madrid. Oder je nach Weichenstellung in Richtung Malaga, Alicante oder Barcelona. Sonnige Aussichten garantiert.

Peter Loder

Die Reise-Infos zum AVE

STICHWORT AVE Alta Velocidad Española ist der Markenname der Spanischen Eisenbahngesellschaft für das Hochgeschwindigkeitsnetz im Land. Mit 2665 Kilometern ist es das längste Hochgeschwindigkeitsbahnnetz Europas und nach China das zweitlängste der Welt.

VERBINDUNGEN Von Madrid geht es unter anderem nach Valladolid, Saragossa und Guadalajara, nach Barcelona, Valencia und Toledo. und in den Süden nach Cordoba, Sevilla und Malaga.

TICKETS können vorab online gebucht werden. Für ein Ticket in der Tourist-Klasse (economy), das vier Strecken beinhaltet (etwa Barcelona – Madrid, Madrid – Cordoba, Cordoda – Sevilla, Sevilla – Madrid) zahlt ein Erwachsener 163 Euro. Die einzelne Fahrt von Madrid nach Sevilla kostet ab 23 Euro. Info/Buchung im Internet unter www.renfe.com.

REISEZEIT In Zentralspanien kann es im Sommer schon mal Temperaturen über 40 Grad haben. Im Zug ist das egal, die Abteile sind vollklimatisiert.

WEITERE INFOS Spanisches Fremdenverkehrsamt Turespaña in München, Tel. 089/5307460, www.spain.info.

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