Leo geht mit seinem Herrchen im Oktober auf Trüffeljagd.

Italien für Spürnasen

Ab Oktober ist in den italienischen Marken Trüffelzeit. Spürnasen wie Leo gehen dann auf Jagd. Autorin Monika Reuter ließ sich vom guten Instinkt des tierischen Fremdenführers leiten.

Gestatten, mein Name ist Leo. Jetzt sagen Sie bitte nicht, das sei komisch, weil ich eher wie ein Schaf aussehe. Das kommt nur, weil ich gerade beim Friseur war. In ein paar Wochen ist die Mähne wieder nachgewachsen, und dann sehe ich einem Löwen wieder viel ähnlicher. Aber eigentlich stehe ich sowieso mehr auf innere Werte, genau genommen auf unterirdische. Denn mein Job ist die Trüffeljagd. Mal von Mai und September abgesehen, wo die Dinger Schonzeit haben, gibt es bei uns in den Marken eigentlich das ganze Jahr über Trüffel.

Lizenz zum Schnüffeln haben in Italien nur Hunde

Aber die besten und teuersten, die weißen Herrentrüffel, werden im Spätherbst gejagt. Mai und September sind für mich also ziemlich fad, aber die Urlauber kommen trotzdem. Die sind dann oft überrascht, dass es bei uns immer noch so typisch italienisch wie bei „Don Camillo und Peppone“ aussieht. Und dass wir hier 242 umwerfend schöne Museen haben. Da hängt dann auch mal so ein Tizian an der Wand. Die Touristen fahren auch gern nach Jesi, weil es dort eine der größten Burganlagen Italiens gibt. Und im Palazzo Pianetti gibt es in der Galerie einen 74 Meter langen Gang voller Stuck und Malerei – ein Barocktraum, sagen die Leute. Außerdem ist in Jesi der Stauferkönig Federico II. geboren. Na ja, ich kenn mich da nicht so aus, ich unterhalte mich lieber über Trüffel.

Es gibt Menschen, die behaupten, Trüffel stinken, andere sagen, sie duften. Im Altertum wurden Trüffel als die „Hoden der Erde“ bezeichnet. Ob sie wirklich als Aphrodisiakum wirken, kann ich nicht beurteilen. Ich stehe mehr auf Hundekuchen. Früher hatten wir hier noch diese schweinische Konkurrenz – die Trüffelsau. Weil die sich nicht beherrschen konnte, hat sie immer gleich den ganzen Boden umgepflügt. Sie können sich vorstellen, wie danach der Wald ausgesehen hat, und Trüffel sind da auch keine mehr gewachsen. Deshalb ist es in Italien heute verboten, Trüffel mit Schweinen zu suchen. Man braucht dazu also etwas Besonderes, nämlich einen Hund. Am besten einen von meiner Rasse, die Lagotto heißt.

Sie wollen wissen, was wir besser können als die andern? Lassen wir mal unsere aparte Erscheinung beiseite, dann können wir auf einen Stammbaum bis ins 16. Jahrhundert verweisen. Wir sind von Natur aus neugierig, freundlich und wir interessieren uns nicht für Hasen oder aufflatternde Fasane, wie man sie dauernd bei der Trüffelsuche trifft. Wild bringt mich überhaupt nicht in Wallung. Das kommt daher, weil dem Lagotto der Jagdtrieb weggezüchtet wurde. Sagt jedenfalls mein Herrchen Klaus Wilhelm Gérard, und der muss es wissen. Der ist nämlich einer von ganz wenigen Deutschen, die in Italien die Lizenz zum Trüffelsuchen haben und sich mit uns Trüffelhunden auskennen.

Ein Kilo Trüffel ist cirka 300 Euro wert

Falls Sie mal nach Monte San Vito kommen, wo wir wohnen, müssen Sie unbedingt nach dem Theater fragen. Das ist so winzig, das übersieht man leicht. Es stammt aus dem 18. Jahrhundert und schaut mit seinen 26 Logen wie eine Puppenstube aus. Die Logen sind sehr eng, nichts für dicke Zuschauer. Obwohl in Monte San Vito nur 6500 Leute wohnen, gibt es hier eine riesige Barockkirche mit einer Reliquie vom heiligen Vitus. Der ist mir besonders sympatisch, weil er immer mit einem Hund dargestellt wird. Außerdem gibt es hier im September ein bayerisches Bierfest. Na ja, ich würde ja eher unsere lokalen Weine empfehlen, den Verdicchio zum Beispiel.

