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Virtuoser Veranstalter: Rainer J. Beck "komponiert" Opernreisen.

Musik und Lebensart

Der Opernreisende

Es gibt Menschen, die reisen, um Traumstrände zu entdecken, wilde Tiere zu sehen oder hohe Berge zu besteigen. Rainer J. Beck reist für die Musik.

In wenigen Wochen schaut Rainer J. Beck auf sein 50-jähiges Dienstjubiläum als Spezialveranstalter von Opernreisen zurück. Und belohnt sich und seine Kunden mit einem Sahnestück: dem Glyndebourne Opera Festival, sozusagen dem Wagnerhügel Englands.

Herrensitz: Hever Castle früher einmal der Wohnort von Heinrich VIII.

Rainer J. Beck gehört zu den Männern, denen Frauen gerne treu bleiben. Zwei Damen, die eine 80, die andere 67, sind auch heuer wieder mit von der Partie, wenn es vom 8. bis 14. Juni nach Glyndebourne in der Grafschaft Sussex geht. Seit 21 Jahren sind die beiden Kundinnen seines Münchner Reiseunternehmens, das sich auf Opernreisen spezialisiert hat. Er bekommt hinterher oft Briefe, nicht nur von Frauen. „Das war die schönste Reise meines Lebens“ und Ähnliches steht da drin. Da beschließt er dann, noch ein paar Jahre weiterzumachen, obwohl er ja schon 76 ist. „Es gibt auch Dirigenten, die mit 85 noch wunderbar dirigieren“, sagt er und lässt dabei seine grauen Augen jungenhaft blitzen. Die Oper, das ist eine Leidenschaft, die Rainer J. Beck von der Mutter in die Wiege gelegt wurde. „Sie liebte klassische Musik. Ich ging noch nicht einmal in die Schule, da hab ich schon nach den ersten Takten erkannt: „Das ist die dritte Symphonie von Beethoven, der Anfang vom dritten Satz.“

Rainer J. Beck hat nicht Musik studiert, sondern Grafik, was man bis heute seinen liebevoll gestalteten Programmheften ansieht. Aber schon in jungen Jahren ist er mit Freunden im VW-Bus zu neunt durch Europa gereist, in die großen Opernhäuser. Wer ihm den Weg gezeigt hat zu seinem heutigen Beruf? Bei der Frage deutet er mit dem Zeigefinger nach oben und sagt: „Der da oben, das war eine Eingebung.“ Bei einer Maiandacht, an einem strahlenden Tag, habe er beschlossen, fortan Opernreisen für mehr als nur seine acht Freunde zu veranstalten. Das war 1965.

Musik und Lebensart als Gesamtkunstwerk

40 bis 60 Reisen organisiert Rainer J. Beck seitdem pro Jahr, in 29 Länder Europas. Allein 120 italienische Opernhäuser hat Beck mit seinen Gruppen schon besucht, von Bozen bis hinunter nach Sizilien. In vielen ist er nicht nur Gast, er ist da zu Hause, die Intendanten sind seine Freunde, die ihm auch Sonderrechte einräumen. So darf er sich in Ulm schon mal was wünschen, was dann auf den Spielplan genommen wird. Und in Schloss Brunswick in Ungarn wird für seine Gruppen auch außerhalb der Saison aufgesperrt und geheizt.

Wo denn sein liebstes Opernhaus steht? Diese Frage kann er nicht so leicht beantworten. „Das ist für mich reine Stimmungssache. Wenn eine Reise gelingt, wenn die Leute wunderbare Plätze haben, dann ist es für mich gut.“ Europa sagt er, sei für ihn ein Hotel, in Finnland hat er eine, wie er es nennt, „Sprungbrettwohnung“, da will er später mal leben. „Die Verbindung von Musik und Natur dort ist göttlich. Ich glaube sogar, dass die Natur dort Musik ist.“

