Ein Bayern-Botschafter, der auch bei Regen strahlt: Elmar Wepper unter dem weißblauen Schutzschirm am Starnberger See.
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Ein Bayern-Botschafter, der auch bei Regen strahlt: Elmar Wepper unter dem weißblauen Schutzschirm am Starnberger See.

Fernweh und Heimatliebe

Schauspieler Elmar Wepper ist Bayern-Botschafter

Erst in Krisenzeiten beweisen sich die wahren Qualitäten eines Diplomaten. Als wir Schauspieler Elmar Wepper, der jetzt Botschafter für das Urlaubsland Bayern ist...

...zum Interview am Starnberger See treffen, legt der weißblaue Sommer eine Pause ein. Aber die Schönheiten des Freistaats bei strahlendem Sonnenschein verkaufen, das kann jeder. Er kann es auch bei richtigem Sauwetter. Ein idealer Botschafter also. Christine Hinkofer sprach mit ihm:

Herr Wepper, wenn das bayerische Fernsehen für eine bayerische Serie einen Bayern braucht, sind Sie meist ganz vorne mit dabei. Sind Sie ein Paradebayer?

Nein, das Wort gefällt mir nicht. Dieses sich so draufsetzen auf das Bayerntum mag ich nicht. Ich bin auch kein Berufsbayer.

Welche bayerischen Eigenschaften stecken in Ihnen? Das wirft erst mal die Frage auf: Was sind denn bayerische Eigenschaften?

Bayern ist ein Vielvölkerstaat, kein homogenes Gefüge, das man einfach über einen Kamm scheren kann. Altbayern, Schwaben Franken, die haben sich über die Jahrhunderte gefunden, manchmal zwangsfinden müssen, weil wieder eine Provinz eingeheiratet wurde.

Aber irgendwas haben sie doch gemeinsam, die Bayern?

Man sagt ihnen eine gewisse Weltoffenheit nach, und eine Entspanntheit. Als Bayer denkt man halt, dass man schon irgendwie privilegiert ist. Dass man hier auf etwas ganz Besonderem sitzt. Dieses Land, das ist eben nicht nur a bissl a schöne Gegend, sondern das ist geballte Kunst, geballte Freizeitmöglichkeit, geballte Historie, geballte Tradition. Es ist alles da, man muss nichts dazuerfinden, man muss nicht schauen, was macht man jetzt aus dem Bayern, damit es interessant wird für die Leute.

„Ich reise, weil ich wieder gern nach Hause komme“

Also braucht Bayern eigentlich gar keine Werbung?

Man muss Bayern nicht schönreden, aber man sollte vielleicht den einen oder anderen dazu anregen, über seinen regionalen Tellerrand zu schauen. Als Münchner zum Beispiel nach Bamberg fahren, die mittelalterliche Altstadt, die Unesco-Weltkulturerbe ist, zu erleben. Anschließend in eines der Traditionsgasthäuser gehen und sich einen Schäufelebraten und ein süffiges Rauchbier gönnen. Viel mehr an Kultur und Genuss geht nicht.

Gibt es die Liberalitas Bavariae, dieses freie Denken unter weißblauem Himmel?

Es war ja so, dass bei uns schon im 19. Jahrhundert, und das war damals in deutschen Landen ganz ungewöhnlich, ein Student mit einem Arbeiter und einem Professor an einem Wirtshaustisch saß und sie haben über Gott und die Welt und die Politik diskutiert und man hat sich zugeprostet, ganz ohne Standesdünkel.

Nach der gesellschaftspolitischen mal eine ganz profane Frage: Muss ein Bayer einen Trachtenanzug und eine Lederhosn im Schrank haben?

Nein, muss er nicht. Ich persönlich habe ein gesundes Verhältnis zur Tracht, sie ist Teil meiner Graderobe, aber beizeiten, wann es passt.

Was ziehen Sie auf die Wiesn an?

Je nach Wetter eine Tuchhose, einen leichten schilfleinernen Tegernseer oder einen Lodenjanker, drunter gern eine Weste – und das ist es. Früher bin ich mit der Bundledernen und Haferlschuah auf die Wiesn, aber die Hose passt mir leider nicht mehr.

Seit wann denn das?

Die hab ich mir vor 30 Jahren machen lassen, eine schwarze Hirschlederne. Irgendwann ist sie mir zu weit geworden (lacht). Von meinem Bruder hab ich dazu Hosenträger bekommen, mit Federkielstickerei, wunderbar mit zwei Gamsen und den Initialien E.W., ein kleines Kunstwerk. Die hab ich noch. Die Hose hat mein Sohn. Welche selbstverständliche Wertigkeit die Tracht in Bayern hat, zeigt sich auch daran, dass bei offiziellen Einladungen dabeisteht: Abendgarderobe, dunkler Anzug, Tracht. Das geht überhaupt nicht in die Richtung: Mach ma heut amal auf bayerische Maskerade.

Auf der Wiesn ist schon a bissl Fasching.

