Die Le Soléal der Reederei Ponant
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Die Le Soléal der Reederei Ponant ist mit 132 Kabinen ein eher kleines Kreuzfahrtschiff der Luxusklasse, aber sehr modern im Design.

Einfach perfekt

Kreuzfahrtschiff mit Yacht-Charakter

Ihr Leben ist die High Society. Unsere Gesellschaftskolumnistin Ulrike Schmidt hat schon viele Schiffe getestet. Giganten wie die Explorer of the Seas, Klassiker wie die Queen Elizabeth II...

...Luxusliner wie die Europa 2 und schwimmende Clubs wie die Aidas waren dabei. Man kann sagen, sie ist dabei zur Expertin geworden; sie weiß, wo man bei so einem Dampfer hinschauen muss. So richtig überzeugt hat sie ein Winzling auf dem Meer. Einer, auf dem alles ganz einfach ist. Einfach perfekt.

Es ist Sommer. Es ist heiß. Es ist der Hafen von Piräus bei Athen. Und ein ­Stuart begleitet mich die Gangway hinauf zur Le Soléal, wo schon der Kapitän wartet, um jeden seiner Gäste per Handschlag und mit einem ordentlichen „Bonjour, Madame, Bienvenue!“ an Bord zu begrüßen, um dann noch auf Deutsch nachzulegen: „Willkommen an Bord – hatten Sie eine gute Anreise?“

Captain Rémi Genevaz (55) ist so französisch wie das ganze Schiff: Seefahrer aus Nizza, der in seinem Leben alles gefahren ist, was irgendwie schwimmt, vier Taifunen mit zehn Meter hohen Wellen die Stirn geboten und seinen Sohn Phileas nach ­Phileas Fogg, dem Protagonisten aus Jule Vernes Abenteuerroman „In 80 Tagen um die Welt“ getauft hat.

Die schönste Art des Reisens

Großzügige Kabinen auf dem Kreuzfahrtschiff Le Soléal.

Das alles erfährt der geneigte Gast auf Französisch, Englisch oder auch Deutsch, wenn er den Kapitän auf der Brücke besucht, was anders als bei anderen Schiffen zu fast jeder Zeit möglich ist – außer es herrscht Unwetter. Gern auch nachts, wenn der Passagier schlaflos ist und lieber vom großen Panoramafenster der nautischen Besatzung die Sternenpracht am Himmel erleben möchte, die überhaupt die beste Show an Bord sei, wie der smarte und sechssprachige Cruise-­Director Frédéric Jansen (42) behauptet. Und das, obwohl diese einwöchige Ägäis-Reise (Griechenland und türkische Riviera) die Original-Mamma-Mia-Musical-Truppe aus Paris mit an Bord hat und diese die Tage mit dem legendären Sound von ABBA unterlegen...

Ja – der Handschlag ist hier gewissermaßen Programm. Keiner der höchstens 260 Passagiere wird auf dieser Reise anonym bleiben – dafür sorgen 140 Crewmitglieder eben sehr persönlich, die von der ersten Minute an die Eigenheiten ihrer Gäste registrieren, wie die bevorzugte Art des ­Kaffees oder der Lieblingsdrink an der Bar. Auf diesem Schiff der französischen Reederei Ponant ist ziemlich alles anders als auf anderen, bekannteren Kreuzfahrtschiffen der Luxuskategorie.

Kreuzfahrtschiff der Luxusklasse

Der Stil: kultiviert, aber leger – Yacht-Charakter. Der Dresscode zum Kapitänsdinner: so elegant wie Sie selbst es wünschen. Die Lebensart: wie Gott in Frankreich. Der Ton: höflich-charmant. Und das Design des ganzen Schiffes: sehr modern und elegant. Alles in allem eine Super­yacht, die erst im Sommer 2013 in Dienst gestellt wurde und mit der Le Boréal sowie L’Austral nun zwei baugleiche Schwesterschiffe hat (nächsten Sommer kommt mit der Le Lyréal noch eines dazu).

Gesellschaftskolumnistin Ulrike Schmidt am Pool.

