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Möwen am Strand des Ostseebades Heringsdorf.

Usedom: Möwen im Trainingslager

Möwen, Alpaka, Papagei und Pudel - die Usedomer schicken zur Fußball-EM Federvieh und Vierbeiner als tierische Orakel ins Rennen.

Geht es nach den Möwen auf der Insel Usedom, gewinnt Polen in vier Wochen das EM-Eröffnungsspiel gegen Griechenland. „Das Ergebnis war eindeutig“, sagt Torald Weihs von der Usedom Tourismus GmbH. Mehr als eine halbe Stunde musste der Orakel-Erfinder allerdings warten, bis sich eine Möwe herabließ, um am Brötchen vor dem Polen-Schild zu picken. „Wir sind noch am Optimieren“, gibt Weihs zu. Während sich die Mannschaften langsam in Trainingslagern für die Fußball-EM fit machen, feilt ein fußballbegeisterter Trupp auf der Ostseeinsel zurzeit an einem „Möwenorakel“ für die Spiele der Europameisterschaft.

Usedom ist mit fast 2000 Stunden Sonnenschein im Jahr die sonnenreichste Ecke Deutschlands.

Die Messlatte für die tierischen Vorhersagen liegt hoch: Denn mit unergründlicher Zielsicherheit und frei von tieferer Sinnhaftigkeit hatte Krake Paul vor zwei Jahren bei der WM alle Ergebnisse der Partien mit deutscher Beteiligung vorhergesehen. Weil Spanien dann auch noch - wie vom Oktopus orakelt - das Endspiel gewann, wurde der Krake Ehrenbürger der spanischen Gemeinde Carballiño.

Soweit muss es nach dem Willen der Usedomer nicht kommen. Aber wenn ihr Orakel einen ähnlichen Hype auslösen würde wie Paul vor zwei Jahren während der Weltmeisterschaft in Südafrika, wäre der geplante PR-Coup gelungen. Das Orakel mit Wahrscheinlichkeitsrechnung und kühler Logik zu erklären, ist völlig überflüssig. „Das Orakel muss den Praxistest bestehen“, sagte Weihs. Mit der Treffgenauigkeit wächst und fällt das mediale Interesse an dem Orakel.

Medienpräsenz ist Usedom während der EM auch ohne Orakel sicher, denn das ZDF macht die deutsch-polnische Insel während der Meisterschaft zu seinem Außenstudio. Am Strand von Heringsdorf entsteht derzeit eine Bühne mit großer LED-Wand. Mit der Ostsee im Hintergrund werden Oliver Kahn und Katrin Müller-Hohenstein dann von dort die im Zweiten ausgetragenen Begegnungen kommentieren.

Und weil die Möwen den Sound der Küste bilden, haben die Insel-Touristiker sie für die Fußball-Europameisterschaft gleich zu ihrem Orakel auserkoren. „Die Idee mit dem Möwenorakel kam mir auf der Heimfahrt von der Arbeit“, berichtet Weihs. „Es sollte ein Tier sein, das als Wahrzeichen für die Küste steht.“

Mitte April hatte die Redaktion der ZDF-Sendung „Volle Kanne“ die Usedomer aufgerufen, Vorschläge für Tierorakel einzusenden. Inzwischen sind in der Redaktion vier Vorschläge eingegangen: neben den Möwen sollen nun ein Papagei, ein Alpaka und zwei Pudel den Ausgang der Spiele auf der Heringsdorfer Seebühne vorhersagen, wie die stellvertretende Redaktionsleiterin Nicole Schneider sagt.

Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein (M), der Strandbär der Insel Usedom (l) und ein Mainzelmännchen.

Nach einem „Live-Test“ aller Orakel in der ZDF-Ratgebersendung während der ersten Turnierwoche wird der Sieger dann an den ZDF-„Fernsehgarten“ weitergereicht, der ebenfalls von Usedom ausgestrahlt wird. Ähnlich wie Krake Paul, der sich vor zwei Jahren über die mit Nationalflaggen beklebten Futterbehälter hermachte, setzen die Usedomer auf den Fresstrieb der Tiere. Ein Film bei YouTube zeigt, wie das Möwenorakel funktionieren soll.

Zwei Schilder mit den Nationalflaggen der beiden spielenden Teams stecken im Sand - davor liegen zwei Brötchen. Gewinnen werde das Land, dessen Brötchen als erstes von Möwen angeflogen und angefressen werde. Das könne allerdings dauern, räumt Weihs ein.

Das Ostseebad Heringsdorf auf der Insel Usedom wird zur ZDF-Kulisse.

Weihs hat nun ein Trainingslager gestartet, um das Orakel auf EM-Niveau zu bringen. Um der Futter-Konkurrenz anderer Strandbesucher zu entgehen, wird die Orakelzeit auf den Morgen verlegt. Das Futter solle jetzt nicht in den Sand, sondern auf ein Podest gelegt werden. „Es ist schwierig den Möwen beizubringen, dass es nicht gefährlich ist.“, sagt Weihs. Kein Wunder: Möwen lassen sich nicht dressieren.

Martina Rathke, dpa

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