Hamburg Kreuzfahrt
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Hamburgs Aufstieg zu einem der beliebtesten Kreuzfahrthäfen in Europa geht ungebremst weiter.

Kreuzfahrt: Gedrängel im Mittelmeer

Kreuzfahrten boomen in Europa, in der Karibik dagegen bleiben die Passagiere aus. Da­rum verlegen US-Reedereien ihre Schiffe in die alte Welt, wo obendrein einige Neubauten in diesem Jahr erstmals fahren werden.

Es könnte in diesem Sommer also ziemlich eng werden im Mittelmeer, wie Kreuzfahrt-Experte Peter Tönnishoff, Chefredakteur des Kreuzfahrt-Magazins „Welcome Aboard“ darlegt.

Auch die Wirtschaftskrise konnte die Lust der Europäer auf Kreuzfahrten nicht bremsen. Die Passagierzahlen steigen seit Jahren kontinuierlich, ebenso das Angebot an neuen Schiffen. Ganz anders dagegen die Situation in Nordamerika: Dort hat die schwache Konjunktur die Zahl der Kunden deutlich reduziert – mit der Folge, dass US-Reedereien ihre Schiffe ins Mittelmeer verlegen, wo noch eine große Nachfrage herrscht.

Die Reedereien Norwegian Cruise Line (NCL), Royal Caribbean und Carnival Cruise Lines (zu denen auch die deutsche Reederei AIDA gehört), haben für dieses Jahr angekündigt, rund ein Dutzend ihrer Schiffe nach Europa zu verlegen, was eine Vergrößerung der Kapazitäten um rund 20 Prozent mit sich bringt. Allein elf der 22 Liner von Royal Caribbean, der weltweiten Nummer zwei im Seereisen-Geschäft, werden in diesem Sommer in europäischen Gewässern kreuzen. 2011 können Kreuzfahrer ihre Mittelmeerreise auf Mega-Cruisern wie der Norwegian Epic (4100 Passagiere), der Carnival Magic (3690 Passagiere) oder der Liberty of the Seas (3634 Passagiere) buchen.

Die etablierten Reedereien, für die das Mittelmeer seit vielen Jahren das Hauptfahrgebiet ist, reagieren gelassen auf die amerikanische Konkurrenz. US-Kreuzfahrtschiffe machen einen großen Teil ihres Umsatzes – Branchenkenner sprechen von bis zu 65 Prozent – an Bord. Darum sind sie meist mit großen Casinos und riesigen Shopping Malls ausgestattet, um die Passagiere gar nicht erst in Versuchung kommen zu lassen, einen Landausflug zu buchen. Die neuesten Schiffe der Amerikaner sind komplett ausgestattete Ferienwelten, die übers Meer fahren. Wohin, scheint vielen Passagieren eher egal zu sein.

Kein Wunder, dass die europäischen Anbieter deshalb großen Wert da­rauf legen, in attraktiven Orten anzulegen und nicht zu viele Seetage einzuplanen. Mit Erfolg. „Dank unserer jahrelangen Präsenz im Mittelmeer bieten wir unseren Gästen wunderschöne Routen, beste Liegeplätze und ein interessantes Ausflugsprogramm an Land“, so Rost.

Jahrelange Treue und gute partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den örtlichen Hafenbehörden und Tourismusverbänden nennt auch die Reederei AIDA als Voraussetzung bei der Vergabe der begehrten Liegeplätze. Fünf Schiffe mit dem charakteristischen Kussmund werden in diesem Jahr im Mittelmeer unterwegs sein.

Das sind die Kreuzfahrt-Premieren im Jahr 2011

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Beste Liegeplätze und Liegezeiten sind extrem wichtig im Konkurrenzkampf. Denn es wird eng im Mittelmeer. Das European Cruise Council (ECC), in dem die wichtigsten europäischen Kreuzfahrt-Reedereien zusammengeschlossen sind, listet für 2009 fürs Mittelmeer 152 Schiffe – bei einem weltweiten Bestand von rund 350 Schiffen. Bei einem Anteil von 18,2 Prozent an der Gesamtzahl der Übernachtungen auf einem Kreuzfahrtschiff ist es hinter der Karibik das zweitwichtigste Zielgebiet weltweit. Barcelona (Platz 4), Civitavechia (Rom, Platz 5), Piräus (Athen, Platz 6), Venedig (Platz 8) und Palma de Mallorca (Platz 10) gehören zu den zehn Häfen mit dem weltweit größten Aufkommen an Kreuzfahrtpassagieren.

Die rapide steigenden Passagierzahlen stellen viele Häfen vor große Probleme. Das erste ist der Platz für die teilweise über 300 Meter langen Schiffe. Die Enge und die große Auslastung zwingen immer mehr Schiffe, vor dem Hafen auf Reede zu ankern, was für die Passagiere bedeutet, dass sie in schwankenden Tenderbooten an Land fahren müssen. Die steigenden Passagierzahlen und die immer größeren Schiffe sorgen überdies für immer längere Wartezeiten bei den Sicherheitschecks vor dem Einsteigen. Kreuzfahrer werden sich an lange Schlangen gewöhnen müssen. Und weil viele Menschen viel Müll produzieren, sehen sich Reedereien und Hafenbetreiber mit immer größeren Müllbergen konfrontiert.

1 x 1 - Tipps für die erste Kreuzfahrt

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Als Reaktion darauf fahren europäische Reedereien mehr kleinere Häfen an und umgehen so die Massen. MSC setzt beispielsweise die 204 Meter lange „Melody“ auch im Schwarze Meer ein, das die Kreuzfahrt-Riesen wegen der Enge und den starken Strömungen im Bosporus nicht erreichen.

Außerdem verlegen die hier ansässigen Reedereien immer seltener im Winter ihre Schiffe. Setzte bislang stets im Herbst mit den kühler werdenden Temperaturen ein wahrer Kreuzzug der Kreuzfahrer hin in wärmere Gefilde wie in die Karibik oder in den Indischen Ozean ein, so verbleiben Aida, Costa, MSC & Co. nun einfach mit einigen ihrer Schiffen im Mittelmeer.

Die Kunden werden sich über das größere Angebot freuen, denn sie können nun aus einer riesigen Auswahl an Schiffen unterschiedlicher Größen, Austattungen und Ambiente genau das für die eigenen Ansprüche passende wählen. Als eines der wichtigsten Argumente, die für eine europäische Reederei sprechen, nennt Falk-Hartwig Rost die Nähe zum Mittelmeer. „Gerade Kreuzfahrer aus Bayern schätzen, dass sie in maximal sieben Stunden unsere Schiffe in Venedig oder Genua erreichen.“

DAS MAGAZIN FÜR KREUZFAHRER

Kreuzfahrt Magazin

Die Ganzjahresausgabe 2011 des Kreuzfahrt-Magazins Welcome Aboard ist gerade erschienen und bietet auf 212 Seiten neben einem Hafen-Special mit Sightseeing-Tipps auch Fahrberichte der neuesten Kreuzfahrtschiffe, ein Exklusiv-Rückblick auf 45 Jahre Kreuzfahrt mit Douglas Ward, dem berühmtesten Schiffskritiker der Welt, sowie einem großen Fährentest.
Zeitgleich erschienen ist der gleichnamige Kalender im Großformat (42 x 46 cm), der gemeinsam mit dem Magazin 26,50 Euro kostet. Bestellung im Internet unter www.welcome-aboard.de oder unter Tel. 057 33/96 04 58. 

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