In St. Leonhard trainiert die deutsche Nationalmannschaft.
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In St. Leonhard trainiert die deutsche Nationalmannschaft.

Trainingscamp Passeiertal

Jogi Löw setzt auf Kraft durch Kaiserschmarrn

Er war ein aufrechter Mann, stolz und stark, einer, der die Massen begeistern konnte. Auf dass sein Geist die Mannschaft eint: Im Passeiertal, der Heimat von Freiheitskämpfer Andreas Hofer...

...will Bundestrainer Jogi Löw seine Jungs vom 21. bis 30. Mai auf die WM vorbereiten. Christine Hinkofer sprach mit dem dortigen Tourismusdirektor Christian Staffler (32). Wie er die prominenten Gäste gewinnen konnte, wie man sich im Tal auf sie vorbereitet und was das Passeiertal Urlaubern zu bieten hat, die keine Fußballstars sind.

Herr Staffler, sind Sie Fußballfan?

Wenn es um die WM oder eine Europameisterschaft geht schon, ansonsten bin ich nicht so Fußball-begeistert.

Auf wen von der deutschen Nationalmannschaft freuen Sie sich besonders, von wem werden Sie sich ein Autogramm besorgen?

Am meisten beeindruckt mich Jogi Löw, der Cheftrainer. Das ist ein Mann, der es versteht, seine Truppe auf ein Großereignis einzuschwören, davor habe ich Respekt.

Das WM-Training der deutschen Nationalmannschaft in Südtirol hat ja schon Tradition. 1990 mit Franz Beckenbauer als Teamchef in Kaltern, 2010 dann in Eppan. Wie wird man Gastgeber der deutschen Nationalmannschaft?

Wie Sie sagen hat es den Kontakt schon vorher gegeben und das Training in Südtirol hat wohl immer zur Zufriedenheit geendet.

Stimmt, Franz Beckenbauer schwärmte hinterher, die Region habe dem Team die Kraft gegeben Weltmeister zu werden.

Genau, ich glaube, das war die Initialzündung.

Muss man sich als potentieller Gastgeber beim DFB bewerben?

Tourismusdirektor Christian Staffler.

Ja, und es müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Die Spielstätte darf nicht höher als 700 Meter liegen, das Hotel sollte fünf Sterne haben, aber maximal 80 Zimmer. Und die Sportzone darf nicht zu weit entfernt sein. Das konnten wir in St. Leonhard alles erfüllen. Vom Hotel Andreus, in dem die Spieler wohnen, sind es 1,5 Kilometer zum Sportplatz, die können die Spieler auch ohne Mannschaftsbus bewältigen.

Dass das Passeiertal den Zuschlag bekam ist für Sie sowas wie ein Sechser im Lotto?

Ja, diese Chance ist für uns einmalig. Wir erhoffen uns natürlich einen Werbeeffekt, vor allem bei den deutschen Urlaubern.

Wie viele Gäste hat das Passeiertal pro Saison und wie viele davon kommen aus Deutschland?

Letztes Jahr waren es knapp 700.000 Übernachtungen, davon 68 Prozent von deutschen Gästen.

Wie bereiten sich die Leute im Passeiertal auf die Fußballstars vor?

Wir wollen natürlich alle, dass sich die berühmten Gäste bei uns wohl fühlen. Was das Hotel betrifft gibt es genaue Vorschriften. Die Mannschaft wird ihren eigenen Koch mitbringen. Das Haus wird abgeschirmt, und Gäste, die schon gebucht hatten, wurden storniert.

Gab es dadurch Unmut?

Im Gegenteil, die Gäste hatten dafür vollstes Verständnis. Viele sahen sich sogar in ihrer Wahl bestätigt und meinten: Wenn sogar die Nationalmannschaft in dem Hotel wohnt muss es wirklich gut sein.

Ist das Hotel Aureus das einzige Fünf-Sterne-Haus im Passeiertal?

Ja, es gibt noch ein Vier-Sterne-Haus, aber das ist viel größer.

Wie sind sonst die Anteile der Hotelkategorien? Sind Sie eher das Tal der Familienpensionen oder der noblen Wellness-Schuppen?

Der Schwerpunkt liegt schon bei der Drei-Sterne-Familienpension. Dann haben wir noch viele Ferienwohnungen, auch auf dem Bauernhof.

Wird es Zaungäste am Sportplatz in St. Leonhard geben, wenn die Fußballstars trainieren? Und wird sich die heimische Mannschaft ein paar Dribbel-Kunststücke abschauen können?

Nein, das nicht. Es ist ja diesmal erstmalig so, dass auch die U-20-Mannschaft im Trainingslager dabei ist, und die Nationalmannschaft bestreitet ihre Spiele gegen diese Mannschaft. Deshalb gibt es keine Freundschaftsspiele mit unseren Club.