Aber mir gefällt das. Die jungen Leute sind dabei und fahren voll drauf ab. Da spielen am Tag die Blaskapellen und am Abend treten die Gruppen auf mit moderner Musik und lassen es krachen. Und so soll es ja auch sein, dass die Wiesn nicht irgendwie ein altbackenes Relikt ist, das man pflegt.

In „Zwei Münchner in Hamburg“ spielten Sie an der Seite von Uschi Glas den Dr. Sagerer, der beruflich nach Hamburg auswandert. Wie viel Wahrheitsgehalt steckte in der Rolle? Der Bayer an und für sich gilt ja als ausgesprochen unmobil, weils bei uns so schön ist.

Lacht. Ich mag Hamburg sehr und das wäre, wenn es gar nicht anders ginge, einer der ganz wenigen Orte in Deutschland wo ichs auch aushalten könnte. Aber wohlbemerkt nur, wenn hohe Not am Mann wäre.

Gibt es in Ihrem Leben das Wort Fernweh?

Schloss Neuschwanstein ist bei Touristen besonders beliebt.

Altersbedingt zieht es mich jetzt nicht mehr so wahnsinnig weg. Aber ich weiß sehr wohl, was Fernweh ist und bin früher viel und weit gereist. Ein entscheidender Grund für diese Lust am Reisen war aber, dass ich wieder gerne nach Hause gekommen bin. Einmal war ich drei Monate mit einem Freund in Amerika. Wir haben eine Tour gemacht mit dem Camper den ganzen HighWest von Vancouver runter über alle Canyons nach Mexiko auf die Baja California. Das ist 40 Jahre her. Und als ich dann wieder zu Hause war, wollten wir uns an unserem Fischweiher treffen bei Truchtlaching am Chiemsee, der Georg und ich. Ich erinnere mich noch genau, es war so Anfang Oktober, ein perfekter Tag. Und wie ich da so über den Samerberg komme, rechts die Kampenwand und unten der Chiemsee mit den Schifferln, da hat es mich richtig gerissen und ich hab rechts gehalten am Seitenstreifen und mir gesagt: Mein Gott ist dieses Bayern schön!

In Amerika gibts höhere Berge und größere Wälder und tiefere Täler, aber was das so wertvoll macht, dieses Bayern, das sind diese gewachsenen Kulturlandschaften. Die Dörfer, die Wirtshäuser, die Biergärten, die Kirche, vor der die Männer nach dem Gottesdienst stehen und ratschn – das ist nicht so, weil sich das einer ausgedacht hat, sondern es ist halt so geworden und irgendwie stimmt es dann auch, es passt alles.

Wie lange halten sie es aus in der Ferne ohne Entzugserscheinungen?

Des hängt davon ab, wie es mir gefällt, wo ich gerade bin. Es kann schon sein, dass ich mir irgendwo mal denk, des hättst dir eigentlich sparen können. Wie schön wärs jetzt daheim. Aber das ist dann relativ Bayern-unabhängig, weil ich dabei an mein Haus denke und an meinen Garten.

Können die Entzugserscheinungen im Ausland auch kulinarischer Art sein? Vermisst der Elmar Wepper, wenn er in Singapur ist, die Weißwürscht?

Eher weniger, kulinarisch bin ich Kosmopolit. Ich liebe die bayerische Küche, auch diese einfachen Arme-Leute-Gerichte aus der Nachkriegszeit. Aber essensmäßig komme ich immer und überall durch. Sie sind jetzt Bayern-Botschafter.

Wie lang eigentlich?

Ganz kurz, um ehrlich zu sein. Ich bin ein Saisonarbeiter. Dieser Botschafter, das ist kein Titel, den man mir mitgegeben hat als großer bayerischer Vertreter ad infinitum. Ich seh das eher ein bisserl als Hommage an meine Person, vielleicht weil ich eine gewisse Glaubwürdigkeit mit meinem Bezug zu Bayern vermittle.

Wie wird man Bayern-Botschafter?

Da wird man gefragt ob man das macht (Anm. d. Red.: von der Bayern Tourismus GmbH). Und ich glaube, das Produkt und ich, wir passen gut zusammen.

Mussten Sie oft gefragt werden?

Nein, da hat man sich schnell verständigt.

Worin sehen Sie ihre Aufgabe in dieser Funktion?

Eine konkrete Aufgabe gibt es in dem Sinn nicht. Ich sag halt einfach, was ich über Bayern denke oder was Bayern für mich bedeutet, wenn man mich fragt. Und da muss ich auch nicht groß rumzaubern und mir irgendwelche bayerischen Würmer aus der Nase ziehen, das ist so wie es ist.

Ist der Job arbeitsintensiv? Wie viele Termine stehen im Kalender?

An und für sich ist es mehr eine symbolische Funktion, keine eigentliche Tätigkeit.

Wo ist Bayern für Sie am schönsten?

