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Schwimmender Gourmettempel mit Kussmund am Bug: Die Aidaluna in der Karibik.

Mehr Genuss auf dem Meer

Kulinarische Kreuzfahrt in der Karibik

„Der Mensch ist, was er isst“, diagnostizierte der Philosoph Ludwig Feuerbach. Auf Kreuzfahrten isst der Passagier nach weit verbreitetem Vorurteil besonders viel.

Auf einer kulinarischen Seereise mit Sommelier und Sternekoch, wie sie auf der Aidaluna in der Karibik angeboten wird, isst er auf alle Fälle besonders gut. Autorin Claudia Muschiol schaute hinter die Kulissen des schwimmenden Goumet-Tempels.

Rosmarin ist aus. Ausgerechnet heute. Ausgerechnet heute kocht auf der Aidaluna Zwei-Sterne-Koch Martin Herrmann. Sein Menü liest sich genauso gut, wie es später schmecken wird:

Gäste im Bella Vista Restaurant

Hummer mit Estragoncrème und Grapefruit – Marktfrischer Wahoo mit Fenchel-Korianderfondue und nage au vin jaune – Jakobsmuschel, geschmortes Kalbsbäckchen und Trüffel – Rinderlende mit Bohnencassolette, Olivenöl und Pommes Boulangère – Manchego mit getrockneten Tomaten – Champagner-Eispraline mit Ananas und rotem Pfeffer.

Ein Gedicht in sechs Gängen. Aber dafür braucht er nun mal auch Rosmarin. Und Rosmarin ist aus. Günther Kroack, der Küchenchef der gesamten Aida-Flotte, muss deshalb in Curaçao von Bord. Auf den schwimmenden Märkten und in der Markthalle versucht er, das Unmögliche möglich zu machen und mitten in der Karibik frisches Mittelmeerkraut aufzutreiben.

Erster Versuch: Fehlanzeige: Die Händler, die von Venezuela herüberkommen und direkt von ihren Booten verkaufen, haben im Prinzip alles, was die Karibik an Obst und Gemüse hergibt. Alles, aber keinen Rosmarin.

Sternekoch Martin Herrmann, Einkauf auf dem Markt in Curaçao.

Der Rundgang in der Markthalle beginnt auch nicht vielversprechend. „Früher“, sagt Kroack, „gab es hier fast nur frische Lebensmittel.“ Heute gibt’s vor allem Karibik-Kitsch für Touristen. Allein heute haben auf Curaçao drei Kreuzfahrtschiffe angelegt. Und wer nicht baden, segeln oder schnorcheln geht, dreht gern eine Runde über die Märkte oder durch das bunte Städtchen Willemstad. Shoppen. Und das zollfrei.

Aber zurück zum Rosmarin: Zwischen bunten Ketten und bemalten Kindergitarren wird Kroack dann doch noch fündig. Rosmarin! Der sich aber sogleich als Enttäuschung entpuppt. Viel zu trocken, von frisch kann keine Rede sein. Martin Herrmann muss dann eben ohne auskommen – oder den getrockneten nehmen. Aber es ist ja nicht nur der Rosmarin ...

Sternekoch Martin Herrmann

„Das Kochen auf so einem Schiff ist eine echte Herausforderung“, sagt Herrmann, sonst Küchenchef im Hotel Dollenberg im Schwarzwald. „Man kennt die Küche nicht, das Team nicht und dann fehlen auch noch Zutaten.“ Dem Menü haben es die Gäste, die die kulinarische Reise in der Karibik gebucht haben, nicht angemerkt. Karibisch inspiriert sind seine Kreationen aber nur minimal. Ein bisschen Ananas und der Wahoo, ein karibischer Raubfisch, sind typisch für die Gegend. Der Rest ist fantastisch, aber nicht karibisch.

Auch sonst ist kulinarisch von Karibikflair auf dem Kreuzfahrtschiff nicht viel zu spüren. Das hat einen einfachen Grund: „Ich kann den Leuten ja nicht jeden Tag Hühnchen mit Bohnen vorsetzen“, sagt Günther Kroack. Hühnchen und Bohnen sind aber das Hauptnahrungsmittel in der Karibik, und Kroack ist der Oberverantwortliche für das, was auf den Aidaschiffen rund um die Welt serviert wird – der Meister des guten Geschmacks.

