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Gartenfreunde und ihre Gärten (v.o., v.l.): Glenveagh Castle wurde nach dem Vorbild von Queen Elizabeths Schloss Balmoral errichtet. Séan Ó Gaoithín ist dort Gärtner. Michael Classon im Kreis seiner netten Nachbarinnen und der weitläufige Oakfield Park in Raphoe.

Flower Power auf der grünen Insel

Gartenreise durch Irland mit Familienanschluss

Dublin - Im Nordwesten Irlands haben sich 26 Gärten zum Donegal Garden Trail zusammengeschlossen. Die meisten Parks gehören Privatleuten und sind Zeugnisse leidenschaftlicher Naturliebhaberei aber auch Orte. Besucher wie unsere Autorin Hilke Segbers sind überall herzlich willkommen.

Portnoo, im September

Michael Classon sitzt in seiner kleinen Küche, umklammert einen Teebecher mit beiden Händen und seufzt tief. „Nun haben wir uns so lange auf Sie gefreut – und nun sind Sie bald schon wieder weg.“ Dem 81-Jährigen gehört einer der 26 Gärten des Donegal Garden Trails. Gerade hat er eine kleine Gruppe Gäste durch sein Paradies geführt. Es liegt im rauen Nordwesten Irlands, wo das Klima aber dank des Golfstroms so mild ist, dass auch frostempfindliche Pflanzen wachsen, und Fuchsien und Rhododendren so groß wie Bäume werden.

Zwei der Gärten am Donegal Trail sind staatlich geführt: der Garten von Schloss Glenveagh im gleichnamigen Nationalpark und St. Columb’s Gardens, einst das Domizil des englischen Künstlers Derek Hill. Aber die anderen 24 Gärten gehören Privatleuten, die meist ihre gesamte Freizeit darin verbringen und Besucher gerne herumführen. Mal liegen sie rund um ein georgianisches Herrenhaus, mal bei einem Hotel, und dann wiederum an einem traditionellen Landcottage wie dem von Michael.

Paradies eines Pensionisten: Michael hat mit der Gestaltung des vier Hektar großen Gartens um sein weißes Farmhaus, das in einem Tal bei Portnoo liegt, 1979 nach seiner Pensionierung als Lehrer begonnen. „Als erstes habe ich den Hang hinter dem Haus gerodet“, erzählt er. „Dort wucherten die Haselnusssträucher.“

Heute stehen bei Michael Pfingstrosen und Lilien rund um einen Teich, im Frühjahr blühen Teppiche blauer Waldhyazinthen im Gebüsch. Seine Tochter Carolyn beobachtet kopfschüttelnd, wie er mit dem Stock von Strauch zu Strauch flitzt. „Er soll sich nicht bücken, er hat ein neues Knie.“ Auf dem Ohr ist Michael völlig taub: „Solange es noch geht...“

Die Mitglieder der Garden Route tauschen Samen und Ableger aus, trinken zusammen Tee und genießen selbst gebackene Scones mit Erdbeermarmelade. Besucher werden in diese Runde einfach mit aufgenommen. Eintrittsgelder verlangen die meisten Gartenbesitzer nicht, aber Spenden für gemeinnützige Organisationen werden gerne entgegen genommen. Ähnlich locker geht es bei den Öffnungszeiten zu. Einige haben feste Besichtigungszeiten, andere bitten interessierte Besucher um Anmeldung.

Dass es überlaufen wird, darüber muss sich Michael in seinem abgeschiedenen Cottage keine Gedanken machen. Zwei Dutzend Besucher im Jahr, mehr sind das nicht, die den Weg nach Portnoo finden. Nach der Gartenrunde gibt es in der guten Stube frischen Obstsalat, Tee, Kaffee und Gebäck von den Nachbarinnen. Michael ist der Hahn im Korb der Garden Trail-Ladies.

Ein Kraut für alle Fälle: Ähnlich familiär geht es im Ros Ban Garden nahe Mongorry zu. Ann und Bob Kavanagh führen die Besucher dort gemeinsam durch das Grün. Ann hat ein Händchen für Heilkräuter und kennt Geschichten rund um fast jeden Baum. „Weißdorn gilt als heilig“, erklärt sie. „Die Menschen dachten früher, dass er ein Haus vor Geistern und Blitzschlag schützt.“ Daher wurde das Dornengebüsch oft als Hecke rund um ein Gebäude gepflanzt. Ann weiß, dass sich aus den Wurzeln des Seifenkrauts Waschmittel machen lässt, dass Milchdistel gut für die Leber ist, Klee die Östrogen- und Ginseng die Testosteron-Produktion anregt und Ephedra Herz und Kreislauf stärkt.