Was den Unterschied zwischen „normalen“ Opernreisen und denen von Rainer J. Beck ausmacht? Die Ganzheit, dass er nicht einfach von Opernhaus zu Opernhaus, von Konzert zu Konzert reist, sondern dass auch das Ambiente stimmt. Die stilvollen Unterkünfte in Schlössern, die noblen Speisesäle, das Dinner – alles fügt sich zu einem Kunstwerk. Bis ins letzte Detail. Wie ein Dirigent hat er das Gespür für die feinen Nuancen. Wenn in Ungarn ein Sandsturm aufkommt, spielt er seinen Gästen im Bus Dvorák vor, wenn sie nachts von Brunswick heimfahren, dann erklingt im Kopfhörer Beethovens Mondscheinsonate. Und beim Gutenachttrunk erzählt Beck seinen Gästen die Geschichte von der unerfüllten Liebe Beethovens zur Tochter des Gutsbesitzers von Brunswick. „Seine Briefe an die Geliebte, sie haben ihr gegolten.“

Rainer J. Becks Bus hat nicht nur Kopfhörer, er hat auch Tische. Und das hat mit Glyndebourne zu tun, wo er im Juni hinreisen wird. Damit und mit seinem Hang zur perfekten Organisation. „Das Opernhaus dort“, erklärt er, „hat 1100 Plätze, das Restaurant nur 400.“ Aber der Park biete ein traumhaftes Ambiente für ein englisches Picknick. Allerdings: „Wenn Petrus duschen will, dann versinkt man im Morast.“ Es sei denn, man ist mit Becks Opernreisen unterwegs. Dann isst man gemütlich direkt vor dem Opernhaus im Bus – bei Kerzenschein und auf Damasttischdecken. Der Mann ist für alles gewappnet. Und dann erzählt er noch die Geschichte, wie er von Hever Castle kommend vor dem Opernhaus von Glyndebourne mit seiner Gruppe in fünf Rolls Royce vorfuhr, während Prinz Charles mit dem Hubschrauber im Park landete und zu Fuß über die Wiese gehen musste.

In Hever Castle werden sie auch diesmal wohnen. Sie werden im Speisesaal vom Heinrich VIII. dinieren, werden durch den Garten mit seinen 3000 Rosenstöcken flanieren. Es gibt Champagner und Canapés, alles mit Stil. Ein Gesamtkunstwerk diese Reise, wie jede, die Rainer J. Beck, der Opernspezialist, komponiert.

Von Christine Hinkofer

Die Reise-Infos

TERMIN Die nächste Opernreise von Rainer J. Beck vom 8. bis 14. Juni führt nach Glyndebourne, in den Süden Englands mit seinen Parks und Herrenhäusern.

AUFFÜHRUNGEN  Auf dem Programm steht ein privates Harfenkonzert in Hever Castle, ein Konzert auf historischen Instrumenten auf dem Herrensitz Finchcock, der heute dem Konzertpianisten Richard Burnett gehört. Er unterhält dort eine kostbare Instrumentensammlung. Am 12. Juni gibt es für die Gruppe ein Privatkonzert im Brighton Royal Pavillon, am 13. Juni ein Konzert mit anschließendem Feuerwerk in Hampton Court. Wichtigster Programmpunkt ist die Aufführung von Georges Bizets Carmen beim Glyndebourne Opera Festival.

RAHMENPROGRAMM Gartenund Schlossführungen, u. a. in Hever Castle, Wisley, Scotney Castle Gardens, im Brighton Royal Pavillon und in der Kathedrale von Canterbury. Gartenpicknicks, Lunches auf den Terrassen von Herrenhäusern und Dinner im Ambiente historischer Speisezimmer. Ausklingen lässt Veranstalter Rainer J. Beck den Abend gerne in einem Musikzimmer bei edlen Getränken (alles inklusive, open Bar).

PREIS Die Reise kostet 7853 Euro inklusive Flügen, Übernachtungen mit Frühstück in Hever Castle, jeweils der teuersten Eintrittskarte für Glyndebourne und Hampton Court, alle Transfers und Privatbesichtigungen, alle Essen inklusive Getränken, Champagnerempfängen und einem privaten Schiffsausflug auf der Themse mit Essen.

INFO/BUCHUNG über Internationale Musikreisen Rainer J. Beck, Hansastraße 17 in München, Tel. 089/574034, im Internet: www.musikreisen-beck.de.

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