Frühstück am Fluss: Die Elefanten sind im Camp überall dabei.
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Frühstück am Fluss: Die Elefanten sind im Camp überall dabei.

Kenia

Bei den Elefanten daheim

Tsavo, Amboseli und Masai Mara sind die klassischen Ziele für Safari-Touristen in Kenia. Unser Autor Stefan Sessler nahm die 800 Kilometer von Mombasa in den weit abgelegeneren Samburu Nationalpark...

...in Kauf und wurde dort herzlich aufgenommen von den Dickhäutern. Wie es sich anfühlt, inmitten einer Elefantenfamilie zu wohnen:

Ein Morgen im Elephant Bedroom

Die Safaritouristen schlafen noch.

Und dann kommt plötzlich Sam. Sam, der Elefant. Ein Mordstrumm Dickhäuter, 15 Jahre alt und Stammgast im Safari-Camp. Er geht an den Luxuszelten vorbei, in denen die Safaritouristen schlafen. Gemächlich trottet Sam durchs Camp. Als ob es sein Wohnzimmer wäre. Vielleicht ist es sein Wohnzimmer. Wer weiß. Er kommt fast jeden Tag. Gestern hat er die Sandsäcke beim Flussufer umgeschmissen, da, wo es sonst Frühstück gibt. Vorgestern hat er mitten im Camp geschlafen. Vielleicht drei Meter steht er jetzt von mir entfernt. Unfassbar. Unfassbar aufregend.

„Keine Angst“, hat der Hotel-Manager bei der Ankunft gesagt. Die Elefanten tun einem nix. Man sollte Sam auch nichts tun, dann ist man auf der sicheren Seite. Aber Menschen sind Sam im Moment sowieso ziemlich wurscht. Er beachtet die Touristen gar nicht, die hektisch die Kameras aus ihren Zelten kramen, um den Elefanten zu fotografieren, der gerade kurz nach dem Frühstück an ihnen vorbeimarschiert, als ob es das Normalste auf der Welt wäre.

„Die schlafen immer.“

Wahrscheinlich ist es das Normalste auf der Welt – hier im Norden Kenias. Hier im Elephant Bedroom, einem einzigartigen, nicht ganz billigen Safari-Camp mit zwölf Zelten mitten im 165 Kilometer großen Samburu-Nationalreservat. Man wohnt mitten unter Elefanten. Man ist im wahrsten Sinne des Wortes zu Gast bei ihnen. Man lebt in einem vogelwilden Paradies.

Man lebt auch bei den Krokodilen, den Zebras, den Löwen, den Antilopen, den Giraffen und den Warzenschweinen, die hier allerdings kein so schönes Leben haben. Die Löwen haben sie zum Fressen gern.

So schlafen die Menschen im Elephant Bedroom.

Es ist inzwischen Nachmittag. Safari-Zeit. Abenteuer-Zeit. John, der Fahrer, sagt: „Wenn man hier ist, weiß man nie, was um einen herum passiert.“ Aussteigen aus seinem Jeep – streng verboten. Lebensgefahr! John kennt das Samburu-Reservat in- und auswendig, jede kleine Holterdipolter-Matsch-Straße, die beliebtesten Schlafplätze der Löwen sowieso. Nach zwei Minuten Fahrt deutet John nach rechts: der erste Elefant. Kurz darauf die erste Gazelle. Dann eine Oryx-Antilope. Zwei Giraffen. Zebras. Alle paar Minuten, manchmal sind es nur Sekunden, taucht ein neues Tier auf. Ein Vogel Strauß. Noch ein Vogel, weiß der Himmel, welcher. Wieder eine Gazelle. Wer Tiere liebt, der wird hier in kürzester Zeit sehr, sehr glücklich.

