Schlagersänger Jürgen Drews
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Insel der Gegensätze: Auf der einen Seite der Massentourismus an der Playa de Palma, auf der anderen stille Buchten im Osten. Foto oben: Jürgen Drews mit Ehefrau Ramona und Tochter Joelina vor ihrem Haus in Santa Ponsa. Bilder unten, v.l.: Das Bergdorf Deja, Jürgen Drews‘ Tourbus vor dem Bistro in Santa Ponsa und Wanderwege im Südwesten.

Insel-König

Mallorca durch die Kornblume mit Jürgen Drews

Über Mallorca wollte sich Reiseredakteurin Christine Hinkofer mit Jürgen Drews unterhalten. Aber da ist dieses neue Album. Und deshalb wurde es ein Gespräch durch die Kornblume.

Am Ende sind sie aber beide doch thematisch auf der Mittelmeerinsel gelandet, die den Schlagersänger zum König machte. Zum König von Mallorca.

Herr Drews, wie lange geht das schon mit Mallorca und Ihnen und wie hat es eigentlich mal angefangen?

Eigentlich wollte ich ja nie Schlagersänger werden. Ich bin ein Nachkriegskind, 45-er Jahrgang, und ich wollte mit Deutsch nichts zu tun haben. Nach meiner Zeit mit den Les Humphries Singers wollte ich wieder Medizin studieren, habe aber gemerkt, dass ich dafür schon zu alt bin. Da hat meine Mutter gesagt, Mensch bleib doch dabei, du hast immer Musik gemacht. Da hab ich es gemacht.

Auf Deutsch?

„Kornblumen“ heißt das jüngste Album von Jürgen Drews. Ab 10. Mai tritt der Schlagersänger wieder in der Megarena an der Playa de Palma auf und jeden Montag im Bistro in Santa Ponsa.

Durch das Kornfeld bin ich zum Deutsch singen gekommen. Man hat mir damals einen Text von Dr. Michael Kunze geschickt, das mit dem Kornfeld. Das war meine Geschichte! Als ich mit 16 nach St. Tropez getrampt bin, ohne Geld. Von Basel nach Grenoble hat mich ein Mädel mitgenommen, sehr hübsch, in einem weißen Cabrio. Ich war ein ziemlich verklemmter Heini und statt bei ihr zu übernachten habe ich im Kornfeld mein Zelt aufgebaut. Und dann schicken die mir den Text zu und ich sage: Da kommst du nicht drumrum. Ich hab das gesungen und dadurch war ich – bumm – Schlager.

Aber noch nicht auf Mallorca...

Aber fast, denn zu dieser Zeit, das war 1976, krieg ich einen Anruf von der – damals hieß die Putzfraueninsel. Ich hatte überhaupt keine Ahnung. Ich komm auf die Insel. Werd dort in einen Laden verfrachtet, sagte, das gibt’s doch alles gar nicht! Die Altstadt von Arenal damals, da waren fast nur Deutsche. Ich hab zu Freunden gesagt: Ich hab die Slums von Deutschland gesehen! So schlimm – aber das Geld stimmte. Ich habe gesagt, ich mach es nur unter einer Bedingung: Ihr dürft niemals verraten, dass ich hier bin. Da haben sie sich dran gehalten.

Wie lange blieb das geheim mit Ihnen und Mallorca?

Bis in den 90er Jahren das ganze Ding Kult wurde. Da war es dann gut, das zu sagen. So hab ich mich langsam eingelebt. Mittlerweile ist die Insel der Hammer! Und jetzt in der Megarena, das läuft bombastisch. Ich weiß nicht, ob ich noch im Business wäre ohne Mallorca. Jedenfalls nicht in diese Richtung, Party und poppiger Schlager.

Das wäre meine nächste Frage: Was wären Sie ohne die Insel?

Wahrscheinlich hätte ich schon aufgehört oder ich wäre wieder in die USA gegangen.

Wo steht die einstige Putzfraueninsel in Ihren Augen heute?

Sie ist ein Eldorado für Touristen, vor allem Arenal oder Cala Ratjada für Jugendliche, die feiern wollen. Das hat aber nichts mit Komasaufen zu tun. Das kann man in Bulgarien am Goldstrand billiger haben.

