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Ab kommender Woche ist Daniel Craig als 007 im osttiroler Dorf Obertilliach unterwegs.

Obertilliach

Schlutzkrapfen für 007

James Bond muss sich demnächst entscheiden, ob er seinen Jagertee lieber geschüttelt oder gerührt genießen möchte. Denn der Agent mit der Lizenz zum Töten kommt nach Österreich...

genauer gesagt in das 700-Einwohner-Dorf Obertilliach in Osttirol. Ab der kommenden Woche laufen dort die Dreharbeiten für den neuen Streifen „Spectre“. Franz Theurl, Obmann des Tourismusverbandes Osttirol, erklärt, wie sich das Dorf auf 007 vorbereitet, was Touristen am Drehort erwartet und welche Osttiroler Spezialität Hauptdarsteller Daniel Craig unbedingt probieren sollte.

Herr Theurl, nächste Woche kommt James Bond. Ist Obertilliach für die Action gerüstet?

Franz Theurl mit dem Bond-Bully.

Die Aufbauarbeiten sind fast beendet. Man hat ein großes Wirtschaftsgebäude an die Skipiste gesetzt. Vor der Ortseinfahrt wurden Parkplätze geschaffen. Da stehen Kräne für die Simulation von Flugzeugabstürzen. Am Biathlonzentrum trainieren Athleten. Die Filmcrew besteht aus 350 Leuten. Es geht ganz schön zu.

Sind Sie selbst Bond-Fan?

 „Fire and Ice“ und „Goldfinger“ habe ich in guter Erinnerung. Ich mag auch „Der Hauch des Todes“. Darin kommt der gleiche alte Pistenbully zum Einsatz, den ich selbst besitze. Zuletzt habe ich kaum Bond-Filme gesehen. Durch die Produktion in Obertilliach habe ich mich wieder damit befasst.

Wie wurde Obertilliach zum Bond-Ort?

Eigentlich über „Heidi“. Vor 22 Jahren wurde in Osttirol der Kinderroman verfilmt. Damals war Location Austria, die österreichischen Film Commission, involviert. Die hat für James Bond wieder nach Locations gesucht.

Warum passt Obertilliach so gut zum neuen Bond-Streifen?

Einen Ort, wie er im Drehbuch steht, gibt’s kein zweites Mal. In Obertilliach meint man, man wäre im 18. Jahrhundert. In den Häusern gibt’s Komfort, aber nach außen erscheint das nicht so. Und das Drehbuch sieht den Anflug auf ein Dorf vom Berg herunter vor. Man kann über die leicht abfallende Piste Fahrt aufnehmen. Unten steht eine Hütte, die explodiert.

Welche Wünsche hatte die Filmcrew?

Es geht viel um Logistik und das Bereitstellen von Flächen. Es gibt Einschränkungen im Skibetrieb. Da muss ein Wintersportort den Spagat schaffen. Obertilliach hat 80 Prozent Stammgäste, die man nicht vergraulen will. Dafür braucht es Zusammenhalt.

Von den Urlaubern wurde keiner wegen Bond umgebucht?

In Obertilliach sind die Stammgäste wie Familienmitglieder. Man telefoniert auch während des Jahres. Wenn der Gast kommt, ist er ein Mitglied des Dorfes. Keiner hätte Verständnis gehabt, wenn er wegen Bond ausgeladen wird.

Können die Urlauber beim Dreh zusehen?

Teilweise werden die Dreharbeiten abgeschirmt, aber einiges kann man sicher mitverfolgen. Wer besonders Glück hat, sieht vielleicht sogar Daniel Craig.

Keine Sicherheitsbedenken?

Es gibt Security. Und Obertilliach ist das einzige Dorf in Österreich, in dem noch der Nachtwächter durch die Straßen geht.

Wie passen Nachtwächter und familiengeführte Hotels zu einem Spektakel mit Verfolgungsjagden und Flugzeugabstürzen?

Für die kurze Drehzeit ist das kein Problem. Dauer-Action oder Massentourismus wären der verkehrte Weg. Obertilliach ist ein Urlaubsort für Familien. Es gibt keine Skiarena, sondern ein Familienskigebiet und eines der schönsten Langlaufgebiete in Österreich. Ein Platz, um zu entschleunigen.

Gab es wirklich keine Krisengespräche im Vorfeld?