Trambahn im Park: Wer auf großen Rasenflächen unter hohen, alten Bäumen flanieren will, ist in Oakfield Park in Raphoe gut aufgehoben. Die Familie Robinson hat das weitläufige Anwesen aus dem 18. Jahrhundert mit viel Aufwand aus dem Dornröschenschlaf geholt. Am Haus gibt es einen wunderschönen, Steinwall-umschlossenen Garten mit Gewächshaus. Man kann durch Waldstücke schlendern und über Blumenwiesen oder entlang kleiner Seen flanieren. Und sogar eine 4,5 Kilometer lange Trasse für eine Kleinbahn gibt es, die aber nur am Wochenende fährt.

Hotel mit Küchengarten: Rathmullan House hat dagegen nur einen Küchengarten zu bieten, aber dafür kann man in diesem Anwesen nach der Besichtigung auch gleich einziehen. Das repräsentative Gebäude am Lough Swilly ist ein Hotel, das zur feinen Gruppe von Ireland’s Blue Book-Häusern gehört. Ein kleiner Pfad führt zu einem zwei Kilometer langen, weißen Strand. Die Küche von Rathmullan House wurde mehrfach ausgezeichnet. Die Köche ernten viele ihrer Zutaten im Garten.

Schloss mit Stars: Die Gärten von Glenveagh Castle liegen mitten im gleichnamigen Nationalpark. Hier befinden sich auch die beiden höchsten Berge Donegals – der Mount Errigal und der Slieve Snaght. Es gibt die unterschiedlichsten Vegetationszonen und viele

Seen. Rund um das 1873 erbaute Schloss stehen 1000 Jahre alte Zitterpappeln, und der Besucher kann durch eine Allee aus Büschen mit lichtreflektierenden Blättern gehen. Obergärtner Seán Ó Gaoithín erzählt gerne von berühmten Gästen wie Marilyn Monroe und Charlie Chaplin, die im Pool von Glenveagh Castle schon gebadet haben.

Baumriesen und Kunstwerke: Etwas für Kunstliebhaber sind die benachbarten St. Columb’s Gardens nahe Churchill am Ufer des Lough Gartan. Hier steht das Glebe House, ein rot getünchtes Backsteingebäude im Regency-Stil, umgeben von weiten, zum Wasser abfallenden Rasenflächen und Baumriesen. Hier lebte bis zu seinem Tod vor 14 Jahren der englische Künstler Derek Hill, und nicht nur sein Garten, sondern auch seine Kunstsammlung mit Werken von Picasso und Kokoschka sind sehenswert.

Tweed und alte Rosen: Einen typisch irischen Garten hat Elizabeth Temple, eines der Gründungsmitglieder des Garden Trails. Mit Blick auf die Donegal Bay, umschlossen von alten Steinmauern, liegt Salthill Garden bei Mountcharles, rund um ein Haus aus dem frühen 18. Jahrhundert. Und der Gatte ist auch noch einer der führenden Produzenten von edler Tweedkleidung in Irland, sein Label Magee wurde 1866 gegründet. An den alten Mauern des Gartens ranken Rosen aus dem 19. Jahrhundert.

Reise-Infos

REISEZIEL Donegal liegt im äußersten Nordwesten Irlands, rund 120 Kilometer vom nordirischen Belfast und 220 Kiolometer von Dublin entfernt.

ANREISE Zum Beispiel mit Aer Lingus täglich von München nach Dublin. Ab ca, 200 Euro inklusive Rückflug. www.aerlingus.com. Von dort weiter per Leihwagen, z.B. über Auto Europe, günstigstes Angebot ab/bis Flughafen Dublin ab 46 Euro für drei Tage.

WOHNEN Direkt am Donegal Trail wohnt man im luxuriösen Rathmullan House; ab 80 Euro für Bed & Breakfast, www.rathmullanhouse.com, Tel. 00353/74/915 81 88. Ansonsten hat Irland generell eine große Anzahl an Bed-and-Breakfast-Angeboten, aber auch sehr schöne Landhotels und zu Hotels ausgebaute Schlösser. Die Preise sind durch die Wirtschaftskrise auf einem niedrigen Niveau. Selbst in einem Vier- oder Fünf-Sterne-Haus erhält man Doppelzimmer für rund 100 Euro die Nacht. Es lohnt sich nach Specials zu fragen,

REISEZEIT Die meisten Gärten des Donegal Garden Trails sind von Mai bis September geöffnet, die größeren Anlagen wie etwa die Glenveagh Castle Gardens haben das ganze Jahr über geöffnet.

WEITERE INFOS auf der Homepage www.donegalgardentrail.com. Irland Information, Frankfurt, Tel. 069/66 80 09 50, www.entdeckeirland.de.

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