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Der Übervater: Nelson Mandela begegnet dem Südafrika-Reisenden auf Schritt und Tritt. Er steht als Statue vor dem Shopping-Center in Sandton.

Der Mitreisende

Mit Nelson Mandela durch Südafrika

Vor einem Jahr starb Nelson Mandela. Im Tourismus Südafrikas aber ist der charismatische Staatsmann immer noch allgegenwärtig. Stephan Brünjes trat die Reise durch den Kap-Staat mit prominenter Begleitung an.

„Ich hätte ihn fast rausgeschmissen aus meinem Wagen“, empört sich Isaac, der farbige Taxifahrer und erzählt auf dem Weg vom Johannesburger Flughafen in die City von einem Fahrgast, der ständig von dunkelhäutigen Südafrikanern als „Kaffern“ sprach. „Ein schlimmes Schimpfwort aus der Apartheid-Zeit“, ruft Isaac, „heute bei Strafe verboten – auch ein Verdienst von Nelson Mandela!“

Da ist er zum ersten Mal, der Freiheitskämpfer, Friedensnobelpreisträger, Vater der Nation. Keine halbe Stunde nach unserer Ankunft im Kap-Staat sitzt er quasi mit im Auto, denn Isaac zeichnet nun sein persönliches Helden-Bild von Mandela – mit Worten und beidhändig gestikulierend, während er das Taxi mit den Knien durch den stockenden Verkehr lenkt.

Ein smarter, junger Anwalt sei er gewesen, mit durchdringendem Blick damals in den Fünfzigern, ein Frauenschwarm und begeisterter Tänzer, vor allem ein entschlossener Kämpfer gegen Ungerechtigkeit und für die schwarze Mehrheit in Südafrika, die damals von den weißen Machthabern aus den Städten in die Townships abgedrängt wurde, miese Schulbildung bekam und andere Busse, Eingänge oder Parkbänke als die Weißen nutzen musste.

Mitten in Johannesburg, am Chancellor House prangt ein Foto von Nelson Mandela. Hier hatte er seine Anwaltskanzlei im ersten Stock eines Eckgebäudes. Verfallen war es damals, heute schlendern Besucher die renovierte Front entlang und gehen dabei den in Texten und Bildern skizzierten Lebensweg des jungen Mandela ab. Drehen sie sich um, steht Südafrikas Nationalheld vor ihnen – fast sechs Meter groß, als Schattenboxer – die Fäuste als Deckung vorgestreckt zum gegenüber liegenden Gerichtsgebäude.

„Ein Symbol für Mandelas Auftritte in diesem Gebäude sowohl als Anwalt sowie später auch als Angeklagter“, erklärt Marco Cianfanelli, der Schöpfer dieser Skulptur. Der junge Nelson Mandela begeisterte sich für Faustkämpfe – warum, das steht auf dem Betonsockel der Skulptur: „Im Boxring spielen Status, Alter, Hautfarbe und Reichtum keine Rolle.“

Der Schattenboxer ist Cianfanellis zweites Mandela-Werk. Nummer eins erscheint Südafrika-Reisenden weithin sichtbar an der Landstraße R103 etwa 90 Kilometer südlich von Durban, exakt dort, wo der junge Freiheitskämpfer 1962 verhaftet wurde, um 1964 mit dem Richterspruch „lebenslänglich“ auf die Gefängnis-Insel Robben Island vor Kapstadt verbannt zu werden – ein Ereignis, das sich nun zum 50. Mal jährt.

Nein, die Südafrikaner schaffen keinen Personenkult. Aber bei der Reise durchs Land ist Mandela wie selbstverständlich stets in der Nähe. Sein Konterfei auf Geldscheinen, Mauern und Straßenpollern – als eine Art guter Geist taucht er immer wieder auf. So wie bei der Tour mit Lungi durch das Township Soweto: Sein Vater sei Jazzmusiker gewesen und habe oft für Mandela gespielt erzählt der Tourguide mit leuchtenden Augen. Klar, warum die Menschen hier so oft vom jungen Kämpfer Mandela erzählen: Es ist die Sehnsucht der Südafrikaner nach einem unverbrauchten und geradlinigen, glaubhaften und charismatischen Politiker.

Auf dem großen, deckenhohen Foto in seinem ehemaligen Haus in Soweto ist Mandela als offen-optimistisch dreinblickender Bartträger zu sehen, an dem sein Hund hoch springt. Dieses Bild behält im Kopf, wer durch die zum Museum umgebauten Räume schlendert, vorbei an Original-Möbeln, und zahllosen Ehrendoktor-Urkunden.