Aber es gibt doch auch das andere Mallorca, still und romantisch.

Ja, auf der anderen Seite bietet die Insel diese Natur. Die Tramuntana, Berge, bis 1500 Meter hoch. Eine Fahrt zu machen von Pollenca nach Andratx, das ist ein Erlebnis! Ich habe diese Tour das letzte Mal mit Ramona im Cabrio gemacht, da hast Du Landschaften, da denkst Du, das ist das Paradies. Der Blick von Steilküsten, Ziegen, die im Baum sitzen. Unfassbar!

Jetzt kommen Sie ja richtig ins Schwärmen!

Klar. Dann hast du die Bucht von Alcudia, da ist es touristischer, familienmäßig, mit Strand, Amüsement, aber keine Feiermeile. Rechterhand, am Cap de Ferrutx, gibt es einen ganz kleinen alten verfallenen Hafen. Der Leuchtturm da ist vor zwei Jahren umgekippt. Da ist eine wahnsinnig schöne Steilküste, man kommt da nur mit dem Four-Wheel-Drive oder dem Boot hin. Du kannst dort im seichten Wasser fast 500 Meter weit laufen, wie in der Karibik. Oder wenn Du auf die andere Seite gehst, Portals Nous, der neue Hafen Port Adriano, wo ich oft hinjogge.

In der Nähe leben Sie ja seit vielen Jahren.

Ja, ich bin froh, dass ich in Santa Ponsa lebe. Das ist zentral, man ist nah an Palma, gleich angeschlossen an die Autobahn. Und das Bistro ist ganz in der Nähe.

...das Sie 2011 eröffnet haben.

Nicht ich, sondern ich bin da eingestiegen und trete dort jeden Montag auf während der Saison. Und da hängen alle meine Devotionalien, die ich so mitgenommen habe, zum Beispiel meine Pailettenhose, die ich bei den Les Humphries Singers getragen hab. Was es halt so gibt über Drews hängt da. Wie ein Mini-Museum.

Was ist Mallorca heute für Sie? Heimat? Inspiration?

Ein Refugium, um mal wieder ein bisschen aufzutanken. Und auf der Bühne ist es wirklich der Hammer. Ich hab fast nur jugendliches Publikum. Ich bin der einzige, der die ganze Saison über dort auftritt. Jetzt auch mit „Kornblumen“, der neuen CD, die ein bisschen mit Flowerpower zu tun hat. Ich hab ja die Flowerpower-Zeit noch miterleben dürfen.

Man nennt Mallorca auch das 17. Bundesland Deutschlands. Was glauben Sie, warum diese Insel, bei den Deutschen so beliebt ist?

Ganz klar wegen der verkehrstechnischen Anbindung und dem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Aber es heißt, Mallorca sei als Urlaubsziel sehr teuer geworden.

Kommt darauf an wo Du hinfährst. Die Insel hat die ganze Skala, von richtig teuer bis, ich würde sagen preiswert. Wobei: Die Billig-Kaschemmen, die gehen nicht mehr, ich glaube, die sind auch mittlerweile abgerissen worden.

Sie sind heute der König von Mallorca ...

... aufgrund von Gottschalks Aussage, kein selbsternannter, das wissen Sie?

Schon, so hat er Sie einmal bei „Wetten dass ..?“ genannt, das ist hängengeblieben. Aber: Würden Sie Ihr Königreich jemals tauschen gegen eine andere Insel?

Ich kann mir Ibiza immer noch gut vorstellen, so ist es nicht.

Sie sind früher eher der Ibiza-Typ gewesen?

Immer noch. Ich war früher oft auf Ibiza. Aber Mallorca hat einen Riesenschritt gemacht, es ist heute eine tolle Insel.

Für welchen Urlauber taugt Mallorca, wer sucht sich besser eine andere Insel?

Für jeden, das ist ja grad das schöne. Weil die Insel so vielfältig ist.

Verraten Sie Ihre Lieblingsplätze?

Insel der Gegensätze: Auf der einen Seite der Massentourismus an der Playa de Palma.

