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Fasten im Allgäu: Eine Woche Früchte schlemmen und wandern.

Fastenwandern im Allgäu

Leicht ist schwer was!

Füssen - Für Körper und Seele: Unsere Autorin Dorita Plange beim Fastenwandern im Allgäu. Auf dem Speiseplan standen sieben Tage lang nur Früchte, Gemüse und Nüsse. Das Ergebnis: drei Kilo weg!

DIE REISE-INFOS

REISEZIEL Das Früchtefasten und Wandern für unterschiedliche körperliche Anforderungen bieten Viviane Mößmer und ihre Kolleginnen in Füssen, Bad Bocklet, Hindelang, Oberjoch, Oberstaufen, Bad Wörishofen sowie in Südtirol, im Engadin und auf der Ostseeinsel Usedom an sowie ab 2010 auch in Bischofsgrün (Fichtelgebirge) und Schmallenberg (Sauerland).

ANREISE Gebucht werden jeweils die Aufenthalte in den kooperierenden Hotels, die Anreise erfolgt individuell.

WELCHER REISETYP Für alle, die den inneren Schweinehund besser in der Gruppe überwinden können.

DIE KUR besteht aus einer Woche Fasten, einer Woche Früchteschlemmen, beides kombiniert mit Wandern. Neu im Programm ist die Kombination Früchtefasten und Golf. In Vorbereitung sind Manager-Kurse und Sport-Camps für junge Leute mit Zielrichtung gesunde Ernährung. Zudem wird ein Reduktionsprogramm für Teilnehmer entwickelt, die nicht völlig auf Fisch und Fleisch verzichten möchten.

WOHNEN Die Fastengruppen in Füssen sind im Wellness-Hotel Sommer untergebracht – ein privat geführtes, urgemütliches Vier-Sterne-Hotel am Ufer des Forggensees mit prachtvollem Blick auf das Alpenpanorama und Schloss Neuschwanstein. Der großzügige Spa- Bereich mit Bädern, Saunen, Beautyund Wellness-Anwendungen wurde erst kürzlich von Grund auf renoviert. Eine Besonderheit ist das Wasser des Hotels, das nach der Grander-Methode energetisiert ist. Hotelier Wolfgang Sommer schwört aufs Früchtefasten und nimmt oft an den Mahlzeiten teil. Infos unter Tel. 08362/914 70, im Internet: www.hotel- sommer.de.

PREISE Pro Woche 790 Euro pro Person, Einzelzimmer-Zuschlag: 100 Euro.

TERMINE Die nächste Früchtefastenwoche in Füssen findet vom 20. bis 27. September statt sowie vom 15. bis 22. November. Weitere Termine unter www.fastenwandern.deoder Tel. 08341/99 58 38.

Ganz ehrlich: Askese und Disziplin beim Essen sind nicht so mein Ding. Plötzlich habe ich Zweifel, ob dieses Fastenwandern, bei dem man sich ausschließlich von Früchten ernährt, das Richtige ist für mich. Und dann betrete ich den Raum, der für die nächsten sieben Tage mein Esszimmer sein wird. Der Anblick macht mich sprachlos. Ist hier das Paradies?

Vor festlich gedeckter Tafel biegt sich das Buffet unter leuchtend roten, gelben, grünen Früchten und Gemüsesorten. Viele sind mir vertraut. Andere reiften noch vor drei Tagen in der Sonne Thailands und Brasiliens. Manche – wie die süßen Longan-Früchte (Thai-Litschi) – habe ich noch nie gesehen. „Greift zu!“, ermuntert uns Fastenleiterin Viviane Mößmer (46) und gießt sonnengelben Tee aus Schlüsselblumenblüten ein.

Wir – das ist eine bunt zusammengewürfelte Truppe aus allen Teilen Deutschlands. Einig in dem Wunsch, Körper und Seele von Grund auf zu entschlacken. Eine Woche lang werden wir uns täglich in der Allgäuer Natur rund um Füssen bewegen und uns dabei ausschließlich von rohen Früchten, Gemüse und Nüssen ernähren – die weitaus lustvollere Variante des Heilfastens. Viviane Mößmer wird uns dabei begleiten – mit Optimismus, Vitalität und diesem sonnigen „Du-schaffst-das“-Lächeln, mit dem sie uns die Berge hinauf und über kleine Schwächen hinwegschieben wird. Eine Krankheit zwang die Mutter zweier erwachsener Kinder vor Jahren zu einem radikalen Umbau ihres Lebens. Und so ließ sie die Karriere in einem Unternehmen sausen und begann, sich mit Ernährung und Gesundheit zu befassen. Sie wurde Trainerin für Aerobic, Krafttraining, Aquafitness, Rückenschule und Nordic Walking. Und sie entdeckte die Kraft der Früchte und Gemüsesorten auf dem Höhepunkt natürlicher Reife.