Zwei Kinderskilifte müssen für zwei Wochen stillgelegt werden. Darüber gab es Diskussionen, aber wir konnten die Leute damit überzeugen, dass sie längerfristig von Bond profitieren können.

Wird Bond ein Markenzeichen für den Ort werden?

Wir müssen noch rechtliche Details klären, haben aber schon viele Ideen. Zum Beipiel wollen wir einen James Bond-Trail einrichten. Und eine Bond-Abfahrt auf der Flugschneise. In dem einen oder anderen Hotel wird man eine Bond-Suite finden. Ich bin sicher, das Bond-Fieber wird anhalten.

Wie verkraften die Menschen in Obertilliach den Trubel?

Im Lesachtal lebt ein anderer Menschenschlag als im Rest von Tirol. Die Obertilliacher sind lustig, offen und kooperativ. Untugenden wie Neid und Argwohn gibt’s hier nicht. Dort oben ist man in erster Linie gastfreundlich.

Wissen Sie, in welchem Hotel Daniel Craig wohnen wird?

Ich bin mir sicher, dass er irgendwo unter einem Pseudonym eingebucht wurde. In Lienz sind Zimmer in Fünf-Sterne-Häusern reserviert. Er könnte auch überraschenderweise in einem Gasthaus in Obertilliach absteigen. Wenn das Wetter nur wenige Stunden passt, muss er abrufbereit sein.

Wann wird er kommen?

Die Spitzendrehtage sind vom 15. bis 25. Januar geplant. In dieser Zeit müsste Daniel Craig drei, vier oder fünf Tage da sein.

Wenn er fragen würde: Welche kulinarische Spezialität aus der Region würden Sie empfehlen?

Schlutzkrapfen. Oft werden sie von Hausfrauen gemacht und frisch in die Gasthäuser geliefert.

Interview: Beate Winterer

Die Reise-Infos zu Obertilliach

Reiseziel: Die 700-Einwohner-Gemeinde Obertilliach liegt im osttiroler Lesachtal, direkt an der italienischen Grenze. Die Bezirkshauptstadt Lienz ist 40 Kilometer entfernt.

Anreise: Die Autofahrt von München nach Obertilliach dauert knapp vier Stunden und verläuft über Kufstein, Kitzbühel, den Felbertauerntunnel und Lienz.

Unterkunft: In Obertilliach gibt es vier Drei-Sterne-Hotels. Die meisten Touristen übernachten allerdings in Gasthöfen oder in Ferienwohnungen. Insgesamt sind rund 850 Gästebetten ausgewiesen.

Aktiv: Obertilliach liegt auf einer Höhe von 1450 Metern und gilt als schneesicher. In Obertilliach selbst gibt es das Skigebiet Golzentipp mit vier Schleppliften und einem Sessellift sowie einer 6,5 Kilometer langen Rodelbahn. Langläufer können in Obertilliach auf die 60 Kilometer lange Grenzlandloipe einsteigen. Außerdem gibt es in Osttirol die Skigebiete Silian-Hochpustertal (55 Pistenkilometer, 1100 bis 2400 Höhenmeter), St. Jakob (52 Pistenkilometer, 1400 bis 2525 Höhenmeter), Großglockner-Resort (110 Pistenkilometer, 980 bis 2621 Höhenmeter) und Lienz (40 Pistenkilometer, 686 bis 2278 Höhenmeter). Im Sommer bietet das Lesachtal rund 300 Kilometer Wanderwege. Eine Mountainbikestrecke führt über das Tilliacher Joch nach Italien.

Mehr Infos: Tourismusinfo Obertilliach: Telefon 0043/(0)50 21 23 60, Internet www.osttirol.com

Film & Dreh: Der 24. Film aus der James-Bond-Reihe heißt „Spectre“ und soll im November 2015 in die Kinos kommen. Als Geheimagent James Bond ist zum vierten Mal Daniel Craig zu sehen. Sein Widersacher ist dieses Mal Oscar-Preisträger Christoph Waltz als Franz Oberhauser. In Österreich gibt es neben Obertilliach noch weitere Drehorte: den Rettenbachferner im Ötztal und Altaussee in der Steiermark. Außerdem wird in London, Mexico City, Rom und Marokko gefilmt.

James Bond im Alpendorf

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