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Den richtigen Leuten die richtigen Fragen stellen: Die Aborigines sind die Hausherren im Kakadu-Nationalpark, keiner kennt die Gegend besser als sie.

Der Kakadu-Nationalpark im Norden Australiens

Crocodile Dundees Kunstsammlung

Wenn Crocodile Dundee eine Kunstsammlung hätte, dann wäre es diese: Der Kakadu National Park im Norden Australiens gilt als Schatzkammer der Aborigines...

Er enthält eine der größten Vorkommen an Felsmalerien weltweit, geschaffen vor Zehntausenden von Jahren. Autor Matthias Holzapfel auf Spurensuche zwischen Reptilien und Reliquien.

„Klick“. Nochmal „klick“. Und noch viele weitere Male. Touristen schießen Fotos von sich neben einer Felsmalerei. Vielleicht werden sich die heiteren Senioren wie Helden fühlen, wenn sie die Bilder daheim herzeigen. Weil sie in sengender Hitze diesen Felsen emporgestiegen sind. Aber werden die Bilder auf den Chips ihrer Digitalkameras Jahrtausende überdauern, wie die Malereien am Ubirr Rock?

Die gewaltige Felsfor­mation im Kakadu Nationalpark ist ein Ort langer Geschichte und unzäh­liger Geschichten. „Ich habe jedes Buch darüber gelesen“, sagt David Overton, und er klingt mit seinem breiten australischen Englisch überzeugend. „Die wahre Geschichte erfährst du nur, wenn du mit den Aborigines sprichst. Und den richtigen Leuten die richtigen Fragen stellst.“

Dave chauffiert Touristen in einem kleinen, luxuriösen Bus namens Nellie durch das Top End, den nördlichen Teil des australischen Northern Territory. Nellie bewegt sich auf hohen Reifen – wegen der Grä­ben, wegen des Wassers und vielleicht auch wegen der Krokodile.

Killer am Wasserloch: Etwa 80.000 Salzwasser-Krokodile sollen im Kakadu Nationalpark leben.

Am Ubirr Rock finden sich die ältesten Felsmalereien, gut erhalten, mal lebensgroß, mal klein, meist bunt. Auf gut ausgebauten Rundwegen lassen sie sich erforschen; viele der Wege sind sogar mit dem Rollstuhl zu befahren. Die Malereien zeigen vor allem Jagdszenen und Tiere: Barramundi-Fische zum Bei­spiel oder Wallabys, Beuteltiere. Manche der Zeichnungen dokumentieren das Skelett der Tiere. „So trugen die Aborigines über Generationen ihr anatomisches Wissen weiter“, erklärt Dave.

Es ist auch das Wissen um die Kräfte der Natur. In der Regel haben die Urein­wohner für ihre Kunst Felsen gewählt, die geschützt liegen vor Staub und Sand in der Trockenzeit und vor den Wassermassen in der Regenzeit. Heute, sagt Dave, müsse man manchmal nachhelfen, indem man Wasserfälle umleite oder Drainagen lege. Die Wege für die Touristen fordern Tribut.

Religiöse Motive haben die Urweinwohner am Nourlangie Rock hinterlassen. Eines der bedeutendsten stellt den „Lightning Man“ Namarrgon dar. Er schleudert Blitze auf das Arnhem Plateau, dessen Felsen den Park durchziehen. Nach der Mytholo­gie der Ureinwohner soll Namarrgon dem Meer entstiegen sein, mit seiner Axt die Erde gespalten und Blitz und Donner erschaffen haben.

Den fast 20.000 Quadratkilometer großen Kakadu-Nationalpark beherrscht tropisches Klima. In der Trockenzeit von Mai bis Oktober ist es heiß, deutlich über 30 Grad. Es fällt kaum Regen. Wer auf den Ubirr Rock klettert, findet zu seinen Füßen dürres Steppengras und Waldzonen, einzelne Wasserlöcher (Billabongs) und dahin dümpelnde Rinnsale, die sonst Flüsse sind.

Bootstour auf dem Yellow River

In der Regenzeit von Oktober bis April erwacht die Natur zu vollem Leben. Alles blüht in sattesten Farben. Wasserfälle stürzen von Felsen herab. Stürme peitschen über das Land. Der Himmel färbt sich bei Gewitter in dramatischen Farben. Wo Touristen in der Trockenzeit auf Straßen mit Jeeps und Bussen rollen können, bleibt ihnen in der Regen­zeit mancher Weg versperrt. Weil sich das Wasser Bahn bricht. Und weil sich die Krokodile ihren Platz schaffen.