Sommelier Gunnar Tietz

Und das ist – um es vorwegzunehmen – auf allen Schiffen das gleiche: Egal, ob man in der Karibik kreuzt, durchs Mittelmeer oder in Asien. Die Speisepläne wurden schon Monate vorher entwickelt. Dabei setzt Kroack gerne auf Klassiker. Schnitzel, Schweinebraten und Schwarzwälder Kirschtorte gehen immer. Auch bei 30 Grad sind das die Renner. „Das hat die Erfahrung gezeigt.“

Die zeigt auch: Das Essen gehört zu den wichtigsten Komponenten einer Kreuzfahrt. Das haben die Gästebefragungen ergeben. Kroack: „Wenn wir die Leute fragen, was sie sich von einer Kreuzfahrt erwarten, dann heißt es immer: Erholung, schönes Wetter und gutes Essen.“ Dass zumindest bei Letzterem keine Klagen kommen, dafür sind Kroack und seine Teams auf allen Aida-Schiffen rund um den Globus zuständig. Doch vor dem Essen steht eine ausgefeilte Logistik.

Ein Überblick: Auf der zweiwöchigen Karibikkreuzfahrt verspeisen die 2190 Passagiere an Bord rund 16,3 Tonnen Fleisch und Wurst, 10,9 Tonnen Fisch, Schalen- und Krustentiere, (94 verschiedene Sorten), davon allein 850 Hummer, 24,2 Tonnen Gemüse und Kartoffeln (5,5 Tonnen), 97 120 Kugeln Eis, 58 000 Eier. Dazu trinken sie allein an den Buffets 7650 Liter Rotwein, 6300 Weißwein, und 5020 Liter Bier.

Patissiers bei der Arbeit

Alle zwei Wochen machen sich etwa 15 Container von Hamburg auf den Weg in die jeweiligen Starthäfen der Aida-Schiffe. Mit ihnen kommen die seltsamsten Sachen an Bord: zum Beispiel Schmalz und Brezen für die mitternächtliche Alpenglühenparty, frische Kräuter für die Gourmetrestaurants (Rosmarin!) oder die beliebte Kalbsleberwurst im Golddarm fürs Frühstücksbuffet. Die Top Ten der Ladung sind: Eier, Milch, Wein, Bier, Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch, Mehl – und Toilettenpapier. Ananas, Melonen, Mango und Paprika sind das einzige, was bei der Karibikkreuzfahrt auch aus der Karibik kommt. In der Dominikanischen Republik werden die Früchte extra für Aida angebaut und kommen praktisch direkt vom Feld aufs Buffet.

Um die Buffets in den vier SB-Restaurants auf dem Schiff mit den Speisen zu bestücken, sind 130 Küchenkräfte rund um die Uhr im Einsatz. Gekocht – und gegessen – wird auf einem Kreuzfahrtschiff so gut wie immer. Abends, wenn die letzten Teller in der Spülmaschine gelandet sind, arbeiten die ersten schon an den Vorbereitungen fürs Frühstück. Die ganze Nacht. „Wir machen so gut wie alles frisch“, sagt Günther Kroack. Soßen, Suppen, Dressings, Brote, Kuchen, Torten. Nichts ist Convenience (außer Pommes und Knödel), alles wird frisch zubereitet. 120 verschiedene Mahlzeiten und 200 Torten warten täglich auf die Schlacht am kalten Buffet.

Günther Kroack, Küchenchef der Aida-Flotte im Bauch der Aidaluna. 16 Tonnen Fleisch, 10 Tonnen Fisch und 24 Tonnen Gemüse werden auf einer 14-tägigen Karibik-Kreuzfahrt verspeist. Das meiste kommt per Container aus Hamburg. Nur Ananas, Melonen, Mango und Paprika werden eigens für Aida in der Dominikanischen Republik angebaut.

Es gibt an Bord auch À-la-carte-Restaurants (Sushi-Bar und Buffalo-Steak-House) und das Restaurant Rossini. Die Steigerung an Gaumenfreuden ist die Gourmet-Reise, die zu ausgewählten Terminen auf ausgewählten Routen angeboten wird. Neben dem Sternekoch an Bord: Gunnar Tietz, Gault-Millau-Sommelier des Jahres 2011. Der serviert zu Hermanns Menü die wohlschmeckendsten Weine und vermittelt Wein-Laien gewisse Grundkenntnisse mit einem Augenzwinkern. Das geht beim Probieren los. Man lernt, den Wein erst anzupusten, dann zu riechen und dann einen kräftigen Probeschluck zu nehmen. „Gerade Frauen neigen dazu, nur zu nippen, das ist falsch.“ Weil man nur nippend den Wein nicht richtig schmecken kann.