Viviane kennt die Besonderheiten und den Nutzen jeder einzelnen Frucht, weiß viel über die heilsamen Kräfte der Natur und die fatalen Auswirkung von Stress und Sorgen. Ihr Früchtefasten-Konzept basiert auf fundierten, wissenschaftlichen Erkenntnissen. Überfressen ist übrigens ausgeschlossen. Der Köper signalisiert, wann Schluss ist.Die zweite Säule der Entschlackung ist Bewegung. Und die geht an den ersten beiden Tagen gemütlich los. Flotter Spaziergang um den idyllischen Hopfensee, auf die Burgruine, zum Faulensee.

Früchte, Nüsse und Pfefferminztee

Am dritten Tag führt uns Viviane auf den Kalvarienberg über Füssen. Ein magischer Ort. Und eine erste Herausforderung für die Ungeübten. Der Japs-Faktor steigt. Der Blick auf den grün-glitzernden Schwansee und Vivianes getrocknete Bananen entschädigen für die Strapaze. Wir umwandern den See im großen Bogen wieder heim. Ein basisches Fußbad verhindert Muskelkater. Der Körper verlangt nach Ruhe. Sonst nie vor Mitternacht im Bett, bin ich heute um 21.30 Uhr verschwunden.

Tag vier beginnt mit Schauern, Blitz und Donner. Über den historischen Füssener Friedhof führt der Weg über den Kobelsteig zwei Stunden lang bergauf-bergab zum windumtosten Zwei-Seen- Blick über Alat- und Weißensee. Im Wirtshaus am Alatsee gibt’s Pfefferminztee. Die Bedienung schaut mitleidig in unsere Früchtedosen. Am Nachbartisch bestellt jemand Holzfällersteak. Ein kleiner Moment der Schwäche. Schnell raus hier.

„Nehmt das gute Gefühl mit nach Hause“

Viviane Mößmer

Am Morgen des fünften Tages leuchten viererlei köstliche Mangos mit der Sonne um die Wette. Die Kohlehydrate werden wir heute brauchen. Denn unsere Wanderung führt durch die Pöllatschlucht hinauf zu Schloss Neuschwanstein und weiter in die Bleckenau. Unsere Früchte-Rast halten wir vor der malerisch gelegenen Fritz-Putz-Hütte (1180 Meter). Viviane blinzelt zufrieden in die Sonne, stellt sachlich fest: „Ich habe den schönsten Job der Welt.“

Tag sechs beginnt mit Thai-Rosenäpfeln (köstlich!) und Mangos. Viviane kündigt an: „Heute werdet ihr schwitzen!“ Hinter dem Grenzübergang in Reutte steigen wir über den Schmugglerpfad und die alte Römerstraße Via Claudia Augusta hinab ins Tal von Pinswang. Der Schwarzenberg erhebt sich hoch über unseren Köpfen. Ganz schön steil. Viviane lacht. Knapp zwei Stunden und viele, viele Trinkpausen später ist es geschafft. Herrlicher Blick auf die deutschösterreichische Bergkulisse und die Seen. Viviane hat eine wunderbare Überraschung im Rucksack (nein, wird nicht verraten!). Wir stärken uns mit Rosenäpfeln, Longane, Ur-Bananen – ein Fest! Wir bewundern den Grenzstein von 1785 und freuen uns auf unser abendliches Gala-Diner (wird auch nicht verraten!).

Am Morgen des siebten und letztes Tages steige ich auf die Waage. Drei Kilo sind weg, der Bauch ist flacher, die Haut rosig. Sogar das Sodbrennen ist verschwunden. Ich bin im Einklang mit mir selbst und vermisse nichts – noch nicht mal den Kaffee. „Nehmt das gute Gefühl mit nach Hause“, hat Viviane zum Abschied gesagt. Ich versuch’s und esse jetzt viel mehr Rohkost als früher. Dem Gemüsehändler gehe ich tierisch auf die Nerven mit meinen neuen Ansprüchen an Reife und Qualität. Er hat jetzt die gelben Thai- Mangos im Sortiment. Und das mit den Longan-Früchten kriegen wir vielleicht auch noch hin ...

Dorita Plange

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