Immer wieder fährt man an anderen Safari-Jeeps vorbei. Das Reservat ist weit davon entfernt überlaufen zu sein, aber es ist gut besucht. Einige Touristen tragen Tarnwesten. Seit Jahrzehnten ist es in Kenia verboten, Wildtiere zu schießen. Fotografieren, bis die Speicherkarte qualmt, ist natürlich erlaubt. Aber auch hierbei kann man offensichtlich seinen Jagdtrieb ausleben, völlig unblutig. Klick, klick, klick, klick, das ist der Kick.

Fressen und gefressen werden.

John, Lieblingstier Leopard, bremst plötzlich. John, das Adlerauge, hat was entdeckt. John, der Superfahrer, will uns was zeigen. Er deutet nach rechts. Pssst, ganz still sein! Eine Löwenfamilie ruht sich im Schutz der Büsche aus. John sagt: „Die schlafen immer.“ Löwen sind die größten Faultiere unter der afrikanischen Sonne, Kenias amtierende Schlafweltmeister. Vielleicht fünf Meter von der Löwin entfernt liegen zwei Junge. „Hungrig“, sagt John, „Schau auf ihren Bauch: Er ist leer.“ Schon bald wird die Mama wieder auf die Jagd gehen. Warzenschwein, nimm dich in Acht! Der Tod naht. So läuft das hier. Ganz normal. Fressen und gefressen werden.

Aber manchmal passieren auch Wunder: Vor einiger Zeit ist hier was passiert, das den Samburu Nationalpark berühmt gemacht hat: Eine Löwin hat, weiß Gott warum, in freier Wildbahn eine Oryx-Antilope adoptiert. Wochenlang sind sie Seite an Seite durch das Buschland gelaufen. Wie Mutter und Sohn. Noch heute hängt ein Bild des schrägen Paars am Eingang des Reservats. Aber die Geschichte hat kein glückliches Ende. Irgendwann hat ein anderer Löwe die Antilope gefressen.

Am nächsten Tag in aller Herrgottsfrüh – die nächste Safari. Natürlich. Deswegen sind wir hier. Der Jeep holpert über die ausgeschwemmten Wege. Es schüttelt einen gewaltig durch. „Afrikanische Massage“ sagen die Einheimischen dazu. Angenehm ist anders. Nach ein paar Minuten hat John die ersten Elefanten aufgespürt. Vielleicht zwei, drei Meter stehen sie vom Jeep entfernt. Trotzdem: kein Grund zur Sorge. Sagt John. Er hat die Tiere genau im Blick. Angst, sagt er, müsse man erst kriegen, wenn sie ihre gigantischen Ohren aufstellen, wenn die Augen größer werden und der Rüssel nach oben geht. „Dann wird’s brenzlig. Dann fühlen sich die massigen Tiere bedroht. „Sie können auf dich drauf- springen“, sagt John. Sie können das Safari-Auto attackieren. Einmal hat er das schon gesehen, war kein Spaß. Aber heute bleibt alles friedlich.

Wirklich überall tauchen jetzt Elefanten auf. Als ob sie Wandertag hätten. Dabei sind sie nur auf dem Weg zum Fluss. John fährt ein paar Mal zickzack, dann bleibt er stehen: genau vorm Fluss. Bestimmt 60 Elefanten überqueren ihn gerade. Mit dem Rüssel schubsen die Elefantenkühe ihren Nachwuchs in die richtige Richtung und treiben sie voran. Ein sagenhaftes Bild. Eines, das man nie mehr vergisst. Magische Wildnis. Irgendwann macht John kehrt und fährt zurück zum Camp. Von Weitem hört man die Elefanten. Trööt. Trööt. Trööt.

Am nächsten Tag ist Abreise. Und: Tag der Katastrophe. Hätte man mal auf den Camp-Manager gehört. Das Zelt nie, nie, nie offen lassen, hat er gesagt. Sonst kommen die Affen. Jetzt stehen sie zu sechst vorm Zelt. Und der Schlüssel liegt auch vorm Zelt. So ein Schlamassel. Und schon geschieht es: Ein Affe schnappt sich den Schlüssel und rennt auf und davon. Der Schlüssel ist weg. Die Erinnerungen an die Nächte im Schlafzimmer der Elefanten bleiben – wahrscheinlich ein Leben lang.

