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Strände gibt es hier wie Sand am Meer, Palmen natürlich auch, und Zuckerrohr und Rum und Sonne satt.

Karibikinsel

Sonne satt: Was Kuba sonst noch ausmacht

Eine Karibikinsel. Nicht irgendeine, sondern die größte und westlichste der Großen Antillen (und mit 110.000 Quadratkilometern auch eine der größten Inseln der Welt überhaupt).

Strände gibt es hier wie Sand am Meer, Palmen natürlich auch, und Zuckerrohr und Rum und Sonne satt. Karibik eben. Was Kuba aber wirklich ausmacht, das sind die Menschen. Sie sind der größte Schatz des Inselstaats, in dem Reichtum nach 40 Jahren Castro-Herrschaft ein relativer Begriff ist. Begegnungen auf einer Reise durch den Westen Kubas:

DIE WAHRSAGERIN

Autorin Maria Zsolnay mit Wahrsagerin Juana.

Das Glück liegt auf der Straße Juana (71) thront an einer Ecke der barocken Plaza de la Catedral in Havanna, in wallenden weißen Gewändern, mit einem Turban auf dem Kopf und einer dicken Zigarre im Mund. Die raucht sie nie, sie dreht sie nur zwischen den Zähnen – das Mundstück ist mit Plastik umwickelt. Ich darf mich neben sie auf einen Hocker setzen. Juana schaut mir eindringlich in die Augen, lacht tief und kehlig. Dann schiebt sie mir die Karten hin: mischen und 21 Stück abzählen! Als sie sie aufdeckt, murmelt sie „Ah, bien!“ Glückliche Zeiten sieht sie am Horizont, an Geld wird es mir nicht mangeln. Sie rät mir, eine Kette am linken Fußgelenk zu tragen, als Talismann. Ach, ja, sie hätte da gerade eine, die würde gut zu mir passen... Mit Kette, zehn CUC ärmer und ein paar wunderbare Erinnerungsfotos reicher verabschiede ich mich – glücklich über einen zauberhaften Moment in Havanna.

DER TAXIFAHRER

Nestor und der rosa Chevrolet.

Alte Liebe rostet nicht Es rumpelt und rüttelt, die Griffe hängen schief, der Rost frisst sich unbarmherzig durch den rosa Lack. Trotzdem: Nestor Montero (47) liebt seinen Chevrolet, gebaut 1954 in Detroit, repariert seit Jahrzehnten in den Hinterhof-Garagen von Havanna. Nur noch die Karosserie ist amerikanisch. Das Innenleben lieferte der kommunistische Bruder: einen Wolga-Motor. Täglich, nach den Touristenfahrten durch die Stadt, bringt Nestor den Chevrolet zurück ins staatliche Taxiunternehmen. Denn sein Eigentum ist nur die Musik, die er in den neuen CD-Player einlegt. Heute war es Robbie Williams.

DER PLANTAGENBESITZER

Plantagenbesitzer Francisco.

Wo Romeo und Julia in Rauch aufgehen „Gestatten, Pancho Cuba“, stellt sich Francisco Milian Diaz (66) seinen Besuchern vor. Nur bei wirklichen Zigarren-Connaisseuren zeigt das Wirkung. Sie wissen, dass die Pflänzchen, die auf dieser sechs Hektar großen Plantage in der Provinz Pinar del Rio wachsen, zu den besten Tabakblättern der Welt werden. Zwei Tonnen erntet Diaz jährlich, damit kann man ungefähr zwei Millionen Zigarren herstellen. „Das Deckblatt, die Capa, muss so perfekt sein wie das Kleid einer Frau“, erklärt er. Aus seinen Pflänzchen werden die berühmtesten Zigarren hergestellt: Romeo y Julietta. Er selbst, sagt Diaz, rauche nur am Abend eine, nach der Dusche, zur Entspannung. Und dann am liebsten eine Cohiba.

DIE HEMINGWAY-EXPERTIN

Esperanza in Hemingways Hotelzimmer.

Der alte Mann und das Erbe Esperanza sperrt das Zimmer Nummer 511 ein wenig widerwillig auf. Ganz so, als ob sie die persönlichen Dinge von Ernest Hemingway mit niemanden teilen wollte. Esperanza wacht eifersüchtig darüber, dass Hemingways Schreibmaschine, seine handschriftlichen Notizen, seine Jagdwaffen und die Möbel unberührt bleiben. Zehn Jahre, von 1930 bis 1940, hatte der Schriftsteller im Hotel Ambos Mundos in der Altstadt Havannas gewohnt. Hier schrieb er seinen Bestseller „Wem die Stunde schlägt“ – es ist Esperanzas Lieblingsbuch. Auch die anderen Bücher von Hemingway kennt sie fast auswendig, wie sie sagt. Schließlich war Hemingway der Grund, warum sie an der Uni in Havanna Geschichte studiert hatte. „Er war ein aufregender Mann“, sagt sie und lächelt.

