Bad Birnbach
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Trotz straffer Kurpläne geht es in Bad Birnbach immer recht gemütlich zu, für einen Ratsch ist immer Zeit.

Bad Birnbach

Der Kurschatten

Dass man sich im Gesundheitsurlaub einen Kurschatten anlacht, kann passieren. Dass die Liaison auch danach bestehen bleibt, wenn auch nur als Brieffreundschaft, kommt vor.

Dass einem der Kurschatten aber sogar medizinisch verordnet wird ist wohl einmalig auf der ganzen Welt. Im niederbayerischen Bad Birnbach ist man entsprechend stolz darauf, diese Art der Partnerschaftsvermittlung neuerdings zum Wohle des Gastes anbieten zu können.

Tom Swiontek war der erste Gast der einen Kurschatten verschrieben bekommen hat.

Gestern hat Tom Swiontek in Axstedt bei Bremen wieder Post von seinem Kurschatten aus Bad Birnbach bekommen. Frau Laschinger fragt, wie es ihm so geht und ob er auch brav seine Üungen macht. Er hat gleich zurückgeschrieben, dass es spürbare Verbesserungen gibt seit dem Aufenthalt in Niederbayern und dass er das auch seinem Orthopäden gesagt hat. Er versprach Inge Laschinger auch, dass er die Übungen täglich macht, genau so, wie sie ihm das gezeigt hat, und dass er sein Ziel von 7.000 Metern Gehen am Tag schon längst überschritten hat, sie könne sich da wirklich auf ihn verlassen. Und zum Schluss schreibt er noch, dass sich Bad Birnbach auf alle Fälle gelohnt hat, nicht nur, weil er dort Frau Laschinger kennengelernt hat, sondern auch wegen der vielen wunderbaren Rosen, der Ruhe und der Erholung. Schließlich hätte ja schon der Ausnahmekünstler Joseph Beuys gesagt: „Ohne die Rose tun wir’s nicht.“

Präventivkur gegen Gelenke- und Wirbelsäulenerkrankungen

Tom Swiontek, Geschäftsmann in den Mittfünfzigern, ist verheiratet, lange schon. Aber er muss diesen netten Briefwechsel mit seinem niederbayerischen Kurschatten seiner Frau keineswegs verheimlichen. Ganz im Gegenteil: Marion Swointek ist mit dieser Beziehung voll und ganz einverstanden, weil es ihrem Mann nur guttut. Sie hatte ihn ja selbst zu dieser Reise nach Bad Birnbach überredet und auch dorthin begleitet, um diese Präventivkur gegen Gelenke- und Wirbelsäulenerkrankungen zu machen. Wohl wissend, dass ihr Mann dort einen Kurschatten kennenlernen würde. Wohl wissend, dass der Kontakt auch nach den 14 Tagen Aufenthalt nicht abreißen würde.

Schon vor seiner Anreise nach Niederbayern hat ihn Inge Laschinger angeschrieben, und auch nach dem Ende seiner Kur hält sie Kontakt zu ihm.

Der Kurschatten, oder Coach, oder Therapielotse, wie man diese persönliche Begleitung und Betreuung des Kurgastes offiziell nennt, ist Teil der Birnbacher Therapie, die neben Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen auch bei Osteoporose und Burnout angeboten wird. Dass Inge Laschinger mit dieser sehr speziellen Aufgabe betraut wurde, lag auf der Hand. Weil Frau aschinger (57) seit 35 Jahren in der Rottal Therme von Bad Birnbach arbeitet, weil sie in dieser Zeit Tausende von Kurgästen erlebt hat – ihr Schicksal, ihre Geschichte, ihre Erfolge und ihre Niederlagen im Kampf mit der Krankheit. Und weil Frau Laschinger einfach, kurz gesagt, mit Menschen kann.

Seele des Gastes zu streicheln

„Es ist meine Aufgabe, die Seele des Gastes zu streicheln, auf ihn einzugehen, aber auch, ihn an seine Ziele zu erinnern und manchmal den Finger in die Wunde zu legen,“ umschreibt sie selbst ihren Job. Sie kontaktiert den Patienten schon vor seiner Anreise, stellt sich als sein persönlicher Therapielotse vor, erklärt, wann und wo man sich treffen werde und wie das alles so ablaufen wird, wenn er mal da ist. Ja, und wenn er dann wieder zuhause ist, nach der Kur, dann sorgt sie dafür, dass die Verbindung bestehen bleibt. Sie ist ein hartnäckiger Kurschatten.

Herr Swiontek hat ihr gerade geschrieben, dass er gerne wiederkommt nach Bad Birnbach, dass er aber erst einmal mit seiner Frau nach Paris reisen möchte. Ihre Antwort: „Ich wünsche Ihnen viele tolle Eindrücke und tolle Begegnungen. Und sollte diese Reise zu anstrengend für Sie werden, dann kennen Sie ja den Ort der Erholung – Bad Birnbach.“

Christine Hinkofer

BIRNBACHER THERAPIE

Alternativ zu den ärztlich verordneten Badekuren bietet Bad Birnbach, der ländlichste unter den Kurorten im niederbayerischen Bäderdreieck, neuerdings auch 14-tägige präventive Behandlungspläne gegen Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen, Osteoporose und Burnout an. Mit 25 bis 32 Terminen kosten sie zwischen 730 und 1.100 Euro, wobei auch gesetzliche Kassen inzwischen Teile wie etwa Unterwassergymnastik auf Rezept bezahlen. Auch die Nachbetreuung durch den so genannten Therapiecoach ist Teil der Birnbacher Therapie. Bekanntes Werbegesicht der Birnbacher Therapie ist Andi Birnbacher, der mehrfache deutsche Meister und Weltcupsieger im Biathlon, der am Chiemsee daheim ist.

INFOTAG IN MÜNCHEN

Am kommenden Freitag, 19. September, kommt Bad Birnbach nach München. Von 9.30 bis 19 Uhr stehen Viktor Gröll und Florian Kolbinger und andere Experten von der Kurverwaltung und den Kurhotels im Stachus Untergeschoß an einem Infostand für Gespräche zur Verfügung und geben unter anderem Auskunft über die neue Birnbacher Therapie. Und auch Inge Laschinger, der Kurschatten aus Bad Birnbach, wird natürlich mit von der Partie sein.

Christine Hinkofer

Christine Hinkofer

E-Mail:Christine.Hinkofer@tz.de

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