Costa Kreuzfahrt
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„Slow Cruise“ - langsam übers Mittelmeer schippern.

Immer schön langsam

Slow-Cruise: Neues Konzept von Costa Kreuzfahrt

Beschaulicher und geruhsamer schippern Fans von Kreuzfahrten jetzt mit Costas Slow Cruises über das Mittelmeer. Die kleineren Schiffe steuern kleinere Häfen an.

Verschiedene mediterrane Olivenöle stehen in Reih und Glied auf dem Tisch und warten darauf, probiert zu werden. „Das gefilterte Öl ist länger haltbar“, erklärt Marco von der Universität der gastronomischen Wissenschaften im norditalienischen Pollenzo. Am Tisch ist man gespannt darauf, wie die Öle denn nun schmecken - etwa mit einem Pfeffer-Touch, nach Mandeln oder Bananen? Willkommen bei einer lockeren Degustation in der Toskana? Mitnichten. Es ist ein kulinarischer Ausflug auf einem Kreuzfahrtschiff. Und da der Kapitän Giovanni Cosini seine „Costa neoRiviera“ im Griff hat und gemächlich von Savona an der Azurküste entlang nach Toulon steuert, spürt man unter Deck auch nicht, dass dies eine Probierstunde auf See ist.

Olivenöl ist aber nicht alles. Wie Italiener Fusilli-Nudeln fertigen oder ihre beliebten Dolce, den süßen Nachtisch, zubereiten, das soll später noch auf dem Programm stehen. Und natürlich Weinproben. Aber es bietet sich nach dem appetitanregenden Öl der Oliven zunächst an, einen Aperitif auf dem Oberdeck der „Costa neoRiviera“ einzunehmen. Lassen wir den Whirlpool Wasser wirbeln, während wir bei einem Cappuccino die Chansons von Charles Aznavour hören. Oder mit einem Buch über die „Cucina Italiana“ rechtzeitig vor dem Dinner auf den Geschmack kommen.

Es scheint also doch einiges anders zu sein bei dieser Kreuzfahrt. Das Schiff ist eher klein angesichts der in die Höhe wachsenden „schwimmenden Städte“. Mit seinen „nur“ 624 Kabinen ist es der Costa-Reederei schon von der Größe her ein Inbegriff des neu interpretierten Kreuzfahrterlebnisses. Dieses „Slow Cruise“ genannte Schippern über das Mittelmeer soll „langsam“ in mehrfachem Sinne sein - und eine Nische im Kreuzfahrt-Business öffnen. Unter anderem verdeutlicht längeres Festmachen auch über Nacht in manchen Häfen, dass es eben nicht ums Tempo geht. Abgelegenere Destinationen werden angesteuert. Und auch die Gourmets sollen dank der Kooperation mit „Slow Food“, Carlo Petrinis Bewegung für bewusstes Essen und frische Zutaten, auf ihre Kosten kommen.

Entspannte Mittelmeer-Rundfahrt

Das kommt abends auch gleich auf den Prüfstand der Gaumen. Regional, typisch, saisonal muss es sein, das ist „Slow Food“-Philosophie. So begleiten den Soave Classico oder den Beaujolais kleine Tintenfische auf ligurische Art (Moscardini), eine provenzalische Bouillabaisse, das Beste vom Huhn mit südfranzösischem Tapenade-Mus und ein Dessert nach der Art von Saint-Tropez. Klar, dass die angeregte Debatte über die begonnene neuartige Kreuzfahrt danach bei einem Spaziergang an Deck fortgesetzt werden muss. Zumal manchem womöglich beim Buchen dieser Reise nicht so ganz klar war, was ihn an Bord erwartet.

Die Mittelmeer-Rundfahrt soll entspannt verlaufen, mit flexiblen Essenszeiten ohne Tischzwang, kulinarischen Ausflügen teils in kleinen Gruppen. „Authentisches Reisen weit weg von dem Rummel des Massentourismus“, verspricht die Reederei. Bei der ersten Fahrt mit gemäßigter Knotenzahl ging es zunächst nach Toulon, dann jedoch nach Barcelona, eine Metropole nicht gerade fernab der Touristenmassen, und dann weiter nach Sizilien, Malta und zur Amalfi-Küste. Für den Sommer steht eine elftägige Reise zu sechs Mittelmeer-Inseln auf dem Programm, vielleicht etwas auch für eingefleischte Fans des Island-Hoppings? Und für all jene, die schon immer sehen wollten, wie bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt. Also an Deck sein, nicht beim Shopping!

Noch steckt das neue Nischen-Programm der Reederei, die 2012 durch die Havarie der „Costa Concordia“ einen Tiefschlag einstecken musste, in mancherlei Beziehung in den Kinderschuhen. Bei der ersten „Slow Cruise“ gab es nicht wie geplant einen Landausflug in das mittelalterliche Le Castellet und zu den Weinfeldern des provenzalischen Bandol. Dafür ging es nach Saint-Tropez.

Auch das Service- und Angebotsprogramm scheint noch etwas Finetuning gebrauchen zu können, denn gerade bei dem „lockeren Konzept“ sollte nicht zum Stress werden, wie man nun das bezahlen kann, was man von der Apéro-Karte wählt. Die größte Herausforderung dürfte es aber sein, dass die Kunden doch vielleicht etwas „erzogen“ werden müssen. Im Prinzip geht es darum, das anspruchsvollere „Slow Cruise“-Konzept schmackhaft zu machen und umfassend zu kommunizieren. Damit bei dem Durchblättern der Kataloge jedem klar ist, dass diese Kreuzfahrt einer Philosophie folgt, also nicht nur Pool-Spaß, Sonnenbaden oder Shopping bringt.

Die deutschen Passagiere an Bord der 216 Meter langen „Costa neoRiviera“ betreut Christina J. Lorenz. „Wir bieten eine ruhige Animation bis hin zum Sterne-Teleskop, haben eine internationale Crew und eine ebenso bunte Gästeschar“, sagt sie. Dass Kulinarisches groß geschrieben wird an Bord, das haben die meisten bereits mitbekommen. „Dabei ist man zwanglos bei Tisch, mit legerer Kleidung.“ Das muss im Kopf haben, wer die Koffer für die Kreuzfahrt packt.

Zu den Trümpfen dieser Reise-Variation dürfte es vor allem gehören, dass die Gourmets in Barcelona abends nach dem Flanieren auf der Rambla in aller Ruhe in einem dortigen „Slow Food“-Restaurant speisen und Weine probieren können - ihr Schiff bleibt im Hafen fest vertäut bis zum nächsten Tag. Das lässt Zeit für einen Besuch des Picasso-Museums oder vor allem der fantastischen Kathedrale Sagrada familia Antoni Gaudís.

Das ist reizvoll für jene, die als Kreuzfahrer-Zielgruppe besonders im Fokus der Gesellschaft stehen: Paare. Der Kinderbereich an Bord ist ziemlich klein, was bezeichnend ist. Die Costa-Schiffe, die für dieses neue Konzept auch in Nordeuropa, rund um Afrika und im Indischen Ozean geruhsam übers Wasser gleiten, offerieren als Höhepunkt dann doch lieber „ein romantisches Candlelight-Gourmetmenü unterm freien Sternenhimmel“.

Muss da die Lust, etwas anders zu reisen, zunächst noch mehr geweckt werden? Ob der langsamere Rhythmus auf See ankommt? Kann schon sein, dass „Small is beautiful“ sich hier zu „Slow is beautiful“ gesellt.

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Von Hanns-Jochen Kaffsack, dpa

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