Jede der Großyachten hat 132 Kabinen – alle außen, alle mit Balkon, einige extra für Rollstuhlfahrer. Es ist ein ideales Schiff, das sowohl für Expeditionsreisen in arktischen Gewässer als auch für Luxus- und Ferienfahrten ins Mittelmeer taugt und das der Reederei-Geschichte Rechnung trägt: Denn vor 26 Jahren gründeten 14 junge Offiziere das Unternehmen, um ihren gemeinsamen Traum von einem neuen, innovativen Kreuzfahrtkonzept unter französischer Flagge Wirklichkeit werden zu lassen; einem, der Abenteuer und ­Luxus perfekt zusammenbringt.

Denn so ein überschaubares Schiff mit 142 Metern Länge und 18 Metern Breite kann auch an kleinen Altstadthäfen anlegen und muss sich nicht ganz weit draußen in eine Reihe mit den Riesen-Pötten stellen, die an einem Tag 2000 Passagiere und mehr ausspucken. Was nun auch wieder viel Freiraum für Überraschungen lässt.

Ja – es ist ein Ereignis, wenn die Le ­Soléal beispielsweise im Altstadthafen von Skala auf der heiligen 3000-Seelen-Insel Patmos anlegt, man selbst am Pool auf Deck 6 noch den Lunch einnimmt und von oben auf die weißen Häuser mit den bunten Fenstern und Türen blickt, auf das berühmte Kloster St. Johannes und die Hügel, wo die Offenbarung des Johannes aufgeschrieben wurde. Wer für diesen Tag keinen Ausflug zum heiligen Kloster gebucht hat (55 Euro), den berät auch eine Mitarbeiterin des örtlichen Tourismusbüros an Bord, wo und wie es zum schönsten Strand geht – mit dem Taxi für zehn Euro.

Klein, aber sehr modern: Die Le Soléal der Reederei Ponant

Wer sich auf so ein kleines Abenteuer einlässt, erlebt bisweilen Erstaunliches. Wie wir, wo wir dem Rat zum Strand Kampos gefolgt sind, und uns einen bunten Sonnenschirm samt Liege bei Nassos Cocconis gemietet haben. Einem Fischer, der munter auf Englisch los plaudert, weil er die Kreuzfahrtschiffsreisenden schon an ihrer schicken Kleidung erkennt, und auch gleich seine Paula vorstellt. Eine Gans. 15 Jahre alt. Treu wie ein Hund.

Paula geht nur dann zum Baden, wenn es auch ihr Herr tut. Und dann knabbert sie an Nassos’ Ohr ... Das darf sonst nur noch ­Nassos’ Lebensgefährtin Eva Schießl – eine waschechte Münchnerin!

Ja, Reisen bringt die Leut’ zusammen – vor allem, wenn es so entspannt geht. Kreuzfahrtdirektor Frédéric Jansen sagt: „Auf Reisen lernt man nicht nur andere, sondern auch sich selbst kennen.“ Und er meint, dass diese Erfahrung sehr reich mache ...

Cruise-Director Frédéric Jansen.

Es ist jedem selbst überlassen, was er bei seinen Landgängen in Athen, Bodrum, Fethiye, Antalya, Kas, Rhodos oder eben Patmos erleben will – das Angebot an Ausflügen zu geschichtsträchtigen Sehenswürdigkeiten ist reichlich. Und es gäbe ja auch die Möglichkeit, einfach an Bord zu bleiben und das Schiff zu genießen – es ist schließlich selbst ein Reiseziel – mit Spa, Bibliothek und seinem Bordprogramm. Grill-Lunch am Pool? Ein mehrgängiges Mittagessen im noblen Restaurant mit erlesenem Service und ausgesuchten Flaschen-Weinen inklusive? Vielleicht auch ein bisschen Wasser-Gymnastik? Ein Tag im Spa und ein Friseurbesuch mit Meerblick? Ein Vortrag oder ein Film gefällig? Oder man döst einfach im Liegestuhl vor sich hin.

Wobei – das Schwimmbecken ist eher klein und nur zum Abkühlen gedacht. Das ist der Yacht als Expeditionsschiff geschuldet. Auch das sehr kultivierte, hauptsächlich französische Publikum – neben einigen Australiern, Amerikanern, Deutschen und Österreichern, insgesamt 50 Passagieren aus aller Welt – legt keinen größeren Wert auf viel Pool – viel mehr genießt man die entspannte, lärmfreie Atmosphäre. Spielende Kinder sind in den Ruhezonen nicht erwünscht.