Und geschmeckt hat’s dann. Der Wein und das Essen ohne Rosmarin. Tietze und Herrmann, die sich in der Karibik das erste Mal begegnet sind, haben sich so gut verstanden, dass sie möglichst bald wieder gemeinsam auf Genuss-Reise gehen wollen. Vielleicht in Asien. Seine Kräuter kann Herrmann dann ja sicherheitshalber ins Handgepäck packen.

DIE REISE-INFOS ZUR GOURMETREISE IN DER KARIBIK

Das exklusive Aida-Kochbuch

DAS SCHIFF Die Aidaluna wurde 2009 als sechstes Schiff der Aida-Flotte in Dienst gestellt. Das Schiff hat insgesamt 1025 Kabinen, davon 439 mit Balkon und 18 Suiten. Mittlerweile fahren für die Rostocker Reederei acht Schiffe über die Weltmeere, zwei weitere sollen 2015 und 2016 folgen. Die nächste Gourmet­reise von Aida in der Karibik, diesmal mit Sternekoch Peter Knogl an Bord, findet vom 23. Februar bis 9. März 2014 auf der Aidaluna statt.

DIE ROUTE Auch ohne das Gourmetspezialthema (Packages siehe unten) ist die Aidaluna von November 2013 bis März 2014 in der Karibik unterwegs. Die Route führt von der Dominikanischen Republik nach Aruba, Curaçao, Bonaire, Isla Margarita, Grenada, Barbados, St. Lucia, Dominica, Guadeloupe und Antigua zurück in die Dominikanische Republik. Die Karibikreise kann auch auf Barbados gestartet und beendet werden.

DIE EXPERTEN Auf der nächsten Gourmetreise ist Peter Knogl, Küchenchef des Restaurants „Cheval Blanc“ im Grand Hotel Les Trois Rois in Basel mit dabei. Er wurde zum fünften Mal hintereinander vom Guide Michelin mit zwei Sternen ausgezeichnet. 2011 wurde er zum Gault Millau Koch des Jahres ernannt. Gunnar Tietz ist Chefsommelier im First Floor im Hotel Palace in Berlin. Er wird u.a. den Rumworkshop und Weinseminare an Bord durchführen sowie die Weinbegleitungen zu den Menüs moderieren.

REISEPREIS Die 14-tägige Karibikreise auf der Aidaluna kostet in der Innenkabine pro Person zwischen 2235 Euro und 2795 inkl. Flug, in der Außenkabine mit Balkon zwischen 3055 und 3820 Euro pro Person. 14 Tage Karibik als Gourmetreise vom 23. 2. bis 9.3. inklusive An- und Abreisepaket mit Rail-and-Fly-Ticket: ab 2375 Euro pro Person in der Innenkabine, ab 3295 Euro pro Person in der Balkonkabine zuzüglich Gourmetpakete.

GOURMETPAKETE Das kleine Gourmetpaket auf der Aidaluna kostet 99 Euro pro Person. Es beinhaltet die Kochschule mit Sternekoch Peter Knogl, ein Aida-Kochbuch (das im freien Handel nicht erhältlich ist) als Erinnerung an die Gourmet-Reise und ein Sechs-Gänge-Menü im Rossini mit begleitenden Weinen.

Das Gourmetpaket komplett kostet 299 Euro pro Person und beinhaltet die Kochschule mit Peter Knogl, das Aida-Kochbuch, den Empfang am Anreisetag mit handgemachten Pralinen in den kabinen, einen Rum-Workshop mit Gunnar Tietz, beim Ablegen der ­Aidaluna ein Sail-Away-Treffen mit Cocktails zum Sonnenuntergang, ein Acht-Gänge-Menü von Peter Knogl im Gourmet-Restaurant Rossini mit begleitenden Weinen von Gunnar Tietz und vor dem Anlegen auf Grenada ein Gourmet-Frühstück im Rossini und anschließend den Besuch der Muskatnuss-Fabrik,

INFO/BUCHUNG Die Reise ist seit 16. Mai buchbar unter www.aida.de, das Genusspaket unter www.aida.de/kulinarisches oder telefonisch unter 03 81/20 27 07 07.

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