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Nicht nur für Schulklassen: Auch Familien quartieren sich gern in Jugendherbergen ein. Ein Fünftel der dortigen Betten werden von Eltern und ihren Kindern belegt. Foto: Fredrik von Erichsen

Jugendherbergen: Familien buchen ein Fünftel der Betten

Die Idee ist mehr als 100 Jahre alt, aber sie zieht noch immer: Im abgelaufenen Jahr konnten die fast 500 Jugendherbergen in Deutschland wieder mehr Übernachtungen verbuchen. Modernisierte Häuser locken auch immer mehr Familien.

Bielefeld (dpa) - Jugendherbergen werden zunehmend von Familien genutzt. Eltern und ihre Kinder buchen inzwischen jede fünfte Übernachtung in den fast 500 Häusern des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH), wie der Verband in Bielefeld mitteilte.

Zu schaffen macht den Herbergen dagegen das einstige Kerngeschäft: "Bei den Schulklassen müssen wir kämpfen", sagte DJH-Geschäftsführer Bernd Dohn. Dass es in Deutschland weniger Schüler gebe, bekomme auch das Herbergswerk deutlich zu spüren. Klassenfahrten bringen zwar nach wie vor den größten Teil der Gäste (37 Prozent). Vor 20 Jahren machte diese Zielgruppe aber noch rund die Hälfte der Herbergsklientel aus.

Den Jugendherbergen gelingt es jedoch, den Wandel auszugleichen, wie die 2015 leicht gestiegenen Übernachtungszahlen sowie ein Rekordwert bei der Zahl der Verbandsmitglieder zeigen. So wurden mehr als 10,2 Millionen Übernachtungen registriert, was im Vorjahresvergleich einem leichten Zuwachs von 1,75 Prozent entspricht.

Die positive Nachfrage sei Folge langjähriger Modernisierung: Mit erlebnispädagogischen Angeboten auf dem Land oder günstigen Seminarräumen für Jugendgruppen versuchten die Häuser ihre Angebote zu spezialisieren, ohne die eigentlichen Werte wie Begegnung und Bildung zu vernachlässigen, sagte Dohn.

Auch in der Flüchtlingsunterbringung hat sich das Jugendherbergswerk während der Wintermonate engagiert: In 80 Häusern konnten während der buchungsarmen Monate bis zu 5000 Flüchtlinge einquartiert werden. In der Notlage habe der Verband es als seine moralische Pflicht gesehen, Verantwortung zu übernehmen, betonte Dohn. Die meisten der ganz oder teilweise umgenutzten Häuser stünden ab März wieder regulär allen Gästen offen. "Wir haben gerne geholfen, aber unsere eigentliche Bestimmung werden wir nicht vernachlässigen", sagte Dohn. Nur in Einzelfällen bleiben die Notquartiere längerfristig Asylbewerbern vorbehalten.

Als besonderen Vertrauensbeweis bewertet das Jugendherbergswerk den neuen Höchststand bei den Mitgliederzahlen: Mehr als 2,4 Millionen Menschen haben einen Jugendherbergsausweis - rund 45 000 mehr als im Vorjahr. Die Mitgliedskarte ist Voraussetzung für jeden, der in einem Haus des Herbergswerks übernachten will.

Internetseite DJH

Wer im Sommer auf Reisen in einer Jugendherberge übernachten möchte, sollte sich rechtzeitig über freie Schlafplätze informieren. Anders als viele Menschen glauben, sind Jugendherbergen in der Regel keine Unterkünfte für spontane Buchungen. "Es hängt natürlich von der Destination ab, aber unsere Jugendherbergen auf den Inseln sind bereits jetzt ausgebucht", sagt Knut Dinter vom Deutschen Jugendherbergswerk (DJH). Auch wer glaubt, auf dem Land kurzfristig unterzukommen, irrt oft: "Wenn die Jugendherberge an einer viel befahrenen Radstrecke liegt, ist das schwierig." 2015 registrierte das DJH gut 10,2 Millionen Übernachtungen in seinen 487 Herbergen - ein Plus von 1,75 Prozent, teilte die Organisation am Donnerstag mit.

Zu jeder Jahreszeit sehr beliebt sind die Jugendherbergen in den Großstädten. Dinter empfiehlt, sich hier mindestens sechs bis acht Wochen vor der Anreise zu erkundigen. Anders sieht es aus, wenn während des geplanten Aufenthalts eine Messe oder ein größeres Konzert ansteht: "Dann sind wir meist schon weit im Voraus ausgebucht." Auf der Internetseite des DJH können sich Reisende über freie Plätze informieren.

Wichtig ist, dass Reisende einen DJH-Mitgliedsausweis haben, wenn sie in der Jugendherberge übernachten möchten. "Ohne den geht es nicht", betont Dinter. Für Mitglieder bis 26 Jahre kostet die Mitgliedschaft 7 Euro im Jahr, ab 27 Jahren 22,50 Euro. Familien zahlen ebenfalls 22,50 Euro. Für Schulen oder Verbände gibt es gesonderte Konditionen für eine Gruppenmitgliedschaft. Dinter weist darauf hin, dass eine Mitgliedschaft auch noch spontan vor Ort abgeschlossen werden könne.

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