Viel Natur für wenig Geld: Wer sich auf das Abenteuer Überführungsfahrt einlässt, kann richtig sparen.
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Viel Natur für wenig Geld: Wer sich auf das Abenteuer Überführungsfahrt einlässt, kann richtig sparen.

Für einen Dollar

Camper-Überführungsfahrten sind Trend in USA

Amerika. Hier ist alles möglich. Auch Wohnmobil-Urlaub ab einem Euro pro Woche. Das versprechen zumindest Angebote für sogenannte Überführungsfahrten.

Dabei bringt der Urlauber ein fabrikneues Fahrzeug vom Herstellungsort zur Vermietstation. Reisetermin dafür ist meist das Frühjahr, doch jetzt bringen die Veranstalter die Angebote auf den Markt. Und da heißt es: Wer zuerst kommt, fährt zuerst – und vor allem günstig.

Wohnmobil-Überführungen locken vor allem mit besonders günstigen Preisen. Während die normale Miete für zwei Wochen in der Hauptsaison bei mehreren Tausend Euro liegen kann, liegen die Specials oft weit darunter. Die Preise unterscheiden sich aber von Veranstalter zu Veranstalter. „Jeder Vermieter hat andere Kosten beziehungsweise Inklusivleistungen“, betont Karen Prante vom Team Campmobile USA/Kanada beim Veranstalter Dertour. Dertour tritt neben anderen Reiseveranstaltern in Deutschland als Vermittler für amerikanische Wohnwagenhersteller wie Road Bear, Moturis, Apollo oder El Monte auf und hat unter anderem die Vermittlung von Wohnwagenüberführungen im Programm. Der Reiseveranstalter Canusa Touristik in Hamburg bietet die Schnäppchen sowohl in den USA als auch in Kanada an.

Abenteuer Überführungsfahrt

Wer eine Überführung bucht, muss flexibel in der Fahrstrecke und beim Termin sein“, erklärt Michael Thoss vom Anbieter usareisen.com aus dem rheinland-pfälzischen Dienheim. Auch er listet für seine Kunden die Fahrten von insgesamt acht Anbietern in den USA und Kanada auf.

Man sollte diese Angebote auf alle Fälle über einen deutschen Vermittler buchen, rät Thorsten Koch vom Verein Abenteuer Wohnmobil. In einem Streitfall sei so der Gerichtsstand in Deutschland. Außerdem wichtig: ausreichender Versicherungsschutz. Unter Umständen ist eine Zusatzhaftpflichtversicherung nötig, meint der Experte, der auf der vereinseigenen Internetseite Wohnmobil-Neulinge und -Freunde zu Fragen rund um die Urlaubsform berät.

Bei Dertour werden Überführungsfahrten oft von Wiederholungstätern gebucht, die zuvor schon einen oder mehrere Wohnmobil-Urlaube gemacht haben. Ausgangspunkt sind meist die großen Wohnmobil-Fabriken im Raum Chicago. Die Zielorte können dagegen sehr stark variieren. „Das ist von Vermieter zu Vermieter unterschiedlich“, so Karen Prante von Dertour. Die häufigsten sind Florida, Colorado, Las Vegas und Kalifornien mit Los Angeles und San Francisco.

Immer aber ist der Weg das Ziel. Und dabei muss man wissen, auf was man sich einlässt. Von Chicago nach San Francisco beträgt die Strecke zum Beispiel 2000 Meilen, rund 3200 Kilometer. „Muss man diese in sieben Tagen runterreißen, hat das mit Urlaub nicht viel zu tun“, sagt Thorsten Koch. Für touristische Highlights neben der Strecke bleibt da keine Zeit. Der Experte nennt damit zwei der wichtigsten Kriterien, die Urlauber bei der Buchung einer Wohnmobil-Überführung beachten sollten: die Dauer, die für die Überführung veranschlagt ist. Und die Anzahl der Freimeilen.

