Kuscheltiere
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Zwei Kuscheltiere trinken gemeinsam Tee.

Geschäftsidee aus Japan

Kurios: Kuscheltiere allein auf Reisen

Tokio - Völlig gaga oder genial? Eine verrückte Geschäftsidee erlaubt es Japanern, ihre Kuscheltiere auf Reisen zu schicken. Den Trip des Stofftiers können sie online live mitverfolgen.

Wie ganz normale Urlauber schießen sie Erinnerungsfotos, besichtigen Sehenswürdigkeiten und stöhnen über das Gedränge in Tokio. Doch die Kunden der japanischen Reiseveranstalterin Sonoe Azuma sind keine normalen Urlauber - es sind Stofftiere. Seit drei Jahren organisiert die 39-Jährige Pauschalreisen für Kuscheltiere, Schnappschüsse von der Reise und Live-Blog inklusive.

Ein Tagestrip zu den Sehenswürdigkeiten der japanischen Hauptstadt ist bei Unagi Travel (Aal-Reisen) schon für umgerechnet knapp 33 Euro zu haben. Eine Tour zu den Tempeln und Shinto-Schreinen der alten Kaiserstadt Kyoto gibt es für knapp 70 Euro, einen Badeurlaub an heißen Quellen für rund 40 Euro.

"Manche Kunden buchen die Touren einfach aus Spaß, aber es gibt auch Leute, die Stofftiere als ihre Stellvertreter schicken wollen, wenn sie selbst nicht reisen können, weil sie im Krankenhaus, behindert oder zu beschäftigt sind", sagt Azuma. "Eine Kundin bat mich, mit ihrem Stoffkameraden Treppen hochzusteigen und durch enge Straßen zu gehen, in die sie mit ihrem Rollstuhl selbst nicht kommt. Eine andere Kundin wollte, dass ihr Tier viel Sonne abbekommt, weil sie wegen einer Hautkrankheit nicht nach draußen darf."

Auch der Charakter des Stofftiers wird berücksichtigt

Vor der Reise geben die Besitzer in einem Formular nicht nur den Namen des Kuscheltieres an. Auch Fragen nach Reiseübelkeit oder bestimmten Allergien können sie beantworten. Außerdem fragt Azuma nach dem Charakter des plüschigen Gesellen, nach Hobbys und der Motivation für die Reise. Per Paketpost werden Teddy und Co. von den Besitzern zum Reiseveranstalter und zurück geschickt.

Vor kurzem ging eine ganze Horde von Stofftieren auf eine Tokio-Tour - mit von der Partie waren ein Tiger aus Osaka, ein Hai aus Kanagawa, ein Hello-Kitty-Kätzchen aus Hyogo und eine kleine Ausgabe der Sesamstraßen-Figur Bibo aus Hokkaido. Nach einer Einführung am frühen Morgen brachte Reiseführerin Unasha die Tierchen zum weitläufigen Meiji-Jingu-Schrein und später zu den kaiserlichen Palastgärten. Auf einem sorgfältig drapierten Handtuch posierte die Stofftier-Gang schließlich für eines der zahlreichen Gruppenfotos.

Die 39-jährige Azuma, die zuvor im Finanzsektor arbeitete, nimmt ihren Job sehr ernst: "Wenn es nur darum ginge, Fotos von Stoffieren zu machen, könnte das ja jeder", sagt sie. "Man muss es mit der Überzeugung tun: 'Ich kümmere mich um die Kinder anderer Leute'."

Kuscheltier-Besitzer verfolgen den Trip online in Echtzeit

Über ihre Touren bloggt sie auf Facebook und Twitter (www.facebook.com/unagitravel und www.twitter.com/unagitravel). Zu jedem Urlaubsbild erfindet sie fiktive Kommentare der Reisegesellschaft. "Lecker!" steht beispielsweise unter einem Essensfoto oder "Es ist immer wichtig, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen", wenn der Plüsch-Trupp vor einem großen Gebäude steht.

Sogar winzige, zu den Reisezielen passende Kostüme hält Azuma für die Kuscheltiere bereit. Zur Übernachtung in einem traditionellen japanischen Gasthaus erscheinen sie in Kimonos. Für die Besitzer, die den Trip online verfolgen, soll es immer neue Überraschungen geben. Mit ihren Fotos erzählt Azuma sogar kleine Geschichten: Auf einer Tokio-Tour trägt ein Häschen aus der Hauptstadt einen Frosch aus der Provinz auf dem Rücken, weil der Frosch das Gedränge der Großstadt nicht gewohnt ist.

Die Kunden schätzen die persönliche Zuwendung: Azuma erzählt von einer Kundin, die schwärmte, sie habe ihren Stoffhasen noch nie so glücklich gesehen wie auf dem Foto, auf dem er mit anderen Plüschtieren im Restaurant sitze.

AFP

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