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Laune der Natur: Der Kermode-Bär ist ein durch eine Genmutation weiß gefärbter Schwarzbär.

Great Bear Rainforest

Bären-Safari schwarz auf weiß

Bei einem Törn mit dem Schoner Maple Leaf vor der Küste von British Columbia begegnen Passagiere nicht nur Killerwalen und Grizzlys, sondern haben mit etwas Glück auch die Chance...

...eine ganz seltene Tierart zu beobachten: Die durch eine Genmutation weiß gefärbten Schwarzbären, auch Geisterbären genannt. Es gibt nur noch 400 davon auf der ganzen Welt.

Die Maple Leaf hat in der Nacht vor Gribbell Island geankert. Es ist neun Uhr morgens, als Marven Robinson, der Bärenführer vom Stamm der Gitga´at, an Bord des Zweimastschoners kommt. Die Passagiere, ein Dutzend unternehmungslustige Touristen, sind gerüstet für den Landgang – mit Gummistiefeln und regendichter Kleidung.

Kermode-Bär

„Mal sehen, was heute passiert“, sagt Marven. Versprechen will er nichts. Gribbell Island, eine unbewohnte Insel mit Wäldern, Bergen und Flüssen, ist groß. „Hier führt Mutter Natur Regie“, sagt Marven, „wir sind nur die Kabelträger.“ Dann stapft er los. Der schmale Pfad folgt einem träge plätschernden Flüsschen bis zu einem Beobachtungsstand. Von dort reicht der Blick über umgefallene Baumstämme und Felsbrocken flussaufwärts. „Jetzt heißt es still sein und warten“, lächelt Marven und macht es sich auf eine Bank bequem. „Die Geisterbären können jeden Augenblick auftauchen. Oder auch nicht.“

Seit einer knappen Woche steuern Kapitän Greg Shea und seine Crew die Maple Leaf durch die spektakuläre Naturkulisse zwischen Vancouver Island und Alaska. Great Bear Rainforest nennen Umweltschützer diese Küstenlinie, die aus tiefen Fjorden, schneebedeckten Bergen und unzähligen unbewohnten Inseln besteht und den Pazifik von den Coast Mountains trennt. Ein Name, der auf die letzten großen Grizzlybärbestände Nordamerikas im letzten einigermaßen intakten, gemäßigten Regenwald des Kontinents verweist.

„Wir versprechen unseren Gästen nicht, dass sie Bären sehen werden“, wiegelt Kapitän Greg unerfüllbare Hoffnungen schnell ab. Um gleich darauf hinzuzufügen, dass es ihm in all den Jahren am Steuerrad der Maple Leaf noch immer gelungen sei, Bären zu finden.

Und Wale. Fast täglich haben wir bislang auf dieser Tour Buckelwale gesichtet. Vier der sanften Riesen gaben abends im spiegelglatten Wasser der Bishop Bay eine Galavorstellung. Vor Gil Island schossen schwarzweiße Dall-Delfine pfeilschnell durch die Wogen. Orcas jagten Heringe und peitschten dabei mit ihren Schwanzflossen das Wasser, um hungrige Fischadler fernzuhalten. Wir sahen lärmende Seelöwen-Kolonien auf nassglänzenden Klippen, Bergziegen in den Felsen, Wolfsspuren im Schlick der Flussmündungen. Man versteht dann, warum der Great Bear Rainforest auch als die Serengeti Kanadas bezeichnet wird. Die täglichen Landgänge mit dem Schlauchboot waren jedes Mal Expeditionen voller Überraschungen.

Jetzt warten wir auf die weißen Riesen. In Europa als Kermode-Bären bekannt, gibt es höchstens 400 dieser durch eine Genmutation weiß gefärbten Schwarzbären. Der Great Bear Rainforest ist ihre Heimat, die meisten leben auf Princess Royal Island und Nachbarinseln wie Gribbell Island.

Die Maple-Leaf-Passagiere werden in ihrem Beobachtungsstand inzwischen ungeduldig. Schwarzbären haben sie schon beim Lachsfischen fotografiert. Wo sind die weißen Stars? „Machen sicher ein Schläfchen“, vermutet Marven. Und kaum hat er das gesagt flüstert jemand aufgeregt: „Da, der Geisterbär!“

Great Bear Rainforest

Ungefähr 70 Meter flussaufwärts hat sich der große weiße Bär aus dem grünen Dickicht gelöst. Mit wilden Tatzenschwüngen jagt er einen Lachs durch das seichte Wasser, doch der Fisch entwischt. Daraufhin erklimmt der Kermode einen umgestürzten Baumstamm und beobachtet in aller Ruhe das Wasser. Ein paar Minuten verharrt er dort, dann hechtet er mit einem gewaltigen Bauchplatscher ins Wasser und taucht Sekunden später mit einem riesigen Lachs im Maul wieder auf.

Nach seiner Mahlzeit trottet er gemütlich an den Beobachtern vorbei – so nahe, dass man selbst sein Magengrummeln vernehmen kann. Niemand spricht, niemand rührt sich. Etwas flussabwärts gesellt sich ein Schwarzbär dazu. Auf der Plattform löst sich die Anspannung. Glückliche Gesichter, gegenseitiges Schulterklopfen. Was für ein Auftritt! Bärenführer Marven strahlt. „Besser geht’s nicht!“ Den Regen, der auf die Jacken trommelt, hat niemand bemerkt.

Ole Helmhausen

Die Reise-Infos

REISEZIEL Der Great Bear Rainforest zieht sich von Vancouver Island im Süden bis hinauf nach Alaska entlang der Küste von British Columbia. Der Regenwald ist mit 32 000 Quadratkilometern fast halb so groß wie Bayern (70 000 Quadratkilometer). 16 000 Quadratkilometer davon sind ausgewiesenes Naturschutzgebiet.

ANREISE Nächster internationaler Flughafen ist Vancouver. Start und Ziel der Kreuzfahrten mit der Maple Leaf ist Bella Bella. Der kleine Küstenort ist nur zu Wasser oder aus der Luft erreichbar, nicht auf dem Landweg. Die Autofähren von BC Ferries bedienen die Inside Passage nach Alaska und verkehren im Sommer regelmäßig zwischen Port Hardy auf Vancouver Island und Prince Rupert und legen unterwegs auch in Bella Bella an. Schneller geht es mit dem Flugzeug. Vom South Terminal des Vancouver International Airport aus bedient Pacific Coastal Airlines neben anderen Küstenorten auch Bella Bella.

ADVENTURE TRIP Die gut einwöchigen Trips durch den Great Bear Rainforest finden von April bis Oktober statt und kosten rund 3000 CAD (rund 2240 Euro). Kontakt zu Maple Leaf Adventures unter Tel. 001/250-386-7245, www.mapleleafadventures.com.

Buchung von Urlaubspaketen im Great Bear Rainforest auch über Great Bear Nature Tours, Port Hardy, E-Mail: info@greatbeartours.com, Tel. 001/250-949-9496.

WEITERE INFOS Kostenfreies Informationsmaterial und weitere Auskünfte über British Columbia unter Tel. 01805/526232 (14 Cent/Min. aus dem Festnetz, bis max 42 Cent/Min aus dem Mobilfunknetz) oder via E-Mail: info@infokanada.de, im Internet: www.britishcolumbia.travel. Canadian Tourism Commission, c/o Travelmarketing Romberg, Mettmann, Tel. 02104/9524110, www.meinkanada.com.

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