Agent 007 in Österreich: Unter großer Geheimhaltung beginnen die Dreharbeiten zum neuen Agentenfilm in Tirol. Hinter dem Absperrband in Obertilliach stehen zwei Heuhütten, die auch als Kulisse für den Bond-Film "Spectre" benutzt werden.
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Agent 007 in Österreich: Unter großer Geheimhaltung beginnen die Dreharbeiten zum neuen Agentenfilm in Tirol. Hinter dem Absperrband in Obertilliach stehen zwei Heuhütten, die auch als Kulisse für den Bond-Film "Spectre" benutzt werden.

Geheime Mission

Alpendorf als Kulisse für neuen James-Bond-Film

Drei Orte in Österreich haben das große Los gezogen. James Bond alias Daniel Craig kommt zu Dreharbeiten nach Sölden, Altaussee und in die Mini-Gemeinde Obertilliach. Doch das ist alles ganz geheim.

Wer für den Geheimdienst Ihrer Majestät arbeitet, kann schweigen wie ein Grab. Egal, ob Spion mit der Lizenz zum Töten oder Wachmann mit der Lizenz zum Kettenrauchen. „Ich habe berufsbedingt Alzheimer.“ Der so von Vergesslichkeit Geplagte trägt eine weithin gelb leuchtende Jacke mit der Aufschrift „Security“ und beschützt mit zwei Kollegen einen alten Tiroler Stadl.

Die Frage lautete schlicht: „Wo ist das James-Bond-Haus?“ Die Filmcrew hat vor den Dreharbeiten zum nächsten 007-Abenteuer mit dem Titel „Spectre“ in Obertilliach in Osttirol zwar viele Spuren gelegt. Große Zelte dienen als Lagerhallen, Container als Büros, zwei Hubschrauberlandeplätze sind angelegt. Aber das monatelange Schweigegelübde zeigt in dem700-Seelen-Dorf immer noch Wirkung. Weitere Drehorte in Österreich sind Sölden und Altaussee.

„Die geheimdienstliche Diskretion schwebt über allem“, schmunzelt der 67-jährige Josef Lugger aus Obertilliach. Der Bauer, Wirt, Seilbahner und Musikant gehörte zu den fünf Leuten, die im März vom Interesse der 007-Produzenten aus England erfuhren. Obertilliach als Kulisse für wesentliche Szenen in einem globalen Blockbuster?

Dreharbeiten auf der Ski-Piste

„So eine Chance lässt man sich nicht entgehen“, sagt Bürgermeister Matthias Scherer (44). Der ÖVP-Politiker und das Mini-Komitee sondierten die Stimmung im Dorf. Denn der PR-Coup bedeutet in der etwa dreiwöchigen heißen Drehphase ab Mitte Januar auch Einschränkungen für Bewohner und Urlauber. Einige Tage ist unter anderem die Ski-Piste wegen des Top-Agenten gesperrt.

Doch die Vorteile scheinen alle überzeugt zu haben. „In der Region bleiben ungefähr vier Millionen Euro“, sagt Scherer über das unerwartete Konjunkturprogramm. Handwerker und Bauern freuen sich über Zusatzaufträge und über zum Dreh verpachtete Grundstücke, die Hoteliers über eine hier 350 Mann starke Crew, die essen und schlafen will. Insgesamt seien in Österreich vom großen Filmteam - insgesamt 500 Leute - 30 000 Übernachtungen gebucht, sagt der Chef der Filmförder-Agentur Location Austria, Arie Bohrer.

Die Zimmerleute aus Obertilliach und Region haben ganze Arbeit geleistet. Schon im August haben sie auf einer Wiese am Rande des Dorfes mit dem Bau eines auf alt getrimmten Tiroler Stadls und mehrerer kleiner Heuhütten begonnen. Der Stadl, dessen Holz von einem alten Bauernhof in der Steiermark stammt, gilt als „James-Bond-Haus“.

„Hier wird es eine Verfolgungsjagd geben“, erzählt Nachbar Emil Figl. Von der nahen Skipiste aus werde Bond wohl vor seinen Verfolgern in die Hütte fliehen, meint der 76-Jährige. In den engen Gassen des Dorfes werde das Katz-und-Maus-Spiel weitergehen.

Kommt der Bösewicht Christoph Waltz in seine Heimat?

Doch alles rund um die Handlung soll top secret sein. An - angeblich schon wieder veraltete - Details sind zum Leidwesen der Produzenten einige Hacker herangekommen. Superstar Craig wird wohl für vier, fünf Tage zum Dreh in Osttirol sein. Schlafen wird der 46-Jährige woanders, heißt es. Der Österreicher Christoph Waltz (58), Bösewicht im neuen Bond, wird bei den Dreharbeiten in seiner Heimat gar nicht auftauchen, verriet er der „KronenZeitung“.

Dass sich die Location-Scouts aus England für Obertilliach entschieden haben, ist für die Offiziellen gar nicht so überraschend. Der Ort sei schon öfter Kulisse für TV und Film gewesen, meint Scherer.

„Wir sind ein sehr seltenes Landschafts-Möbel“, erklärt Lugger. Der Ort sei als altes Wehrdorf noch ganz kompakt, habe viele alte Holzhäuser, kaum eine Bausünde geschweige denn einen Hotelturm. Obendrein hatte der vergangene Rekordwinter mit seinen insgesamt neun Metern Schnee und tagelangen Stromausfällen im Rückblick auch etwas Gutes. Die wetteranfällige Hochspannungsleitung wurde auf einer Länge von zwei Kilometern unter die Erde verlegt. Die nun hindernisfreie Schneise habe die Filmemacher gefreut. Für die geplanten Actionszenen habe das „super gepasst“, sagt Scherer.

Auch in der Tourismus-Hochburg Sölden im Ötztal reibt man sich die Hände. „Das ist wie ein Lotto-Sechser“, ist sich der Chef der Bergbahnen Sölden, Jakob Falkner, sicher. Auf dem Gletscher, der Gletscherstraße und im neuen Ice-Q-Restaurant am Gaislachkogl mit spektakulärer Sicht werde im Januar und Februar tageweise gedreht, erzählt Falkner im Sender „Sölden-TV“. Er wehrt sich gegen die Sorge, der Spaß im Skigebiet könnte für den Urlauber durch die Filmarbeiten getrübt werden. Im Ort selber mit seinen 15 000 Hotelbetten fallen vor allem die englischen Autos und die Lastwagen auf.

Ausgerechnet vor der Haustür einen legendären Bond-Gegenspielers drehen die Produzenten am dritten österreichischen Drehort in Altaussee in der Steiermark. Gleich nebenan - in Bad Aussee - wohnt Klaus Maria Brandauer, der in „Sag niemals nie“ (1984) als Maximilian Largo der Widersacher von Sean Connery war.

Am See des Ortes werden an zwei Tagen eher ruhige Momente gedreht. „Drehort ist eine Fischerhütte“, sagt Enrico Jakob von der Filmförderung des Bundeslandes. Zur Erleichterung der Anwohner und Offiziellen nehmen die 007-Macher Rücksicht auf die Natur. „Der Transport des Materials erfolgt mit Booten und Hubschraubern“, sagt Jakob. Sonst hätte eine Straße für die Sattelschlepper ausgebaut werden müssen.

James Bond im Alpendorf

James Bond im Alpendorf

Alle Orte fühlen sich schon als Sieger im Kampf um Gäste. „Bond ist als Marke unschlagbar, um sie auch touristisch zu verwerten“, meint Bohrer.

Von Matthias Röder, dpa

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