Leogang
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Ein Dorf für Genießer: Bis Ende Oktober kann man beim Herbst-Schnuraln den Altweibersommer im 3000-Seelen-Dorf Leogang genießen.

Geschmackssache

Kulinarische Herbsttage in Leogang

„Schnuraln“ heißt aus dem Pinzgauer Dialekt übersetzt: Neugierig sein, kosten und probieren. Unter diesem Motto haben sich im 3000-Seelen-Dorf Leogang Hotels und Gaststätten zusammengetan...

...und bieten ein Herbst­programm, das im wahrsten Sinne des Wortes reine Geschmackssache ist. Autorin Johanna Stöckl hat’s getestet.

Vor der Abergalm steht die Schüssel mit der Kaspressknödelsuppe.

Ich liebe Kaspressknödel. Wann immer sie auf der Speisekarte stehen, ob nun in Suppe oder mit Salat serviert, im Gasthaus oder auf der Hütte, schlage ich zu. Selbst gemacht habe ich sie noch nie. Aufmerksam verfolge ich daher Günters Worte, seine geschickten Hände und melde mich freiwillig als seine Küchenhilfe. Beim Kochkurs auf der Abergalm geht es zwanglos zu. Die männlichen Teilnehmer stehen anfangs noch etwas zurückhaltend vor der urigen, 150 Jahre alten Hütte, genießen den Blick auf die Leoganger Steinberge und einen ersten Schluck Bier. Drinnen in der alten Kuchl schneiden wir Frauen eifrig Zwiebeln, Brot und Pinzgauer Käse in kleine Würfel. Aber als dann die gekochten Kartoffeln gepresst werden müssen, werden die Männer zu Hilfe gerufen. Draußen vor der Hütte wird inzwischen ein langer Holztisch eingedeckt, an dem wir später unsere selbst gekochten Spezialitäten genießen. Küchenchef Günter Gschier mag das: „Der Kochkurs hier oben ist meine Flucht aus dem Alltag.“ Unten im Tal arbeitet Gschier, der Küchenchef im Salzburger Hof ist, in einer Hightech-Küche. Hier oben tut’s ein uralter Holzofen. Günters Chef ist auch da. Anton Hörl, Inhaber des Salzburger Hofs, zu dem die lauschige Alm gehört, führt uns später durch die Hütte und verrät, dass man hier oben auch übernachten kann.

Die Ritter der Tafelrunde

René Pichler (re.) und Andreas Herbst laden zum kulinarischen Abend in die alte Schmiede.

Tags darauf bin ich bei der sogenannten Tafelrunde dabei. Dafür verwandelt sich eine fast 500 Jahre alte Schmiede im Leoganger Ortsteil Hütten in ein Sternerestaurant. Weiß eingedeckte Tische inmitten von Werkstattflair lassen erahnen: Dieser Abend wird besonders. Offenes Feuer brennt im Hintergrund. Draußen auf dem Vorplatz wird der Aperitif gereicht. Dazu gibt es selbst gebackenes Bauernbrot und delikate Aufstriche. Erstes Kennenlernen der Gäste – die Vorfreude auf den Abend verbindet. Verantwortlich für dieses außergewöhnliche Erlebnis zeichnen ­René Pichler, Wirt des Gasthofs Hütt, und Andreas Herbst von der Riederalm. Die beiden Küchenprofis kredenzen ein sechsgängiges Menü der Extraklasse. Zart wie Butter der Hirschrücken auf Birne-Wacholder-Schaum. Zum Niederknien das geselchte Rindfleisch mit Steinpilzfarferl. Die Forelle wird auf einem Apfel-Lavendel-Rotkrautsud serviert. Als Dessert gibt’s einen Preißelbeer-Schmarrn auf Buttermilchrauch mit Rossminze. Zu jedem Gang serviert Renés Frau Anja den richtigen Wein. Die Küchenchefs erklären, wo die regionalen Produkte genau herkommen und geben gerne die Rezepte preis. „Die Tafelrunde ist auch für uns Köche ein Highlight“, sagt Andreas Herbst. Die Veranstaltung kommt übrigens nicht nur bei Touristen, sondern auch Einheimischen sehr gut an.

Kulinarische Bauernhof-Kutschfahrt

Zieferbauer Rupert Perwein empfängt Gäste auf der Loigam Roas mit selbstgebackenem Brot.

