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Boot auf dem Nil: Auf eine traditionellen Felukke fahren Besucher auf dem Nassersee in der Nähe von Assuan.

Pharao trifft auf Neuzeit

Eine Kreuzfahrt auf dem Nasser-Stausee in Ägypten führt in die Zeit der Pharaonen vor Tausenden von Jahren – und zugleich zu Höchstleistungen der Ingenieurskunst in den Weiten der nubischen Wüste.

Denn als der Nassersee in den 60er Jahren aufgestaut wurde, galt es, viele der dortigen Tempel vor den Fluten zu retten. Simone Spohr hat die Ramses-Statuen in Abu Simbel besucht.

Leise plätschern die Wellen an die Bordwand, sanft wiegen sie das Schiff hin und her. Die Passagiere sind auf Landgang in Assuan, bevor ihre Reise gen Süden startet.

Ockergelb, tiefrot oder schokoladebraun: Kräftig leuchten die Gewürzberge im grellen Schein der Neonröhren. Ein Bummel durch den Basar entführt in die Tiefen des Orients. Nana-Minze duftet da mit Zimt- und Currypulver um die Wette. Daneben reihen sich die Läden auf: Handgefertigte Alabasterfiguren sind neben Handtaschen und Koffern zu finden, bunte Teppiche

Im "Old Cataract Hotel" in Assuan schrieb Agatha Christie Teile von "Tod auf dem Nil"

neben Tüchern – und natürlich fehlen auch Galabayas nicht, die traditionellen bodenlangen Gewänder. Ein Spaziergang über die Elephantine- Insel führt an nubischen Dörfern vorbei. Durch das Baumgrün fällt der Blick auf das „Old Cataract Hotel“, in dem Agatha Christie Teile ihres Bestsellers„ TodaufdemNil“schrieb. Vermutlich blickte sie dabei auf eine ähnliche Szene, wie sie sich heute darbietet: Unten gleiten Felukken mit geblähten Segeln den Fluss entlang, während die Abendsonne die Elephantine- Insel in goldrotes Licht taucht – kein Wunder, dass die Krimi- Königin ihren Meisterdetektiv Hercule Poirot gerne in diese Landschaft schickte.

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Philosophie auf Hoher See

Leise stampfen die Motoren und lassen das Schiff vibrieren, als es in der Morgendämmerung aus dem Hafen von Assuan gleitet. Der frühe Start ist auch für jeden der folgenden Reisetage typisch: Zuerst gewaltige Denkmäler wie die Tempelanlagen von Kalabscha besichtigen, nachmittags am Schiffspool faulenzen und den Abend unter dem Sternenhimmel ausklingen lassen – so verfliegen die Kreuzfahrttage. Je nach Tageszeit präsentieren sich die mächtigen Sanddünen mal dunkelbraun, mal rötlich, mal gleißend gelb. Leicht lässt sich beim Dahingleiten über den spiegelglatten See vergessen, dass unter der Oberfläche die Heimat von etwa 125 000 Nubiern und etliche antike Schätze begraben liegen. Amada, Wadi es-Sebua und Qasr Ibrim: All diese Denkmäler aus der Pharaonenzeit sind nur noch per Schiff zu erreichen.

Zehn kleine Holzbarkassen durchpflügen morgens um kurz vor 7 Uhr das Wasser, rund zehn Minuten später haben sie das sandige Ufer erreicht. Auch für einige Kameltreiber endete diese Nacht zu früh, erst vier Tiere warten auf Kundschaft. Gemächlich mahlen ihre kräftigen Kiefer die letzten trockenen Grashalme, ungerührt lassen sie die Touristenschar auf dem Weg zum Tempel an sich vorüberziehen.

Über Lehmwege geht es nach Amada, wo Touristenführer Mohamed raten lässt, was die Wandmalereien bedeuten: „Wofür steht der Vogel?“ fragt er zum Beispiel und deutet auf die Hieroglyphen an der Tempelwand. Außer im Hafen von Assuan findet am Nasser-Stausee noch jedes Schiff einen eigenen Anlegeplatz. Auf dem Nil hingegen liegen in der Hochsaison bis zu zehn Schiffe in einer Reihe. Da sind beim An- und Ablegen schon Organisationstalent und beim Kapitän eine ruhige Hand gefragt. Auch sonst unterscheidet sich die Fahrt auf dem See von einer Nilkreuzfahrt. Auf den Uferstreifen am Nil bearbeiten die Bauern die Felder wie vor Generationen mit Spitzhacken, verschleierte Frauen balancieren Lasten auf dem Kopf – die Uferlinie des Nassersees zeigt hingegen beeindruckende Wüste, aber keine menschliche Siedlung. Ein Sprung in den See ist zur Abkühlung nicht ratsam: In den Fluten fühlen sich die Nilkrokodile sehr wohl. Auch die Nilbarsche erreichen in dem klaren Wasser mächtige Ausmaße. Wer gerne angelt, kann auch auf den Kreuzfahrtschiffen versuchen, ob er einen solchen Riesenfisch an den Haken bekommt.

Abu Simbel - der Felsentempel zu Ehren von Pharao Ramses II, wurde im 13. Jahrhundert vor Christus errichtet und ab 1964 wegen der steigenden Fluten des Nassersees auf ein 64 Meter höheres Niveau versetzt.