Eigenes Programm für Kinder 

Für maximal 22 Kinder an Bord gibt es eine eigene Betreuung und ein eigenes Programm – die Le Soléal ist kein ausgewiesenes Familienschiff. Schon zu Beginn der Reise werden die Regeln für den Nachwuchs ausgegeben: nicht schreiend durch die Gänge rennen, ins Wasser springen oder sonstwie den Erholungswert anderer Gäste beeinträchtigen! Auch an diesem Punkt ist es sehr französisch, wo Kinder daran gewöhnt sind, mehrere Gänge lang am Tisch zu sitzen und ordentlich zu essen.

Kapitän Rémi Genevaz.

Auf der Le Soléal sollen die Erwachsenen ihren Spaß haben, für den die Crew immer wieder mit Spontan-Aktionen, wie einer ­Modenschau an Deck, einem Spieleabend oder der Baignade, einem unvergesslichen Schwimmvergnügen, sorgt: Als das Schiff in einer großen Meeresbucht ankert, wird von Deck 2 aus mit Booten eine rechteckige Marina aus Seilen im Meer gezogen; dann werden Luftmatratzen, Schwimmreifen und Delfine ins Meer geworfen, um den Gästen einfach mal ihren Spaß im offenen Meer zu gönnen. Freilich – umso wachsamer ist eine ganze Mannschaft von 25 Crewmitgliedern: Vor Ort sind Arzt und Krankenschwester, Rettungsschwimmer und Bootsführer. Nur, dass nichts passiert, wenn sich die Passagiere mal wie die Kinder benehmen und in allen Sprachen lachen und gackern und paddeln ...

Das ist die Le Soléal! Echter Luxus, ohne je aufdringlich, ordinär oder einengend zu sein. Dafür sorgen Sunnyboy Frédéric und die ganze Crew, der seine Gäste ganz persönlich einfach nur glücklich machen will – mit einem festen Handschlag!

Ulrike Schmidt

Die Reise-Infos

Reiseziele Die Le Soléal und ihre baugleichen Schwesterschiffe L’Austral und Le Boréal sowie ab nächsten Sommer auch die Le Lyrial sind auf allen Kontinenten unterwegs – von Expeditionsreisen in der ­Arktis und Alaska über Südamerika, Karibik, Ozeanien und Afrika bis hin zu Ferienreisen im Mittelmeer – auf immer neuen Routen, weshalb es dieselbe Reise wie wir sie gemacht haben, nicht mehr gibt. Dafür aber andere vergleichbare Mittelmeer-Kreuzfahrten mit der brandneuen Le Lyrial.

Preise in der Regel rund 3000 Euro pro Woche und pro Person – ohne Anreise. Im August 2015 Angebotsreisen ab 2330 Euro für 7 Nächte pro Person – zum Beispiel „Montenegro und Griechenland“ oder die Themenreise „Gourmetreise Adria“. Es gibt Frühbucher-Rabatte (bis zu 30 Prozent bei einem Jahr im Voraus) oder Jubiläums-Rabatte, z. B. bei einem Hochzeitstag 200 Euro. Die Le Soléal ist 2015 zunächst in Südamerika unterwegs, dann in Nordeuropa und schließlich in Japan und Asien.

Buchung über www.ponant.com oder unter Tel. 08 00-1 80 00 59.

Extras Anreise und Landausflüge (ab 55 Euro) sind nicht im Reisepreis inbegriffen. Dafür aber die meisten Getränke zu den Mahlzeiten. Gereicht wird sehr guter Wein und Wasser – weitere Empfehlungen des Sommeliers und Raritäten aus dem Weinkeller gehen extra. Ein Bier an der Bar kostet 4,50 Euro,

Trinkgeld geht extra. Empfohlen werden zwölf Euro pro Tag und Person, die am Ende der Reise für die gesamte Crew in einem Umschlag übergeben werden sollten.

Unterhaltung Die Ponant-Schiffe sind zwar nicht groß, bieten aber trotzdem hochkarätige Unterhaltung in einem großzügigen Theater. Auf unserer Reise war es die Mamma-Mia!-Show aus Paris und eine Tanzshow der Compagnie „Paris C’Show“ sowie eine Latino-Night mit einem kubanischen Tanzpaar.

Dresscode tagsüber sportlich leger, abends sportlich elegant bis sehr elegant, aber immer zwanglos.

Ulrike Schmidt

Ulrike Schmidt

E-Mail:ulrike.schmidt@tz.de

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