DER NATURBURSCHE

Wanderführer Ronaldo.

Mit Ronaldo auf Schatzsuche Sein Hut erinnert an Indiana Jones. Rolando Rodriguez durchstreift das Valle Vinales wie ein Filmheld. Allerdings sucht er nicht nach Gold. Kaffee-, Ananas- und Tabakpflanzen, Mangobäume, Bromelien und Hibiskus sind die Naturschätze, die er den Touristen zeigt. „Das Valle Vinales, ist Welterbe“, erklärt er seiner Gruppe stolz. Die meisten erwandern sich das Tal, einige schwingen sich auch für ein paar CUC die Stunde auf die Rücken der kleinen zähen Creolen-Pferde. Wer bleiben will: Ronaldo kennt natürlich auch die besten Casas particulares – Privatunterkünfte in den schmucken, bunten Häusern im Tal.

DIE FREMDENFÜHERIN

Tourguide Felicia in Havanna.

Der Platz, an dem die Träume sind Felicia spricht fließend Deutsch. Das hat sie an der Uni studiert. Warum ausgerechnet Deutsch? „Weil wir früher DDR-Fernsehen empfangen konnten, also habe ich mich für Germanistik eingeschrieben“, erzählt sie. Wenn die 48-Jährige Reisegruppen durch ihre Geburtstadt Havanna führt, erzählt sie voller Stolz. „Mein Lieblingsplatz ist die Plaza Vieja, weil hier die Gebäude inzwischen so schön renoviert sind. Hier treffe ich am Wochenende meine Freunde, die Kinder spielen Fußball und wir trinken das beste Bier der Stadt.“

DER TABAKBAUER

Tabakbauer Gerardo.

Gerardos süßes Geheimnis Gerardos Zigarren verströmen einen süßlichen Duft. „Das liegt an meinem Spezialrezept“, verrät er. „Ich besprenge die Blätter mit einem Mix aus Wasser, Honig, Guave und Rum.“ Aus vier Tabakblättern rollt Gerardo Gonzales (47) eine Zigarre – auf dem Wachstuch des alten Küchentisches. Hat er zehn Zigarren zusammen, umwickelt er sie mit einem Blatt der Königspalme zu einem Paket. „So bleibt die Feuchtigkeit erhalten“, erklärt Gerardo. „Ich drehe nur für den eigenen Verbrauch“, versichert er. „Aber wenn jemand will, ich hätte da gerade ein Paket übrig ....“

DER BARMANN

Barmann Michel Piloto.

Kubanisches Kulturgut im Glas Barmann Michel Piloto (30) weiß, wie man den besten Mojito macht: „Ich nehme einen Teelöffel Zucker, ein wenig Limone und eine Handvoll Minze, die ich im Glas zerdrücke. Mit einen Schuss Soda wird alles vermischt und mit dem dreijährigen weißen Rum aufgegossen. Eiswürfel und ein paar Tropfen Angostura – und fertig ist das kubanische Kultgetränk!“

DER STRASSENVERKÄUFER

Pedro mit der Saftpresse.

Ein Saft für die Liebe Dickflüssig läuft der Saft aus Pedros Presse in den Becher. Oben, in die weite Öffnung der Maschine, drückt er geschältes Zuckerrohr. Den Saft verkauft er im Valle Vinales für einen CUC an die Touristen. „Ein Naturprodukt, absolut gesund“, versichert er. Dann zwinkert er mit der Augen: „Und gut für die Liebe.“ Trinkt er ihn auch? „Ja klar, aber nur mit Rum!“

DER BOOTSFÜHRER

Bootsführer Osiris.

Sagenhafte Höhlenwelten Die Höhle ist rund 165 Millionen Jahre alt – doch Osiris Hernandez, der Bootsführer, entdeckt immer wieder neue Formationen an den Wänden. „Da, ein Kopf wie ein Krokodil oder hier, ein Stein wie ein Seepferdchen.“ Mit der Taschenlampe gibt er den Steinfiguren Leben, während er mit dem kleinen Motorboot über den schwarzen Höhlenfluss tuckert. Am liebsten mag er die Legende der Cueva del Indio: „Es war die Liebeshöhle eines Indianderpärchens, das sich hier nur heimlich treffen konnte, weil ihre Stämme verfeindet waren.“ Romantischer als ein Krokodilskopf ist sowas allemal.