Abu Simbel ist für alle an Bord der Höhepunkt der Reise. Die Tempelanlage liegt heute rund 60 Meter höher als zu ihrer Bauzeit vor mehr als 3000 Jahren. Wenige Kilometer vor der sudanesischen Grenze arbeiteten in den 1960er Jahren Wissenschaftler und Ingenieure vier Jahre lang daran, den Tempel von Pharao Ramses II. und den kleineren Hathortempel seiner Gemahlin Nefetari vor den Wasserfluten zu retten. Punktgenau drosselt Kapitän Hussein die Geschwindigkeit des Schiffs, in einer kleinen Bucht wirft er den Anker. Was für ein Gefühl, in unmittelbarer Nachbarschaft von Abu Simbel zu ankern! Über einen knapp 200 Meter langen Geröllweg geht es bergan, dann beginnt das Tempelgelände. Nach und nach schält der Sonnenaufgang die Sandstein-Kolosse aus dem Grau der Dämmerung und übergießt sie mit einem leuchtenden Orange, bevor er sie ins Beigegelb des Tages entlässt. In dem Tempel, heute Unesco- Weltkulturerbe, hoffte Pharao Ramses II. göttergleich in alle Ewigkeit zu leben. Einige Jahrtausende ist ihm dies bisher schon gelungen. Alle vier Felskolosse am Tempeleingang tragen sein Gesicht.

Der äußerste Süden Ägyptens: Der Nasser-Stausee reicht von Assuan bis an die Grenze zum Sudan.

Durch eine niedrige Pforte geht es in die erste Pfeilerhalle hinein, in der Sternbilder und riesige Vögel an der Decke funkeln. Zwischen zehn Meter hohen Statuen des Gottes Osiris führt der Weg dann immer tiefer ins kühlere Tempelinnere. Fast lebensecht wirken die Zeichnungen des Pharaos auf den Wänden. Sie zeigen Ramses II., wie er auf seinem Streitwagen den Bogen spannt oder einen Gegner niederstreckt. Immer niedriger senken sich die Decken, immer kleiner werden die Räume, bis der Besucher schließlich im Sanktuarium der heiligen Barke des ewigen Lebens und erneut Ramses, diesmal als Gottheit, gegenüber steht. Zwischen Wasser, Wüste und Himmel scheint die Pharaonenzeit plötzlich lebendig zu sein. Gleichzeitig sind aber auch die Fischer draußen auf dem See zu ihrem Tagesgeschäft aufgebrochen: Sie versuchen, den gefräßigen Krokodilen einige Fische abzujagen.

dpa

DIE REISE-INFOS NASSER-STAUSEE

REISEZIEL Der Nasser-Stausee beginnt bei Assuan in Süd-Ägypten. er staut den Nil auf eine Länge von über 500 Kilometern an, ist bis zu 35 Kilometer breit (Fläche: 5250 Quadratkilometer) und ist benannt nach dem dem damaligen ägyptischen Staatspräsidenten Gamal Abd el Nasser.

ANREISE Flüge von Deutschland nach Assuan erfordern ein umsteigen in Kairo und/oder Luxor.

EINREISE Deutsche benötigen einen Reisepass, der über den Aufenthalt hinaus noch mindestes zwei Monate gültig sein muss. Das Visum gibt es bei der einreise gegen eine Gebühr von 15 US-Dollar (knapp 22 Euro). Auch die Einreise per Personalausweis ist möglich, wenn zwei zusätzliche Passbilder mitgebracht werden.

ANGEBOTE Bei dem Ägypten-Spezialisten Oft-Reisen gibt es unter anderem die Schiffsrundreise „Kertassi“, bei der sieben Tage auf dem Nil und sieben Tage auf dem Nassersee gefahren wird – jeweils in Fünfsterne- Schiffen. Im Preis ab 1304 Euro (pro Person in Doppelkabine) sind Flug ab/bis München und Vollpension enthalten. Als Baustein kostet eine siebentägige Kreuzfahrt mit der Ms Jaz Omar el Khayam (Route Assuan–Abu Simbel–Assuan) ab 553 Euro (p. P. in der Doppelkabine, Buchung bis 31. Mai). Im Reisebüro oder bei Oft-Reisen, Tel. 07156/16 11 15, www.oft-reisen.de.

REISEZEIT Die beste Reisezeit für einen Besuch des Nasser-Stausees ist von Herbst bis zum Frühjahr. Im Hochsommer (Juli/August) wird es bei Landausflügen sehr warm.

TEMPEL Am 22. Februar scheint die Morgensonne genau 60 Meter tief in die in Ost-West-Richtung verlaufende Tempelanlage und strahlt die Statuen von Amon, Ramses II und Ra-Horakhty an. Dieses Phänomen heißt „Das sonnenwunder von Abu Simbel“ und dauert rund 20 Minuten.

WÄHRUNG Ein Euro sind knapp acht ägyptische Pfund (EGP). INfo Ägyptisches Fremdenverkehrsamt, Kaiserstraße 66, 60329 Frankfurt, tel. 069/25 21 53, www.egypt.travel

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