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Jochen Müssig war dem Luxus auf der Spur. Die Hochzeit unter Wasser hat er aber ausgelassen.

Nur ein Urlaubsphänomen?

Die Luxus-Frage beim Reisen

Natürlich kann man für 200 Euro eine Woche Urlaub in der Türkei machen, die Rundreise noch inklusive. Man kann aber auch 61.000 Euro für eine Nacht im Hotel ausgeben.

Jochen Müssig und Co-Autorin Margit Kohl waren den finanziellen Auswüchsen im Tourismus auf der Spur. Ihr Buch „Was kostet die Welt?“ ist ein Reiseführer zum Staunen.

Herr Müssig, was kostet denn die Welt?

Die Welt kostet genau... (Blickt auf den Klappentext des Buches.) 3,5 Billarden Euro. Das ist eine unvorstellbare Summe.

Warum müsste man sich, wie es im Untertitel heißt, die Reisen aus Ihrem Buch leisten können?

Dieses Buch zeigt ganz weit gefächerte Vorlieben. Aber alle sind extrem exklusiv. Es ist fast so, als würde man sagen: „Das ist nur für mich gemacht.“ Genau das Gegenteil von Massentourismus.

Ist Luxus beim Reisen das Maß aller Dinge?

Nein, man kann tolle Reisen machen, die ganz wenig Geld kosten. Aber in diesem Buch ist zusammengefasst, wo die Superreichen Urlaub machen. Es ist wie ein Blick durchs Schlüsselloch.

Die Zielgruppe besteht also aus Lesern, die staunen möchten?

Von 100 000 Leuten, die das Buch lesen, sagen vielleicht 50: „Vielleicht gefällt mir was.“ Alle anderen werden nicht die finanziellen Möglichkeiten haben. Aber sie werden es trotzdem mit Spaß lesen.

Haben Sie eine dieser Reisen selbst gemacht?

76. Ich bin nicht auf den Mond geflogen, nicht auf dem Mount Everest gekraxelt und ich habe auch nicht die zweijährige Welterbe-Tour gemacht. Aber wenn ich eine dieser Reisen noch machen könnte, würde ich wahnsinnig gerne alle Welterbestätten besuchen. Das ist eine Sammlung des Besten, das die Welt zu bieten hat. Aber es fehlen 1 234 594 Euro für mich und meine Freundin.

Wie kam es zu der Idee, dieses Buch zu schreiben?

Was kostet die Welt? Die 100 exklusivsten Reisen, die man sich leisten können müsste

Ich war vergangenes Jahr in Hongkong und habe eine dieser sündhaft teuren Touren gemacht. Einen Stadtausflug, bei dem jede Minute 20 Euro kostet. Jede Minute! Und die Tour dauert sieben Stunden: Heli-Flug zur Bay, halbe Stunde Essen und dann im Rolls-Royce zurück. Man muss im Geld schwimmen, um das ohne Bedenken genießen zu können. Ich dachte, das ist sowas von abgespaced. Daraus müsste sich etwas machen lassen.

Bei welcher Reise haben Sie am meisten gestaunt?

In der teuersten Suite der Welt. Die gibt es in der Schweiz und sie kostet 61 000 Euro pro Nacht. Da dachte ich: „Was ist, wenn man nicht einschlafen kann?“ Man will ständig etwas für das Geld haben. Letztlich ist es ein ganz normales Hotelzimmer. Natürlich mit verrückten Dingen, wie sechs Zentimeter dicken schusssicheren Fenstern.

Haben Sie nachgerechnet, wie viel alle Reisen zusammen kosten?

Ja, rund acht Millionen Euro.

Geht der Trend beim Reisen zum Luxus?

Luxus wird mit Sicherheit zulegen, weil die oberen Zehntausend bis auf wenige Ausnahmen keinerlei Einbußen haben. Ich glaube auch, dass es im Mittelklassebereich ein Wachstum gibt. In Deutschland wird für den Urlaub eher gespart als für die Schrankwand.

Wie reisen Sie privat?

Luxuszug: Fünf Nächte im Orientexpress kosten so viel wie ein Familienauto: über 27 000 Euro.