Meist beinhaltet der Preis 2500 Freimeilen. „Hat man mehr Meilen gefahren als vertraglich vereinbart, so zahlt man für jede Meile extra“, so Koch. Der Urlauber sollte sich daher vorab überlegen, was er auf seiner Fahrt wirklich sehen will. Wer auf der Strecke von Chicago nach Los Angeles Abstecher zu Highlights wie Grand Canyon, Las Vegas oder den Nationalparks plant, für den wird es schnell teuer. Da mache es oft mehr Sinn, den Wagen regulär zu mieten und auf ein Frühbucher-Special zu setzen. „Beachten sollten Kunden außerdem, dass noch Benzin- und Campingplatz-Kosten hinzu kommen“, ergänzt Sandra Kaufmann von Canusa.

Auch die Jahreszeit spielt bei den Überführungsfahrten eine Rolle. „Meist sind die Fahrten im Frühjahr – März oder April“, so Karen Prante von Dertour. Familien mit schulpflichtigen Kindern scheiden daher von vornherein als Kunden aus. Außerdem sei es dann in den Übernahmeorten oft noch entsprechend kalt. Da könne man zum Beispiel auf dem Weg durch die Rocky Mountains vom Schnee überrascht werden. „Dann kann das Fahren eines Wohnmobils zum Albtraum werden“, sagt Thorsten Koch. Bei Temperaturen im Minusbereich dürfen außerdem die Wassertanks des Wohnmobils nicht befüllt werden, weil das Leitungssystem durch den Frost zerstört werden kann. Schäden, für die im Fall der Fälle der Mieter haftet.

Wohnmobil-Experte Thorsten Koch macht noch eine weitere Einschränkung, die der Urlauber bei der Buchung eines solchen Schnäppchen-Urlaubs bedenken sollte. „Bei den Fahrzeugen handelt es sich um Neuwagen. Und die USA haben nicht die Fertigungsstandards der europäischen Wohnmobilbauer.“ Es könne durchaus passieren, dass man den einen oder anderen Werkstattbesuch einplanen müsse.

Die Angebote für Wohnmobil-Überführungen sind dennoch bei allen Anbietern meistens in kürzester Zeit vergriffen. „Diese Specials sind bei uns sehr beliebt und teilweise wirklich schnell ausgebucht“, bestätigt Sandra Kaufmann von Canusa Touristik. Dertour gibt die Angebote tagesaktuell an die Reisebüros. Kunden können dann direkt vor Ort buchen. Die Anzahl der Überführungsfahrten variiert dabei jede Saison, „je nachdem, was die Vermieter an neuen Fahrzeugen kaufen“, erläutert Karen Prante. Michael Thoss von usareisen.com legt deshalb im Vorfeld Interessentenlisten an. Die USA bieten dem Campmobilfahrer zwar unbegrenzte Möglichkeiten – aber eben keine unbegrenzte Auswahl. Schon gar nicht, wenn’s günstig sein soll.

Nicole Jankowski

Die Reise-Infos

VERANSTALTER Wohnmobil-Überführungsfahrten in den USA und Kanada werden in Deutschland unter anderem von Canusa Touristik in Hamburg sowie von ADAC-Reisen und Dertour angeboten.

ROUTEN Meist starten die Touren in den großen Wohnmobil-Fabriken im Raum Chicago. Die Klassiker-Routen führen von hier nach Florida oder an die Westküste der USA, nach Los Angeles und San Francisco. Es gibt auch Touren, die in New York starten.

REISEZEIT Die meisten Überführungsfahrten werden im Frühjahr angeboten. Familien mit schulpflichtigen Kindern scheiden deshalb als Kunden meist aus. Beim Zeitfenster sollten Urlauber die Strecken berücksichtigen, die zu bewältigen sind. Der Weg von Chicago nach San Francisco zum Beispiel ist mehr als 3000 Kilometer lang. 14 Tage Fahrtzeit sind dafür das Minimum, und selbst dabei kann von Urlaub nicht wirklich die Rede sein. Für touristische Abzweige bleibt da kaum Spielraum.