Sind die darüber traurig?

Natürlich wären die hiesigen Vereine an einem Freundschaftsspiel interessiert gewesen, aber wir haben absout Verständnis dafür, dass für die Nationalmannschaft die Vorbereitung auf die WM im Vordergrund steht.

Sportlich kulinarisch, gastfreundlich: In welcher Reihenfolge würden Sie das Passeiertal mit diesen Eigenschaften belegen?

Ich würde alle drei an erster Stelle sehen. Aber wenn ich auswählen müsste würde ich sagen: An erster Stelle steht die Gastfreundschaft, dann die Kulinarik, aber mindestens gleichwertig ist der sportliche Aspekt, das Wandern. Wir haben über 600 Kilometer ausgewiesene Wanderwege.

Welche Urlauber sind schwerpunktmäßig Ihre Zielgruppe?

Vorwiegend Wandergäste und Familien, die gerne immer wiederkommen.

Wie würden Sie die einzelnen Orte im Passeiertal touristisch charakterisieren? Welcher Urlauber fühlt sich wo am wohlsten?

In Riffian gleich oberhalb von Meran herrscht der mediterrane Einfluss vor. Da ist der Genusswanderer richtig, der seine Touren ohne große Steigungen zwischen Apfelblüte und Waalwegen macht. Je weiter man herein kommt ins Tal desto alpiner wird es.

Welche Orte sind für die Familien ideal?

Durchwegs alle. Es gibt überall Sportstätten und Schwimmbäder. In St. Leonhard haben wir auch einen Golfplatz.

Gibt es etwas, was es bei Ihnen nicht gibt?

Das große Rambazama, das gibt es bei uns nicht, die Riesenclubs mit Party die ganze Nacht.

Was sind die Highlights nach den Fußballstars?

Das große Konzert mit Semino Rossi Ende August in St. Leonhard und das Dorffest von St. Martin Anfang September. Da kommen immer eine Menge deutsche Urlauber.

Abschließende Frage: Welche kulinarische Spezialität würden Sie den Fußballern servieren, damit sie sich optimal stärken für die WM?

Das absolute Dopingmittel, das ein Spitzensportler ohne Bedenken genießen kann, ist ein guter Kaiserschmarrn. Der gibt Kraft und Ausdauer!

WOHNEN WIE DIE FUSSBALLSTARS

Andreus Golf & Spa Resort in Südtirol St. Leonhard.

Jogis Jungs wohnen während ihres Trainings im Passeiertal im Fünf-Sterne-Sporthotel Andreus in St. Leonhard. Vor und nach deren Aufenthalt kann man dort das Vier-Nächte-Arrangement „Schlafen wie die Stars“ mit Verwöhnpension und Fitnessprogramm ab 681 Euro pro Person buchen sowie ein zusätzliches Golfpaket ab 49 Euro. Ein Pfingst-Special (sieben Übernachtungen), gültig ab 5. bis 22. Juni, kostet 1134 Euro pro Person. Infos und Buchung im Hotel unter Tel. 0039/0473-491330, www.andreus.it.

Reise-Infos zu St. Leonhard - Passeiertal

REISEZIEL Das Passeiertal erstreckt sich entlang der Passer, einem Seitenarm der Etsch, nördlich von Meran bis hinauf zum Timmelsjoch an der Grenze nach Österreich. Hauptorte sind St. Leonhard, Riffian, St. Martin, Hinterpasseier, Moos und Pfelders.

ANREISE mit dem PKW über den Brenner und die Schnellstraße bis Ausfahrt Meran Süd, von dort Richtung Jaufenpass/Timmelsjoch. Insgesamt 300 Kilometer. Neben PKW und Bahn gibt es den Meraner Land Express. Der Bus fährt jeden Mittwoch und Samstag um 14 Uhr ab dem Zentralen Omnibusbahnhof in München via Meran ins Passeiertal. Hin- und Rückfahrt bis St. Leonhard kosten 75 Euro. Buchung unter Tel. 0039/0473-656188.

GESCHICHTE Das Passeiertal war ein historischer Fernhandelsweg, Auf Saumpfaden ging es über das Timmelsjoch vom Ötztal in das obere Inntal und über den Jaufenpass von Sterzing und dem Brenner nach Innsbruck. Strategisch wichtigster Handelsort war St. Leonhard an der Gabelung aller Wege.

WEITERE INFOS beim Tourismusverein Passeiertal in St. Leonhard unter Tel.0039/0473-656188, im Internet: www.passeiertal.it.

Christine Hinkofer

Christine Hinkofer

Christine Hinkofer

E-Mail:Christine.Hinkofer@tz.de

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