DER KOCH 

Auf die Würze kommt es an „Unsere Spezialität?“ Josef, Koch im Restaurant La Feminina in Havannas Stadtteil Siboney, überlegt nicht lange: „Das sind Espadas Corridas, die langen, gemischten Fleischspieße vom Holzkohlegrill.“ Er reibt sie mit einer speziellen Soße ein, der Chimichurri, eine Mischung aus Zwiebeln, Pfeffer, Knoblauch, Paprika, Essig, Öl und den Kräutern, die es gerade auf dem Markt gibt. „Wie in Argentinien“, sagt Josef, „nur anders.“ Kubanisch eben.

DER HOTELIER

Hotelier Antonio Martinez Rodriguez.

Wo das Herz der Nation schlägt Sein Lieblingsplatz liegt am Ende des Gartens, auf der Terrasse über dem Malecón, dem einstigen Prachtboulevard Havannas. „Dort bin ich dem Meer ganz nahe. Es ist wunderbar, wenn an unruhigen Tagen die Gischt nach oben spritzt“, schwärmt Antonio Martinez Rodriguez. Dann schaut er die Fassade seines Hotels hoch, freut sich, dass es so gut gebucht ist. „Das Hotel Nacional ist ein Symbol für Kuba und viele Touristen kommen zu uns, weil man hier die Geschichte spüren kann.“ In den 30er-Jahren traf sich hier der harte Kern der Mafia, im Schlepptau Prominente und Glücksspieler. Die Wände zieren Fotos von Frank Sinatra, Rocky Marciano, Josephine Baker und Meyer-Lansky. „Die Mafiosi wollten eine Art Las Vegas aus der Stadt machen, doch die politische Situation des Landes war zu instabil“, erkärt Rodriguez. Heute bringen das Geld die Touristen: „Wir haben große Deviseneinnahmen. Das ist wichtig für unser Land.“

Maria Zsolnay

REISE-INFOS ZU KUBA

Kuba ist die größte Insel der Antillen.

REISEZIEL Die größte Insel der Antillen erfüllt noch immer alle Karibik-Klischees: traumhafte Strände, tropische, unberührte Landschaften, Prachtbauten aus vergangenen Zeiten, Salsaclubs und die scheinbar unverwüstlichen Straßenkreuzer der Golden Fifties. Allerdings ist Kuba seit 40 Jahren ein sozialistischer Staat, in dem nichts selbstverständlich ist. Grundnahrungsmittel gibt es für die Einheimischen auf Bezugsschein, andere Produkte, wie z.B. Toilettenartikel, müssen in der Touristenwährung CUC gekauft werden.

ANREISE Air Berlin fliegt dreimal pro Woche von München nach Varadero, Condor zweimal wöchentlich von München nach Havanna.

EINREISE Kuba-Reise brauchen eine Touristenkarte, die man rechtzeitig bei der kubanischen Auslandsvertretung in Berlin beantragt (www.botschaft-kuba.de). Pauschalreisende bekommen die Touristenkarte über ihr Reisebüro. Der Reisepass muss noch mindestens sechs Monate gültig sein.

REISEZEIT/KLIMA Kuba hat tropisches Klima (kuba.klima-wetter.de) mit einer Luftfeuchtigkeit von 80 Prozent. Die ideale Reisezeit ist zwischen November und Mai, dann ist auch die Regenzeit und die Gefahr möglicher Hurrikans vorbei, die im Herbst über die Insel ziehen.

RUNDREISE Jahn-Reisen bietet zwei Busrundreisen in den Westen Kubas mit Besuch der Tabakplantagen in der Provinz Pinar del Rio und des Valle Vinales an, Achttägig („Faszination Westkuba“) kostet sie 470 Euro pro Person, als viertägige Variante („Cuba Libre & Cohiba“) 260 Euro.

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Das rollende Museum: Kuba

Kuba: Endlich mal was Neues

REISETYP Natürlich kann man in Kuba auch nur Badeurlaub machen. Unzählige All-inklusive-Anlagen entlang der Küsten bieten jeden erdenklichen Luxus. Doch es lohnt sich auch, die unberührte Natur zu erwandern, am besten unter der Anleitung eines erfahrenen Führers, der einem auch die reiche Tier- und Pflanzenwelt erklärt.

STRANDTIPP Lohnend ist ein Bootsausflug auf die kleine, ursprüngliche Koralleninsel Cayo Levisa (Abfahrt zweimal täglich vom Hafen Palma Rubia an der Nordwestküste). Die Südseite mit dichten Mangrovenwäldern gehört Wasservögeln und Pelikanen, die Nordseite ist ein karibischer Strandtraum. Überlaufen ist die Insel nie.

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