Weiße Wiek in Boltenhagen: Aus dem einstigen Militärstützpunkt wurde ein Ferienzentrum mit Yachthafen.
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Weiße Wiek in Boltenhagen: Aus dem einstigen Militärstützpunkt wurde ein Ferienzentrum mit Yachthafen.

25 Jahre Mauerfall

Die Spuren am Ostsee-Strand

Boltenhagen und Kühlungsborn, zwei Bäder an der Ostsee, zwei Orte voller Schicksale. Das eine früher der westlichste Strand der DDR, das andere damals nur 38 Kilometer von der Freiheit entfernt.

Paddeln auf Luftmatratzen war verboten, über den Strand liefen nachts Soldaten im Lichtkegel der Suchscheinwerfer. Geschichte, die heute, 25 Jahre später, nicht verschwiegen werden soll. Wie Einheimische und Urlauber in Boltenhagen und Kühlungsborn dem Tag der Deutschen Einheit gedenken:

Urlaub in Boltenhagen, weiter als bis hierhin kamen DDR-Bürger nicht. Aus den Strandkörben schauten sie den Möven und den Fähren gen Schweden hinterher. Ein Hoffnungsschimmer für Republikflüchtlinge. Und damit ein ständiges Sicherheitsrisiko für das DDR-Regime.

Volker Jakobs lässt heute eine Zeit wieder aufleben, in der Baden nur unter Aufsicht und das Paddeln auf Luftmatratzen grundsätzlich verboten war. In der nachts der Strand gesperrt wurde und die Lichtkegel der Suchscheinwerfer kilometerweit über Sand und Meer irrten. Er veranstaltet Fahrradtouren auf den Spuren der Geschichte. Zum Gedenkstein für die DDR-Flüchtlinge an der Seebrücke, zu einem früheren Stasi-Wachturm, zu einem geheimnisvollen Kontrollweg und zu den sogenannten Hundelaufanlagen an der Grenze. Dabei erzählt der 42-jährige Jakobs, hauptberuflich Biobauer, von Stasi-Methoden und Fluchtversuchen, aber auch von jungen Grenzsoldaten, die schon mal verständnisvoll wegguckten, wenn nachts ein verliebtes Paar im Strandkorb knutschte.

Jakobs’ Radtour führt auch in den Osten Boltenhagens, nach Tarnewitz. Zur Nazizeit diente die Halbinsel als Flugzeugbewaffnungs-Erprobungsstelle, danach kamen erst die amerikanischen, dann die russischen Besatzer und zuletzt kam die DDR-Seepolizei. Heute befindet sich auf dem einstigen Militärgelände das Ferienresort Weiße Wiek mit zwei Hotels und einem Yachthafen, den Rest hat sich die Natur zurückerobert.

Mahnmal mit bester Aussicht: Der Grenzturm am Strand von Kühlungsborn.

70 Kilometer von Boltenhagen entfernt liegt Kühlungsborn an der Ostseeküste. Auch hier sonnten sich zu DDR-Zeiten Urlauber unter ständiger Bewachung. Im Grenzturm an der Strandpromenade hielten Soldaten der „Grenzbrigade Küste“ Ausschau nach Paddelbooten, Kanus und auffälligem Verhalten. Der Turm steht heute noch direkt am Strand von Kühlungsborn. 15 Meter ist er hoch und bietet immer noch einen grandiosen Blick auf die Ostsee. Weshalb er inzwischen nicht nur Mahnmal ist sondern auch beliebtes Ausflugsziel für Urlauber. Als Museum macht er die jüngste deutsche Geschichte authentisch erlebbar.

Manche versuchten von Kühlungsborn aus den Ausbruch. Davon erzählen am 3. Oktober der Nienhagener Bürgermeister Uwe Kahl (flüchtete mit einem Paddelboot 1962), der Arzt Peter Döbler (schwamm 1971 nach Dänemark) und der Kühlungsborner Hanno Berg, dessen Flucht im Oktober 1971 scheiterte und mit drei Jahren Haft bestraft wurde. Wie es auf der anderen Seite zuging, von politischen Vorgaben und menschlichen Zweifeln, berichtet der ehemalige Grenzsoldat Andreas Krechlok.

Nur zwei von ehemals 27 Grenztürmen des Typs BT11 stehen heute noch. Den Kühlungsborner Turm rettete 1990 der damalige Bürgermeister Knut Wiek vor dem Abriss. Er ist heute Vorsitzender des Vereins Grenzturm e.V.

tz

Die Reise-Info zu Boltenhagen

REISEZIEL Boltenhagen liegt etwa 30 Kilometer östlich der Hansestadt Lübeck an der Ostseeküste. Von Boltenhagen nach Kühlungsborn fährt man auf der B 105 etwa 70 Kilometer die Küste entlang in östlicher Richtung.

RADTOUR Volker Jakobs veranstaltet in Boltenhagen Radtouren auf den Spuren der Geschichte. Dauer: ca. drei Stunden inklusive Pause. Treffpunkt an der Kurverwaltung um 11 Uhr. Kosten: 11 Euro, für Kinder bis 14 Jahre 6 Euro. Termine: 1., 11., 15., 22. und 29. Oktober. Die Tour ist inhaltlich für Erwachsene und Kinder ab ca. neun Jahren geeignet, kleinere Kinder dürfen gern mitfahren. Weitere Informationen: Ostseebad Boltenhagen, Kurverwaltung, Tel. 038825-36 012, www.boltenhagen.de.

Grenzturm am Strand von Kühlungsborn

TURMTREFFEN „1989 – Die Ostsee ist wieder frei!“ Unter diesem Motto lädt der Verein Grenzturm in Kühlungsborn am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, zu einer Begegnung mit Flüchtlingen und Fluchthelfern im Grenzturm an der Ostseeallee 1a. Beginn: 19 Uhr. Weitere Informationen über Touristik-Service-Kühlungsborn, Tel. 038293/849-0, www.kühlungsborn.de.

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