Auf der Loigam Roas finde ich mich in einer Pferdekutsche wieder. Am richtigen Fleck fühle ich mich anfangs nicht. Ein bisserl zu alt für meine Generation, denke ich mir. Aber bald erkenne ich den Vorteil des moderaten Tempos: Man ist schneller als zu Fuß, aber langsam genug, um die schöne Herbstlandschaft wahrzunehmen. Unser Ziel: drei traditionelle Bauernhöfe. Auf der Sinnlehenalm weiht uns Biobauer Hans Scheiber in die Geheimnisse der Käseproduktion ein und zeigt uns sein Allerheiligstes: den Käsekeller. Auf der Terrasse vor der Hütte verkosten wir, was er dort lagert. Beim Zieferbauern empfängt uns Familie Perwein im Feiertagsgewand. Maria im feschen Dirndl, Rupert in Lederhose: „Griaß enk! Schee, dass ihr da seid’s.“ Der Familienbetrieb ist bekannt für seinen Ab-Hof-Verkauf. Eier, selbst gebackenes Bauernbrot und Fruchtjoghurt aus eigener Produktion können hier erworben werden. Nach einer Hof- und Stallführung probieren wir die Köstlichkeiten im Garten, ehe es zum letzten Programmpunkt dieser Reise geht: in die Schnapsbrennerei. Erna und Leonhard Tribuser erläutern den langen Prozess von der Obsternte bis zur Abfüllung der Destillate und servieren Kostproben ihrer preisgekrönten Edelbrände und Liköre. Ein paar Schnäpse später freue ich mich richtig, dass die Kutsche vor der Tür steht und uns nach Hause bringt.

Was unterm Strich rauskommt

Fazit nach drei Tagen in Leogang: Herbst-Schnuraln macht Spaß und ist kommunikativ. Man spürt, dass die Dorfbewohner selbst und nicht irgendwelche Marketingstrategen das Programm entwickelt haben. Erstaunlich auch, wie gut Hotelbetriebe und Gaststätten, die ja streng genommen Konkurrenten sind, kooperieren. Jeder zeigt sein Bestes. In der Summe ist das Spitze.

Johanna Stöckl

Die Reise-Infos zu Leogang

ANREISE Ab München auf der A 8 Richtung Salzburg, Inntalautobahn bis Abfahrt Kufstein Süd und weiter Richtung St. Johann, Fieberbrunn, Hochfilzen, Leogang. Insgesamt ca. 150 Kilometer.

TERMIN Bis Ende Oktober kann man beim Herbst-Schnuraln den Altweibersommer im 3000-Seelen-Dorf Leogang genießen.

WOHNEN Teilnehmende Hotelbetriebe sind:

Gasthof Hüttwirt Tel. 00 43/65 83/82 27 www.huettwirt.com.

Hotel Riederalm Tel. 00 43/65 83/73 42 www.riederalm.com.

Landhotel Rupertus Tel. 00 43/65 83/84 66 www.rupertus.at.

Holzhotel Forsthofalm Tel. 00 43/65 83/85 45www.forsthofalm.com,

Salzburger Hof Tel. 00 43/65 83/731 00 www.salzburgerhof.eu.

Hotel Bacher, Tel. 00 43/65 83/ 85 56, www.hotelbacher.at.

Hotel Forsthofgut Tel 00 43/65 83/85 61 www.forsthofgut.at.

PREISE Ü/F ab 35 Euro p.P. Bei der Reservierung unbedingt nach Herbst-Schnuraln- Pauschalen (für drei oder sieben Tage möglich) fragen.

PROGRAMMPUNKTE

  • TAFELRUNDE Sechs-Gänge-Menü in der Hüttschmiede mit Weinbegleitung: 115 Euro.
  • KOCHKURS auf der Abergalm: 30 Euro.
  • LOIGAM ROAS, Kutschfahrt mit Programm: 45 Euro.
  • BERGWERKSWANDERUNG im Schwarzleotal: 30 Euro.
  • MENÜWANDERUNG in sechs Gängen: 75 Euro.
  • KINDERSCHNURALN im Sinne-Erlebnispark am Asitz: kostenlos.
  • GEFÜHRTE WANDERUNGEN auf die Seealm, Riedlalm und Sinnlehenalm: kostenlos.

WEITERE INFOS Saalfelden-Leogang Touristik, Tel. 00 43/65 82/706 60, www.saalfelden-leogang.com oder www.herbst-schnuraln.at.

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