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Mathies (70) im Skilehrerkalender 2012

Nackte Tatsachen und mehr

Aus dem abgefahrenen Leben eines Skilehrers

Das witzigste an diesem Buch ist der Titel. „Ab 1000 Meter wird geduzt!“ Das klingt nach Pistengaudi, Urlaubsstimmung und Kameradschaft in den Bergen.

Und weil es sich, so der Untertitel, um Geschichten „aus dem abgefahrenen Leben eines Skilehrers“ handelt, erwartet man natürlich, dass sich da einer über die Klischees seines eigenen Berufsstands mal so richtig lustig macht.

Immer schnell bei der Sache: Willi Mathies beim Hannes-Schneider-Gedächtnislauf...

Aber Willi Mathies kennt keinen Spaß. Er meint das alles bierernst. Er ist mächtig stolz, dass er mit 70 noch im österreichischen Skilehrerkalender das April-Blatt ziert – oben nur mit Brusthaar, unten mit hautenger roter Skihose – und leidet auch sonst unter keinerlei Selbstzweifeln, wenn er sich als „braungebrannten, sonnenbebrillten Herzensbrecher in maßgeschneiderten Skihosen“ beschreibt, „mal auf einer dicken BMW, mal im Porsche, aber natürlich meist auf Skiern.“ Oder, die Krönung, im orangefarbenen Lamborghini. „Die Frauen lagen mir zu Füßen, im ganzen Dorf hatte ich Narrenfreiheit, was sicher auch an meinem Aussehen lag – an Sexappeal hat es mir wohl nicht gemangelt“, resümiert Mathies.

Am Humor dann eher schon, denn als die Freunde ihm mal eine Gummipuppe ins Bett legen, schildert er diese Episode nicht wirklich als Lachnummer, sondern als die reinste Zumutung: „Ausnahmsweise hatte ich mal kein Mädchen mit aufs Zimmer genommen. Sollte sich also eine Dame bei mir eingeschmuggelt haben?“ Große Enttäuschung bei Erkennen des Streichs: „Als ob ich ein Sexspielzeug aus Plastik nötig gehabt hätte.“

...und mit seinem orangefarbenen Lamborghini.

Grenzfällig wird es, wenn Willi Mathies Witze über seinen Berufstand erzählt. Solche von der Art: „Woran merkt ein Skilehrer, dass die Saison vorbei ist: Wenn er seinen Hosenladen wieder selbst zumachen muss.“ Oder den: „Kennt ihr den Unterschied zwischen einem Skilehrer und einem Krokodil: Es gibt keinen. Kleines Hirn, großes Maul und alle Kraft im Schwanz.“ Was er umgehend dementiert: „Das mit dem Hirn stimmt natürlich nicht.“ Wirklich nicht?

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 „Ab 1000 Meter wird geduzt" von Willi Mathies.

Willi Mathies hält sich allen Ernstes für eine Legende, für den „Charles Bronson der Berge“ und weil er auch mal als Bademeister im Schwimmbad ausgeholfen hat für „den österreichischen David Hasselhoff“. Am Ende dieser testosterongetränkten Selbstdarstellung in Taschenbuchformat fragt man sich dann schon, warum man dafür 8,99 Euro ausgegeben hat, wo man doch um einen Aufschneider wie Willi Mathies auf der Piste lieber einen großen Bogen macht – und wenn es nur ein Pflugbogen ist. Aber wenigstens der Autor weiß, warum er das alles aufgeschrieben hat: „Meine Kinder und Enkelkinder sollen von der beeindruckenden Familientradition erfahren, in der ich aufgewachsen bin und die mich zu dem machte, was ich immer noch bin: ein Draufgänger, ein Rebell, ein Herzensbrecher und Lebemann. Oder mit anderen Worten: Ich war und bin ein verwegener Hund.“ Na dann...

CH

Willi Mathies, „Ab 1000 Meter wird geduzt, Heyne, ISBN 978-3-453-64533-2, 8,99 Euro

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