Oldies but Goldies: Auf Kuba fahren noch viele Straßenkreuzer – mit gelber Nummer sind es Privatwagen.
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Oldies but Goldies: Auf Kuba fahren noch viele Straßenkreuzer – mit gelber Nummer sind es Privatwagen.

Kubas Oldtimer

Der Glanz vergangener Tage

Palmenstrände und Dauersonne haben andere Karibikinseln auch. Was Kuba besonders macht sind Hemingway und der Mojito, Zigarren und Oldtimer.

All das gehört zu den klassischen Klischees des sozialistischen Urlaubsparadieses. Für die betagten Straßenkreuzer könnte der Zug freilich bald abgefahren sein, nachdem die Regierung ein Verbot für den Kauf importierter Neuwagen aufgehoben hat.

Am Strand von Varadero

Das Bild ist bei Kuba-Touristen ein Muss: ein alter amerikanischer Straßenkreuzer, je länger desto lieber, je bunter desto besser, mit ganz viel Chrom und großen Kotflügel-Flügeln am Heck. Damit die berühmte Uferpromenade Malecón in Havanna entlang schaukeln, das Meer im Hintergrund, und ganz gelassen auf das warten, was der Tag noch bieten mag. Es ist eine Zeitreise in die glanzvolle Vergangenheit der Karibikinsel.

Seit Jahren gilt das sozialistische Kuba als Paradies für Oldtimer-Liebhaber. Das nostalgische Gefühl könnte sich aber bald ändern. Denn die Castro-Regierung erlaubt ihren Bürgern ab sofort den Kauf von Neuwagen. Die Reform erfreut die Bevölkerung, auch wenn nicht alle davon profitieren werden.

Jeder, der es sich leisten kann, darf nun zum stolzen Besitzer eines frisch importierten Neuwagens aufsteigen. Jahrzehntelang war dies fast unmöglich. Kurz nach der Revolution von 1959 hatte Kuba den freien Autohandel weitgehend verboten. Neuwagen wurden in der Regel vom Staat als „Prämie“ an Regierungsbeamte oder Ärzte vergeben. Eingeführt wurden vor allem sowjetische Modelle wie der inzwischen veraltete Lada oder Moskwitsch. Für den privaten Erwerb benötigte man eine Sondergenehmigung („carta de autorización“), die oft erst nach jahrelanger Wartezeit erteilt wurde. Die strikte Regelung galt auch für auf der Insel lebende Ausländer.

Nur mit Autos, die vor 1959 gebaut wurden, durfte frei gehandelt werden. So entstand eine der wohl bekanntesten Tourismus-Attraktionen Havannas: hochbetagte Fahrzeuge, die ausländische Besucher durch die Hauptstadt kutschieren oder ihren Dienst als billige öffentliche Verkehrsmittel für die einheimische Bevölkerung verrichteten.

„Es ist gut, dass nun Neuwagen auf die Insel kommen“, sagt René, ein pensionierter Volkswirt. Gerade steht er vor dem Geschäft eines staatlichen Autohändlers. „Mit dem Import der Neuwagen bringen wir uns in Einklang mit der Welt“, glaubt der 69-Jährige.

Aber nicht viele werden wirklich etwas davon haben, von den Neuwagen, die jetzt importiert werden dürfen. Das liegt am Preis: Chinesische Gebrauchtwagen von 2010 beispielsweise werden jetzt auf der Insel der Oldtimer für rund 25 000 US-Dollar (etwa 18 300 Euro) angeboten, für einen südkoreanischen Hyundai sind 37 000 Dollar fällig. Das ist praktisch unbezahlbar in einem Land, in dem der staatliche Monatslohn bei etwa 20 US-Dollar liegt. „Die Preise sind nicht erschwinglich für die Bevölkerung“, sagt deshalb auch Miguel (53), steigt in seinen alten Chevrolet von 1954, mit dem er jeden Tag Touristen durch Havanna kutschiert. Er und die anderen Oldtimer-Besitzer werden wohl zwangsweise dafür sorgen, dass der kubanische Mythos auf vier Rädern mit chromblitzenden Leisten noch eine Weile fährt.

Isaac Risco

Die Reise-Infos zu Kuba

OLDTIMER-TAXIS findet man in Havanna am einfachsten auf Parkplätzen und den Mittelstreifen an der Straße Paseo de Marti (genannt Prado), zwischen Parque Central und dem Capitolio. In Santiago de Cuba warten am Parque Céspedes Oldtimertaxis auf Fahrgäste. Die Hin- und Rückfahrt zum nächstgelegenen Strand, der Playa Siboney, kostet zusammen rund 20 Pesos Convertibles (CUC), umgerechnet rund 15 Euro.

REISEFÜHRER Dem Autofahren in Kuba hat Wolfgang Ziegler in seinem gerade erschienenen, komplett überarbeiteten Reiseführer ein Kapitel gewidmet: Infos für Selbstfahrer, die schönsten Routen über die Insel und Tipps, wie man sich sicher im Straßenverkehr bewegt. Michael Müller Verlag, 792 Seiten, 26,90 Euro, ISBN 978-3-89953-826-7.

OLDTIMER-REISEN im Auto mit Chauffeur können zum Beispiel über Meier’s Weltreisen gebucht werden. Sie kosten ab 2149 Euro mit Flug und vorgebuchten Unterkünften mit Menüplan. Im Reisebüro oder unter www.meiers-weltreisen.de.

TIPP Touristeninformationen raten, nicht mehr als 10 CUC pro Stunde für eine Fahrt im Oldtimer-Taxi zu bezahlen. Meist liegt der Grundpreis bei 1 CUC für zwei Kilometer, jeder weitere Kilometer kostet 0,65 bis 0,85 CUC. Sammeltaxis sind günstiger, dürfen Touristen aber in der Regel nicht mitnehmen.

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