Abends in der Gagadju Lodge Cooinda, einer Bungalowanlage für Gäste, die im Nationalpark nicht campen, sondern hinter festen Mauern schlafen wol­len. Dazu ein einfaches Restaurant, eine Bar mit Fernsehgerät – und zwei Pools. Die sicherste, nein, die einzig sichere Möglichkeit, sich in dieser verlockend schönen Gegend zu erfrischen.

Bei einer Bootstour auf dem Yellow River im Sonnenaufgang wird deutlich, warum. Etwa 80.000 Krokodile leben im Kakadu Nationalpark. Kaum fährt das Boot los, sind die ersten Reptilien zu sehen, im Wasser, am Ufer. Sie warten. Oder sollen wir sagen: lauern? „Versucht nicht, euch einem Wasserloch zu nähern“, warnt Dave.

Über 60 Säugetierarten, rund 1700 Pflanzenar­ten, 117 Reptilien- und mehr als 50 verschiedene Fischarten gibt es im Kakadu-Nationalpark. Die Unesco hat den Park sowohl in die Liste des Weltnatur- als auch des Weltkulturerbes aufgenommen. Er soll erhalten bleiben, mit all seinen schätzungsweise 5000 Kunststätten.

Wenn auch Scharen von weißen Kakadus die Touristen begleiten, so stammt der Name des Parks doch von Gagadju ab. So heißt die Sprache der Aborigines im Norden. Dass Kakadu im Deutschen eine Papageienart ist, erfährt Dave am Ende des Trips von seiner deutschen Reisegruppe. Ja, es kommt tatsächlich darauf an, den richtigen Menschen die richtigen Fragen zu stellen.

Matthias Holzapfel

DIE REISE-INFOS ZU AUSTRALIEN

REISEZIEL Das Top End ist der nördliche Teil des australischen Bundesstaates Northern Territory. Dessen Hauptstadt Darwin zählt etwa 124.800 Einwoh­ner und jährlich gleich viel Touristen, Für die meisten Gäste ist Darwin Ausgangspunkt für Touren in den Busch. Der Kakadu-Nationalpark liegt etwa 170 Kilometer östlich von Darwin, der Litchfield-Nationalpark, der zum Bad in der Lagune einlädt und zu Lagerfeuern mit Barramundi-Fisch oder Känguru-Fleisch, liegt 128 Kilometer südlich.

ANREISE Von München mit Singapore Airlines nach Singapur und weiter mit der Tochtergesellschaft Silkair nach Darwin. „16 Flugstunden von Deutschland bis Australien – das ist Rekordzeit“, erklärt Norbert Hofmann, Marketingdirektor bei Singapore Airlines. Hin- und Rückflug sind im Herbst ab 1109 Euro zu buchen.

BESTES REISEKLIMA Das Top End liegt in der tropischen Klimazone. Von Mai bis Oktober ist Trockenzeit, die Temperaturen liegen zwischen 30 und 34 Grad bei 50 Prozent Luftfeuchtigkeit. In der Regenzeit ziehen nach­mittags häufig Gewitter und Monsunregen über das Land, dafür sind die Temperaturen mit 26 bis 28 Grad angenehmer.

WOHNEN Darwin bietet jede Kategorie, vom Backpacker-Hotel wie dem Malaleuca on Mitchel für rund 26 Euro pro Bett und Nacht bis zum Fünf-Sterne-Luxus-Hotel Skycity Darwin (ab 150 Euro pro Nacht). Im Kakadu-Nationalpark gibt es mehrere Campingplätze (zehn Euro pro Person und Nacht mit Duschen und WC). Andererseits gibt es eine Handvoll Hotels und Bungalow-Anlagen, zum Beispiel das Gagadju Lod­ge Cooinda. Im Australien-Katalog von Dertour können die Unterkünfte als Reisebausteine gebucht werden.

TOUREN Wer keine Erfahrung in der Wildnis hat, ist gut beraten, mit ei­nem Guide den Park zu erforschen. Er kennt die spannendsten Orte, er weiß um die Gefahren in der Natur und von Tieren. Von den Camps aus lassen sich Tagesausflüge planen. „Einige Tage sollte man einplanen“, meint Guide David Overton. Bei Dertour kann der Kakadu-Nationalpark ab/bis Darwin als Tagestour inklusive Bootsfahrt für 186 Euro gebucht werden, der Litchfield-Nationalpark für 104 Euro.

GASTRO-TIPP Donnerstagabends öffnen Dutzende von australi­schen und asiatischen Ständen am Mindil Beach von Darwin. Der Duft von Küchen aus aller Welt zieht durch die Markt­gassen, und überall spielen Musiker und tanzen Leute. Auf den Wiesen ist Platz für ein Picknick.

WEITERE INFOS auf der Internetseite von Northern Territory unter www.australias­outback.de und beim Münchner Australien-Spezialveranstalter Australia Plus Reisen, Tel. 089/726 69 40, www.australiaplus.de.

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