Nach einem langen Mandela-Tag schnell noch etwas einkaufen – in Sandton. Hierhin, 20 Kilometer nördlich von Johannesburg, zog nahezu die gesamte Geschäftswelt, als die Acht-Millionen-Metropole in den neunziger Jahren zu einem Moloch von Verbrechen und Verwahrlosung verkam. Bis heute wohnt man auch als Tourist besser und sicherer in Sandton. Wir suchen eine Flasche Cola, etwas Knabberkram und finden wieder ihn: Nelson Mandela, sechs Meter hoch in Bronze. Er steht im Innenhof des Shopping-Centers.

Cola und Kracker stehen abends auf den Hoteltisch, zum Spiel der südafrikanischen Fußball-Nationalmannschaft im TV. Die Kicker haben neben ihrer üblichen Rückennummer noch eine fünfstellige vorne auf dem Trikot: 46664. Es ist Mandelas Häftlings-Nummer. Für Häftling 466, der im Jahre 1964 auf die Gefängnis-Insel Robben Island deportiert wurde.

Stephan Brünjes

Die Reise-Infos zu Südafrika

REISEZIEL Das Südafrika des Nelson Mandela, das ist der Osten, die Transkei, wo er 1918 im Dorf Quun geboren wurde und die ersten Jahre seines Lebens verbrachte, das ist Johannesburg, wo er als junger Anwalt tätig war, das ist das zwölf Kilometer entfernte Township Soweto, wo er von 1946 bis 1962 lebte (in der Nachbarschaft von Bischof Desmond Tutu) und das ist Robben Island, die Gefangeneninsel vor Kapstadt, auf der er ab 1964 als politischer Häftling 18 Jahre lang interniert war. Nelson Mandela starb am 5. Dezember 2013 in Johannesburg. Das Nelson Mandela Centre of Memory liegt nahe seines Wohnhauses in Houghton, einem nördlichen Vorort von Johannesburg.

ANREISE Die Lufthansa fliegt täglich ab München via Frankfurt nach Johannesburg. Ab ca. 1000 Euro für den Hin- und Rückflug. Im Reisebüro oder unter www.lufthansa.com.

WOHNEN Verlässlichen Standard (aber eben auch Standard-Atmosphäre) bieten im ganzen Land Hotelketten wie Protea (www.proteahotels.com), Southern Sun (www.southernsun.com) oder City Lodge (www.www.citylodge.co.za). Wer vor allem in ländlichen Regionen unterwegs ist und Übernachtungsmöglichkeiten sucht, sollte auf Schilder mit der Aufschrift „Bed en Ontbyt“ (Afrikaans für Bed and Breakfast) achten.

REISEN Über den Reiseveranstalter TUI kann die siebentägige Rundreise „Auf Mandelas Spuren“ ab 1379 Euro gebucht werden.

Eine 16-tägige Kultur- und Naturreise „Mandelas Traum“ auf den Spuren des großen Staatsmanns hat One World Reisen im Programm. Tel. 0231/5897920, www.reisemitsinnen.de.

SEHEN Auf einer Soweto Bicycle Tour kann man die auch heute fast ausschließlich von Schwarzen bewohnte Vorstadt per Radtour oder im dreirädrigen, benzingetriebenen Tuk-Tuk-Mobil erkunden, jeweils unter Führung von Guides, die zum Teil aus Soweto stammen. Preise umgerechnet zwischen 22,50 und 35 Euro. Andere Anbieter: Jimmy’s Face to Face Tour (www.face2face.co.za) oder Imbizo (www.imbizotours.co.za). Teil der Touren ist der Besuch in Nelson Mandelas ehemaligem Haus in Soweto. (www.mandelahouse.co.za). Zusätzlich bietet sich ein Besuch im nahe bei Soweto gelegenen Apartheid-Museum an. (www.apartheidmuseum.org).

LESEN Sehr gute, unabhängige Infos in: Südafrika, Stefan Loose Travelhandbuch, 24,90 Euro.

WEITERE INFOS über die Vertretung von South African Tourism in Deutschland unter der kostenfreien Service-Nummer 0800/1189118. im Internet unter www.dein-suedafrika.de.

Die interaktive Webseite http://mandela.southafrica.net/map/overview verzeichnet alle wichtigen Erinnerungsorte zu Nelson Mandela.

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