Stefan Sessler

Die Reise-Infos zu Kenia

REISEZIEL Kenia liegt in Höhe des Äquators an der Ostküste Afrikas. Es ist mit einer Fläche von 586 600 Quadratkilometern etwa so groß wie Frankreich. Kenia verfügt über eine ungeheuere landschaftliche Vielfalt, einschließlich den vergletscherten Gipfeln des Mount Kenya, weiten Savannen und Wüstenlandschaften sowie eine fast 500 Kilometer lange Küste mit Korallenriffs und kleinen Inseln.

ANREISE Condor fliegt im Winter immer freitags nonstop ab Frankfurt nach Nairobi und montags, donnerstags, freitags und sonntags nonstop ab Frankfurt und dienstags ab München nach Mombasa. Ab ca. 400 Euro oneway.

KLIMA Man unterscheidet in Kenia zwischen der großen Regenzeit (Ende März bis Anfang Mai) und der kleinen Regenzeit (Ende Oktober bis Anfang November). Dann kommt es immer wieder zu kurzen kräftigen Regengüssen. Im Landesinnern herrscht sommerliches Klima, wobei es in Gebieten über 1500 Meter (z.B. Nairobi) nachts bis auf 10 Grad abkühlen kann. An der Küste ist das Klima tropisch-schwül.

GESUNDHEIT Bei direkter Einreise aus Deutschland sind keinei Impfungen vorgeschrieben. Ärzte empfehlen eine Malariaprophylaxe, vor allem bei Aufenthalten an der Küste.

GELD Landeswährung ist der kenianische Schilling. Hotels und touristische Einrichtungen in den Städten und an der Küste akzeptieren Kreditkarten (vor allem Visa, aber meist auch Master Card). In abgelegenen Regionen und in vielen Safari-Camps ist keine Kartenzahlung möglich.

NATIONALPARKS Rund zehn Prozent der Staatsfläche sind als Nationalparks geschützt. Tsavo East und Tsavo West sind dabei mit einer Gesamtfläche von rund 20 000 Quadratkilometern das größte Schutzgebiet des Landes. Das Samburu-Nationalreservat, in dem auch der Elephant Bedroom liegt, ist ein 165 Quadratkilometer großes Naturschutzgebiet im Norden Kenias. Es liegt 340 Kilometer von Nairobi und 800 Kilometer von Mombasa entfernt.

WOHNEN Elephant Bedroom ist ein kleines Luxuscamp direkt am Ewaso Ng’iro Fluss. Große Elefantenherden kommen regelmäßig zum Fluss und auch im Camp werden sie gesehen.

VERANSTALTER Keniareisen sind über alle großen Veranstalter buchbar. Das Elephant Bedroom Camp kann beispielsweise über den Afrika-Spezialisten Reiseservice Africa in München gebucht werden. Tagespreis ab 227 Euro pro Person mit Vollpension im Camp, mit Pirschfahrten ab 300 Euro. Eine zehntägige Kenia-Rundreise von Nairobi über Samburu, Lake Nakuru und Masai Mara nach Nairobi mit Übernachtung u.a. im Elephant Bedroom kann inklusive Flügen, Safaris und Vollpension ab 4330 Euro gebucht werden. Infos beim Veranstalter unter Tel. 089/8119015, www.reiseservice-africa.de.

WEITERE INFOS Kenya Tourist Board, c/o Travel Marketing Rhomberg in Mettmann, Tel. 02104/832919, im Internet: www.magical-kenya.de.

Stefan Sessler

Stefan Sessler

E-Mail:stefan.sessler@merkur.de

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