Ganz egoistisch: Bei mir daheim im Würmtal. Das Grubmühlerfeld, die Keltenschanze bei Buchendorf – das ist ein Ort, den ich sehr mag, da geh ich immer mit dem Hund spazieren. Das gibt Kraft und Energie. Wir fahren auch oft über Land, meine Frau und ich, auf der Suche nach einer interessanten Einkehr oder einfach nur so, weils schön ist.

Was muss ein Fremder bei uns gesehen oder erlebt haben? Wenn beispielsweise der Ami zu Ihnen sagt, was muss ich mir alles anschauen – what do I have to look at?

Dann würde ich sagen: It depends. Are you a Sportsman, are you Alcoholic, are you a traditional Freak? Ich drücke es mal so aus: In Bayern ist alles da. Man weiß ja, wie die Amerikaner oder Japaner Ohnmachtsanfälle kriegen, wenn sie Neuschwanstein sehen. Bayern hat die meisten Burgen, die meisten Brauereien, die meisten Volksfeste. Bayern hat landschaftliche und kulturhistorische Schönheiten auf so engem Raum wie kein anderes Bundesland. Ich würde sagen: Schau einfach hin, such es Dir aus. Es ist alles da.

Sie kochen mit Alfons Schuhbeck im Fernsehen. Wie viel Bayern-Liebe geht durch den Magen, wenn Sie es prozentual beziffern müssten?

Dreiunddreißigeindrittel Prozent, ganz grob geschätzt (lacht). Bayern ist ja ein kulinarisches Paradies.

Wie schaut ein idealer bayerischer Urlaubstag für Sie wettermäßig aus? Hitzewelle, weißblauer Himmel, Schnee oder Schnürlregen, damit die Schwammerl wachsen?

Schaut in den verregneten Biergarten vor dem Forsthaus am See in Feldafing: Gegen schönes Wetter ist natürlich nichts einzuwenden. Jetzt, weil wir hier am Starnberger See sitzen: Auf der anderen Seite, drüben bei Leoni. gibt es einen wunderbaren Bootsverleih. Da mietest du dir an einem Sommertag ein kleines Elektroboot, fahrst raus auf den See, hängst die Leiter rein, schwimmst, bist ganz allein, also das ist perfekt. Dann kommst du wieder zurück, fährst mit dem Auto sieben Minuten nach Aufkirchen, da gibts einen wunderbaren Biergarten, da sitz ich, schau in die Berge und dann denk ichs mir wieder: Mein Gott, ist dieses Bayern schön!

Zum Abschluss mach ich jetzt mit Ihnen den Bayern-Test in zehn Fragen:

Starnberger See oder Südsee? Starnberger See im Sommer, Südsee im Winter.
Kilimandscharo oder Kampenwand? Kampenwand.
Luchs oder Löwe? Luchs.
Neuschwanstein oder Versailles? Neuschwanstein. Versailles ist öfter nachgebaut worden, sogar in Bayern, vom König Ludwig, der das Franzosen-Schloss als Vorbild für Herrenchiemsee genommen hat.
Wagner oder Verdi? Wagner.
Weißwurst oder Wok? Weißwurst.
Palmen oder Kastanienbäume? Palmen im Winter, Kastanien im Sommer.
Isar oder Yangtse. Isar.
Röthbachfall oder Niagarafälle? Ein bisserl kosmopolitisch muss ich dann schon sein. Jetzt sagt ich: Niagara.
Trachtenhut oder Tropenhelm? Eigentlich bin ich kein Trachtenhutmensch, aber mir wurde der Filserhut verliehen, den ich mit Ehre trage. Also Filserhut.

Dann sagen wir mal: Bayerntest bestanden. Und die Tauglichkeitsprüfung als Bayern-Botschafter natürlich auch!

Und als sich die Reporterin und Elmar Wepper im Stüberl des Forsthauses am See verabschieden, prasselt der Schnürlregen noch immer gegen die Butzenscheiben. Dem Bayern-Botschafter ist das grad recht. Sein Garten daheim in Planegg, sagt er, hat es eh schon lang gebraucht. Und Bayern ist auch bei Regen schön.

Interview: Christine Hinkofer

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Das Urlaubsland Bayern

Mit 31 Millionen Übernachtungsgästen hat Bayern die meisten Urlauber aller deutschen Bundesländer. Die meisten Besucher kommen dabei aus Deutschland (76 Prozent). Wichtigste Auslandsmärkte sind die Niederlande (761.500 Ankünfte), Österreich (667.000), die USA (666.500) und Italien (593.000).

Meistbesuchte Stadt ist München (6,13 Millionen Übernachtungsgäste), gefolgt von Regensburg (1,47 Millionen).

Zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten gehören die BMW-Welt in München (2,45 Millionen Besucher) und Schloss Neuschwanstein (1,4 Millionen).

Der größte See Bayerns ist der Chiemsee (79,9 Quadratkilometer), der höchste Berg die Zugspitze (2962 Meter), die höchsten Wasserfälle sind die Röthbachfälle im Berchtesgadener Land (470 Meter). Infos zum Urlaubsland Bayern unter www.bayern.by.

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