Da gibt es viele. Es Trenc, der Naturstrand im Süden. Oder die Serpentinen runter nach Port de Valldemossa. Dann gibt es einen genialen Aussichtsturm, wenn man von Andratx die Küstenstraße raufkommt. Oder Deja, was für ein toller Ort! Oder wenn Du den Weg von Santa Ponsa mit Inlinern fährst, fast bis nach Palma, was es da für Gegenden gibt! Unterhalb vom Colani-Haus, das dem Fürst von Sayn-Wittgenstein gehört, da gibt es eine Steilküste, wo man den Klippenspringern zuschauen kann. Das ist drei, vier Minuten von mir, ich setz mich da hin und schaue übers Meer, das ist unglaublich schön. Oder Cala Figuera, dieser Ort ist der absolute Geheimtipp! Ich hab dort gerade einen Auftritt gemacht, unentgeltlich, um einem Mädel zu helfen, das ein Restaurant aufgemacht hat. (Anm. d. Red.: Das Restaurat heißt El Momento, die Wirtin heißt Mandy, und als Jürgen Drews dort im September auftrat musste die Hauptstraße von Cala Figuera gesperrt werden.)

Zu welcher Jahreszeit ist Mallorca besonders schön?

Im Frühjahr, zur Mandelblüte.

Was lieben Sie an den Mallorquinern besonders?

Es gibt auch stille Buchten im Osten.

Ihre Engstirnigkeit, dass sie noch gar nicht erfasst haben, was sie eigentlich für eine Insel haben. Ich mag den Bauern, der mit seinem alten Eselskarren durch die Gegend zieht wie vor 100 Jahren. Aber das wird irgendwann einmal aussterben. Jetzt sind ja auch die meisten Straßen schon ausgebaut, nicht mehr so, wie ich sie von früher kenne.

Wann gehts wieder auf die Insel?

Unsere Tochter Joelina macht gerade das Abitur und dann kann ich vielleicht auch mal wieder ein bisschen länger bleiben. Ich möchte immer da sein, wo die Familie ist, deswegen düse ich immer hin und her.

Die Reise-Infos zu Mallorca

REISEZIEL Mallorca ist touristisch sicher die vielseitigste Insel des Mittelmeers. Auf 3600 Quadratkilometern verteilt findet so ziemlich jeder Urlaubstyp seine Welt, ob das die Jugend und die Partymacher in Arenal sind, die Familien an der weitläufigen Bucht von Alcudia, der Jetset in mondänen Häfen wie Portals Nous, Genießer und Kulturliebhaber in den Restaurants und Galerien von Palma und die Romantiker und Naturliebhaber in kleinen, versteckten Buchten entlang der gebirgigen Westküste. Laut Auswertung des deutschen Ferienhausanbieters Fewo-direkt ist Mallorca derzeit auch die Nummer eins bei deutschen Ferienhausurlaubern.

ANREISE/RUMKOMMEN Ganzjährig bestehen von München nach Palma tägliche Flugverbindungen. Eine neue Direktverbindung kommt ab 20. Juni mit der Airline Vueling hinzu. Tickets sind ab sofort buchbar ab 44,99 Euro pro Strecke inklusive Steuern und Gebühren unter www.vueling.com. Mietwagen für Individualreisende gibt es ab ca. 25 Euro am Tag. Aber auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Bussen) kommt man gut rum.

JÜRGEN DREWS AUF MALLORCA Der Schlagersänger tritt seit den 80er Jahren in der Partymeile von Arenal auf. Er hat ein Haus in Santa Ponsa im Südwesten der Insel. In Fußweite von seinem Wohnort eröffnete 2011 das Bistro „König von Mallorca“, in dem Jürgen Drews ab Mitte Mai wieder jeden Montag auftritt. (Gran Via de Puig de Massanella1, Santa Ponca, Tel. 0034/971-696197, www.juergendrews-kultbistro.com). Zum „König von Mallorca“ wurde Jürgen Drews vor 14 Jahren von Thomas Gottschalk bei „Wetten dass ...?“ in der Arena von Palma de Mallorca ernannt.

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