Was ich auch noch anmerken muss: Wir Lagottos sind kein Schnäppchen. Für eine ausgebildetenTrüffelhund muss man soviel wie für einen gebrauchten Kleinwagen hinlegen. Aber eigentlich verkauft kaum jemand einen guten Trüffelhund. Schließlich holen wir ja ein Vermögen aus der Erde. Für ein Kilo Trüffel werden – je nach Sorte – 3000 Euro gezahlt. Tschuldigung, an dem Baum, da muss ich schnell mal ... Im Sommer kann es bei uns ganz schön warm werden.
Da hätte ich noch einen heißen Tipp oder besser: einen kühlen. Fahren Sie den Fluss Esino entlang zu den Grotten di Frasassi. Ich bin an sich kein Höhlen- Freak, aber so etwas haben Sie noch nie gesehen. Die Grotten, die erst 1971 entdeckt wurden, sind nämlich 200 Meter hoch und 165 Meter lang. Da passt der ganze Dom von Mailand rein. Und sie sind voller seltsam geformter Tropfsteine. Außerdem kann man 20 Meter tief in Schluchten schauen, alles schön ausgeleuchtet. Wenn Sie schon einmal dort sind, sollten Sie auch einen Blick in die am Weg gelegene Abtei San Vittore werfen. Die stammt aus dem 11. Jahrhundert und ist ein Schmuckstück romanischer Architektur. In dem Raum reduziert sich alles auf das Wesentliche, da wird man ganz ruhig.

Trüffel schon als Welpe gefüttert 

Sie wollen sicher noch wissen, wie ich gelernt habe, Trüffel zu finden. Das war so ähnlich wie bei den Kollegen, die Rauschgift oder Sprengstoff suchen. Unter uns gesagt, ich mache mir überhaupt nichts aus Trüffeln. Aber wenn ich einen ausgrabe, bekomme ich hinterher mein Lieblingsfutter. Und mein Herrchen krault mich. Das motiviert. Als ich noch klein war, hat er mir alte Trüffel unters Futter gemischt. Deswegen muss ich bei dem Geruch immer ans Fressen denken. Wenn es dann im Wald danach riecht, fange ich sofort an zu graben, bis er fermati! (halt!) schreit. Er hat immer Angst, ich könnte einen Trüffel mit den Krallen beschädigen. Wenn ich gut drauf bin, zeige ich ihm mit der Schnauze an, wo genau der Trüffel liegt. Dann lockert er mit einer vanghetta, einer Art Mini-Lanze, den Boden, und holt die Trüffeln raus. Und ich rühr mich nicht von der Stelle, bis ich meine Belohnung bekomme. Das zweite Vergnügen im Wald sind übrigens die vielen Bäume, da könnte man dauernd – na, Sie wissen schon ...

REISE-INFOS ZU DEN MARKEN

REISEZIEL Die Marken liegen in der Mitte des italienischen Stiefels zwischen Umbrien und den Abruzzen und grenzen im Westen an die Toskana und im Osten an die Adriaküste. Gleich hinter der Adriaküste wird es grün und hügelig. Es gibt Berge bis 2500 Meter Höhe, charmante Kleinstädte mit viel Historie, überraschende Kunstschätze und eine gute lokale Küche. Der Werbeslogan der Marken: „Ganz Italien in einer Region“.

ANREISE Mit dem Auto sind es von München etwa 750 Kilometer über den Brenner nach Ancona. Air Dolomiti/ Lufthansa fliegt dreimal am Tag nach Ancona. In der Wintersaison ab ca. 130 Euro. www.airdolomiti.it

REISEZEIT Ab Mai ist das Wetter in den Marken meist sehr stabil. Im Juli/August gibt es Opernfestspiele in Macerata und das Rossini-Festival in Pesaro. Die Trüffelsaison beginnt im Oktober und dauert bis zum Jahresende.

WELCHER REISETYP Die Marken sind ein Ziel für Genießer von Kunst und gutem Essen, für Wanderer und außerdem für Individualisten, die ein ursprüngliches Italien suchen.

SPEZIALITÄTEN OLIVE ASCOLANE Frittierte Oliven, die gefüllt sind mit einer Farce aus Schweine- und Kaninchenfleisch, Ei, Parmesan, dazu etwas Muskat.

VERDICCHIO Ein Weißer mit dem Charakter eines Roten – so die Definition, frisch, fruchtig und gut lagerfähig.

WOHNEN Am besten in einem der vielen schönen Landhäuser und -gasthöfe. Empfehlenswert: das Poggio Antico in Monte San Vito – eine kleine, feine Herberge mit verschiedenen Appartments. DZ ab 89 Euro. Tel. 0039/071-740072, www.poggio-antico.com,

SEHENSWERT Die meisten kennen die Hauptstadt der Marken nur von der Durchreise zum Hafen. Dabei birgt Ancona erstaunliche Schätze. Auf keinen Fall den Dom verpassen, der exponiert auf dem Guasco-Hügel liegt und einer der schönsten in ganz Italien ist. Bemerkenswert auch die städtische Pinakothek im Palazzo Bosdari und die Kirche Santa Maria della Piazza.

VERANSTALTER Organisierte Trüffelreisen in die Marken, die vom lizensierten Trüffelsucher Klaus- Wilhelm Gérard begleitet werden, veranstaltet die Agenzia „The italian way“ in Peißenberg, Tel. 08803/636421, www.trueffel-reisen.de. Nächster Termin: 29. Oktober bis 1. November. Preis: ab 1189 Euro pro Person inklusive Programm und Verpflegung.

WEITERE INFO Italienischen Zentrale für Tourismus in München, Tel. 089/531317, www.enit.de

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