NEBENKOSTEN Selbst zu tragen sind bei den Überführungsfahrten Benzinkosten und Campingplatz-Standmiete, Eventuell ist eine Zusatz-Haftpflichtversicherung nötig. Der Überführungsvertrag beinhaltet in der Regel 2500 Freimeilen, jede weitere Meile muss am Ende abgerechnet und bezahlt werden. Die Preise unterscheiden sich von Veranstalter zu Veranstalter. Jeder Vermieter hat andere Kosten beziehungsweise Inklusivleistungen,

WEITERE INFOS Thorsten Koch vom Verein „Abenteuer Wohnmobil“ gibt Tipps für Wohnmobilfahrer auf seiner Internetseite www.womo-abenteuer.de.

„Für sowas muss man schnell sein“

Fragen an Horst Engel, Camper-Spezialist und Produktmanager bei ADAC-Reisen und Dertour.

Herr Engel, gibt es die Überführungsfahrt durch die USA für nur einen Dollar wirklich?

Ja, solch ein Angebot gab es wirklich beim Vermieter Road Bear. Allerdings war es nur gültig für eine Woche Mietzeit. Das ist in der Regel zu kurz bei den großen Entfernungen in den USA.

Was kostet eine Campmobil-Überführungsfahrt günstigstenfalls, wenn man sie über Dertour bucht?

Inklusive Versicherungen haben wir die Fahrzeuge für 29 Euro angeboten. Die zweiwöchige Miete hat dann 299 Euro gekostet. Das Angebot kam im Juli 2013 für die Saison 2014 auf den Markt.

Kann ich dabei meine Route frei wählen oder muss ich mich gegebenenfalls nach dem Vermieter richten?

Die Route kann immer frei gewählt werden.

Wie oft wird bei Dertour so eine Überführungsfahrt gebucht, welchen prozentualen Anteil hat sie bei den gesamt gebuchten Wohnmobilreisen in den USA?

Der Anteil ist relativ gering. Es kommen aber immer mehr solcher Angebote auf den Markt. Viele Kunden beziehungsweise auch manchmal die Reisebüros kennen diese Specials leider nicht.

Welche Voraussetzung müssen Fahrer solcher Überführungsfahrten erfüllen, was den Führerschein oder das Mindestalter betrifft.

Wie bei einer regulären Anmietung: Der Fahrer muss mindestens 21 Jahre alt sein und Führerschein-Klasse 3 bzw. B haben.

Gibt es eine Hauptsaison für solche Überführungsfahrten bzw. eine Nebensaison, in der ich leichter zu so einer Fahrt komme?

Die Specials werden nur im Frühjahr angeboten, damit die Fahrzeuge zur Hauptsaison in den Mietstationen vorhanden sind.

Wie viel muss ich an Nebenkosten/Versicherung rechnen?

Auch hier alles wie bei einer regulären Anmietung. Versicherungen sind eingeschlossen. Benzinkosten in den USA derzeit 70 bis 80 Cent pro Liter.

Auf welcher Route werden die meisten Überführungsfahrten angeboten?

Horst Engel, Camper-Spezialist und Produktmanager bei ADAC-Reisen und Dertour.

Die Fabriken befinden sich im Osten der USA (Bundesstaat Indiana, 200 Kilometer von Chicago). Dort ist Anmietung, die Rückgabe hauptsächlich im Westen (Denver, Las Vegas, Los Angeles, San Francisco), teilweise aber in New York oder Florida. Der Vermieter Cruise Canada bietet solche Touren auch teilweise ab Toronto bis Calgary oder Vancouver an.

Buche ich die Überführungsfahrten besser im Internet oder im Reisebüro?

Im Reisebüro, dort erhält man eine umfassende Beratung zur gesamten Reise, also auch zu Flügen, Hotelübernachtungen vor/nach dem Wohnmobil-Trip usw. Wichtig: die Angebote kommen meist ab Juli/August auf den Markt und sind relativ schnell ausgebucht.

Interview: Christine Hinkofer

Christine Hinkofer

Christine Hinkofer

E-Mail:Christine.Hinkofer@tz.de

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