Den klassischen Urlaub verbringe ich seit Jahren am Gardasee, weil ich das ganze Jahr viel unterwegs bin. Nichtsdestotrotz reise ich noch gerne. Dann aber zu Zielen, an denen ich mich nicht mehr groß umschauen muss, damit ich die Zeit guten Gewissens genießen kann. Ohne das Gefühl, etwas zu versäumen.

Ist Ihnen Luxus bei privaten Reisen wichtig?

Ich bin nicht mehr der Allerjüngste und habe ein gewisses Komfortniveau. Ich bin also nicht mehr mit dem Rucksack unterwegs und gehe nicht ins Hostel. Aber ich buche kein Hotel für 800 Euro pro Nacht.

Welche ist Ihre Lieblingsreise?

Die Reise nach Aldabra, dem größten Atoll des Indischen Ozeans. Sie ist auch im Buch. Aldabra ist nur durch einen mehrtägigen Turn zu erreichen. Die Tiere dort sind nicht an Menschen gewöhnt. An die Tölpel, eine Vogelart, kann man ganz nah herangehen. Das ist eine Reise, die vergisst man nicht. Sie hat aber nichts mit Luxus zu tun. Sie ist teuer, weil Aldabra so abgelegen ist. Aber wenn man darauf spart, ist das machbar. Im Gegensatz zu vielen anderen Reisen.

Interview: Beate Winterer

Das Buch

Was kostet die Welt? Die 100 exklusivsten Reisen, die man sich leisten können müsste ist im Bruckmann Verlag erschienen; 192 Seiten ISBN 978-3-7654-8782-8 Preis: 14,99 Euro

Eine Auswahl der teuersten Reisen

  • Mondumkreisung: Space Adventures hat bereits sieben Weltraumtouristen an Bord von Raumschiffen ins All gebracht. Ab 2017 sollen Mondumkreisungen angeboten werden. Preis: 111 Million Euro.
  • Jachtcharter Eclipse: 163 Meter lang, zwei Helikopter-Landeplätze, ein U-Boot, ein Raketenabwehrsystem und dazu Pool und Kino: Wer die Jacht von Roman Abramowitsch chartern will, bezahlt 1,4 Millionen Euro pro Woche.
  • Inselmiete The Brando, Tetiaroa: Marlon Brando selbst hat die Südseeinsel für 99 Jahre gepachtet. Wer hier allein sein will, bezahlt pro Woche 1 117 200 Euro.
  • Chalet N in Oberlech: Hinter der Holzfassade dieser Sechs-Sterne-Skihütte werkeln 20 Bedienstete für bis zu 22 Gäste. Wochenmiete: 490 000 Euro.
  • Inselmiete Over Yonder Cay auf den Bahamas: Wer Haie sehen will, ist auf Over Yonder Cay richtig. Die Insel kosetet 370 000 Euro pro Woche.
  • Flug in 110 Kilometer Höhe: An Bord eines Raumschiffs sollen Touristen Schwerelosigkeit erfahren und die Erde von oben sehen. Einen Starttermin hat der Anbieter Virgin Galactic noch nicht. Dafür aber einen Preis: 200 000 Euro.
  • Inselmiete Coco Privé, Malediven: Das Coco Privé ist eine 1,4 Hektar kleine Insel. Für 180 000 Euro können Urlauber sie eine Woche lang mieten. Wer dort unter Wasser heiraten möchte, zahlt 2100 Euro.
  • Weltumrundung im Privatjet: Die Luxushotelgruppe Four Seasons bietet 24-tägige Weltreisen in einer Boeing 757 an. 52 Menschen haben darin Platz. Stolzer Preis: 88 000 Euro pro Person.
  • Royal Penthouse Suite im Hôtel Président Wilson in Genf: Für 1680 Quadratmeter, schusssichere Fenster und Seeblick bezahlen Gäste im Hôtel Président Wilson 61 000 Euro pro Nacht.
  • Orient Exp ress: Der Zug rattert von Paris nach Istanbul. Für fünf Nächste in der Cabin Suite (sechs Quadratmeter) bezahlen zwei Reisende 27 460 Euro.

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