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Abendhimmel über der Ruine von Eldena: Caspar David Friedrich hat das Motiv immer wieder variiert.

Mecklenburg-Vorpommern

Wo die Romantik in Deutschland zu Hause ist

Romantik ist ein großes Wort. In der deutschen Kunstgeschichte fängt sie in ein paar kleinen Städten ganz im Nordosten an: Wolgast, Ludwigsburg und Greifswald.

Es sind die Geburtsorte von drei guten Freunden: Philipp Otto Runge, Friedrich August von Klinkowström und Caspar David Friedrich. Eine Reise auf den Spuren der Künstler in Mecklenburg-Vorpommern.

Wolgast

Das kleine Wolgast liegt ganz im Nordosten des Bundeslandes. Philipp Otto Runge wurde hier geboren, einer der bedeutendsten Künstler der deutschen Romantik. Das spätbarocke Wohnhaus, in dem er 1777 zur Welt kam, steht noch und ist heute ein Museum, das an ihn erinnert. „Die Romantik ist schließlich ein Pfund, mit dem wir wuchern können“, sagt Barbara Roggow, Leiterin der Museen der Stadt Wolgast. Wolgast sei sogar die heimliche Hauptstadt der Romantik, pflichtet ihr Bürgermeister Stefan Weigler bei. „Denn der eigentliche Begründer der Romantik war Runge, nicht Caspar David Friedrich. Der hat sich das nur abgeguckt.“

Das sieht man in Friedrichs Heimatstadt Greifswald sicher anders. Aber Wolgast widmet sich mit umso mehr Elan dem tragischen Leben Runges: Er starb schon mit 33 Jahren, war bis dahin viele Jahre krank und oft sogar bettlägerig. „Aber er hat uns viele tolle Sachen hinterlassen“, erzählt Roggow beim Rundgang durchs Museum. Er hat nicht nur gemalt, er hat auch Spielkarten gestaltet und ähnlich wie die Brüder Grimm Märchen gesammelt und aufgeschrieben.

Ludwigsburg

Schloss Ludwigsburg gehörte einst den pommerschen Herzögen und wurde Ende des 16. Jahrhunderts als Witwensitz erbaut. Freunde der Romantik interessiert das meistens nur am Rande. Spannender ist für sie die Tatsache, dass Friedrich August von Klinkowström hier geboren wurde und aufgewachsen ist - ein guter Kumpel von Runge und Friedrich. Der erste überredete Klinkowströms Vater, den Sohn Künstler werden zu lassen.

Heute führt Christel Schmidt durch das Schloss. Im Obergeschoss gibt es eine kleine Ausstellung mit Informationen zu den drei befreundeten Künstlern. Schmidt, Mitte 70, ist eine alte Pommerin, Enkelin eines Fischers, der mit dem Gutsherren befreundet war, wie sie erzählt.

Greifswald

Birte Frenssen zögert nur kurz: „Ich denke, hier muss er gestanden haben!“ Am Horizont ist die Silhouette von Greifswald zu sehen. Der Domturm wirkt allerdings deutlich kleiner als auf dem Ölgemälde von Caspar David Friedrich, das heute „Wiesen bei Greifswald“ heißt. Und die beiden Windmühlen am linken Bildrand sind verschwunden. Die Pferde, die auf dem Bild so ausgelassen herumspringen, sieht man natürlich auch nicht. Aber sonst: Doch, das muss die Perspektive sein, aus der der berühmte Maler seine Geburtsstadt auf die Leinwand gebracht hat. Frenssen ist sich ziemlich sicher, und sie kennt sich aus: Im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald ist sie die Friedrich-Expertin.

Die zweite wichtige Adresse für Romantikliebhaber in Greifswald ist das Caspar-David-Friedrich-Zentrum. Das Haus nicht weit vom Dom beherbergte lange die „Rote Drogerie“ und war bis 1978 im Besitz der Friedrich-Familie, sagt Susanne Papenfuß, Geschäftsführerin des Museums. Caspar David ist in dem Haus geboren, das bis 1901 dort stand. Es hat ein breites Schaufenster zur Langen Straße hin. Heute leben keine direkten Nachfahren mehr in der Universitätsstadt.

Im Keller sind die nackten Backsteinmauern und -gewölbe noch zu sehen und die groben Feldsteine in den Außenwänden der ehemaligen Seifensiederei. Ein großer Kessel steht dort in einem der Räume, in dem Friedrichs Vater seinem Handwerk nachging. „Das war harte Arbeit“ erzählt Susanne Papenfuß. „Und beim Seifensieden stank es schrecklich.“

Von Andreas Heimann, dpa

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