Zwei Tage, zwei Städte: Zu Besuch in London und Edinburgh.
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Zwei Tage, zwei Städte: Zu Besuch in London und Edinburgh.

Rule, Britannia! 

Zwei Tage, zwei Städte: London und Edinburgh

Beatles, Bärenfellmütze und Bitter oder doch lieber Dudelsack, Kilt und Whisky? England und Schottland – zwei Länder, wie sie eigentlich unterschiedlicher nicht sein könnten...

...und doch sind beide Teil eines vereinigten Königreichs. London und Edinburgh. Zwei Tage, zwei Städte.

Egal, ob in England oder Schottland: Das Thema Frühstück ist in Großbritannien immer eine Herausforderung. Gut, dass ich mit George verabredet bin – einem Kommilitonen aus Universitätszeiten. Er lebt und arbeitet seit vielen Jahren in London und weiß, wo man in der Metropole an der Themse frühstückstechnisch am besten bedient ist. Er sagt: 200 Meter über dem Erdboden.

Im höchstgelegenen Restaurant des Vereinigten Königreichs, dem Duck & Waffle. Oben angekommen offenbart sich uns ein von drei Seiten verglaster Raum, der von einer offenen Küche dominiert wird. Augen habe ich allerdings erst einmal nur für die Aussicht. Unbeschreiblich, fantastisch, atemberaubend. Im 40. Stock des Heron Towers wird schon vor dem erstem Mahl des Tages eine Aussicht serviert, die ihresgleichen sucht: London, sein geschäftiges Treiben und all die Sehenswürdigkeiten liegen uns zu Füßen.

Everybody’s Darling

Museen, Plätze, Wahrzeichen. Sicherlich kann jeder spontan eine Handvoll der Spots nennen, die man in London City gesehen haben muss. Ein Glück, dass viele der wichtigsten Sehenswürdigkeiten im Stadtkern nah zusammenliegen, sodass man einfach von A nach B spazieren kann.

Sonnenuntergang in London mit Blick auf das Houses of Parliament.

Meine Tour starte ich direkt am berühmten Trafalgar Square. Als größter Platz Londons gilt er als Herzstück der Stadt und ist bereits seit dem Mittelalter ein zentraler Versammlungsort. In seiner Mitte befindet sich die berühmte Nelson-Säule, die die Engländer zu Ehren des gefallenen Admirals nach dem Sieg über die Franzosen und Spanier in der Schlacht um Trafalgar errichteten. Wer etwas mehr Zeit mitbringt, sollte unbedingt einen Abstecher in die National Gallery am nördlichen Ende des Platzes wagen. Hier gibt es eine herausragende Sammlung westlicher Malerei vom 13. bis zum frühen 20. Jahrhundert zu sehen – inklusive regelmäßig stattfindender Sonderausstellungen.

Zu Fuß geht es weiter in Richtung der bezaubernden Westminster Abbey sowie zum House of Parliament mit dem weltbekannten Big Ben. Über die Westminster Bridge gelange ich zum London Eye, das mit einer Höhe von 135 Metern eine atemberaubende Aussicht auf die Metropole ermöglicht. Allerdings sollte man die Fahrt mit dem Riesenrad vorher online buchen, um lange Wartezeiten zu vermeiden.

Da ich nicht vorab reserviert habe, gehe ich direkt über zum nächsten Programmpunkt. George hat mir den Camden Market empfohlen. Ein Markt, der eigentlich aus sechs Märkten besteht, die nahtlos ineinander übergehen.

Mein Tipp: Camden Lock Market und Stables Market. Hier geht es flohmarkttypisch zu – mit allem, was dazugehört: von Second-Hand-Kleidern über Retro-Möbel und Kitsch bis hin zu exklusiven Antiquitäten. Das Angebot scheint schier unendlich. Der Besuch von Camden Market ist vor allem unter der Woche zu empfehlen; an Wochenenden ist es hier gern so voll, dass die U-Bahn-Station Camden Town dichtmachen muss.

Wie verhext

Nachdem ich mich an einem der unzähligen Essensstände in Camden gestärkt habe, führt mich mein Weg am Nachmittag gut 30 Kilometer außerhalb Londons in die Warner Bros. Studios. Hier erwartet mich eine Tour durch die Sets und die Stationen der Entstehungsgeschichte der magischen Harry-Potter-Filme. So wird alles, was Harry und seine Freunde in den Büchern und Filmen erlebt haben, real erlebbar: die Große Halle, Dumbledores Büro, Hagrids Hütte, zahlreiche Requisiten und Kostüme. Fehlt eigentlich nur noch der richtige Zauberstab …

Zurück in meinem Hotel, The Savoy London, nutze ich den Rest des Tages für eine ausgiebige Entdeckungstour im Haus. Das Savoy ist mehr eine Institution als ein Hotel. Allein über 100 Dinge wurden an diesem Ort erstmals umgesetzt. So zum Beispiel der erste elektrische Lift in einem Hotel. Dieser ist übrigens immer noch im Einsatz und bringt mich hinunter ins Thames Foyer. Hier hängen schwere Kristallleuchter von der Decke, der Wintergarten steht unter einer Dachkuppel aus Glas und nebenan ist die Champagnerbar Beaufort teilweise mit Blattgold beschichtet. Ich bevorzuge allerdings für meinen Nightcup die American Bar im Haus. Die älteste Cocktailbar in Großbritannien war schon Anziehungspunkt für Marlene Diedrich, Winston Churchill und viele weitere Persönlichkeiten der letzten Jahrzehnte. Die passenden Geschichten dazu kann einem der Chef-Barkeeper Erik erzählen. Der mit vielen Preisen ausgezeichnete Slowake ist mittlerweile auch Berater der Barszenen in den letzten James Bond Filmen. Na dann – Cheers, London!

Der Charme der Schotten

Edinburgh und das Edinburgh Castle.

Der nächste Morgen beginnt früh und führt mich eine gute Flugstunde weiter gen Norden – nach Edinburgh. Dort sollte man sich festes Schuhwerk anziehen, verrät schon der Stadtführer. Denn: Der Stadtkern ist zwar nicht besonders groß, doch es geht über schier endlose Stufen und Schrägen. Wer es bequemer mag, kann die rote Bustour durch die Stadt buchen: An allen Sehenswürdigkeiten besteht hier immer wieder die Möglichkeit, ein- und auszusteigen. On top gibt es viele Geschichten und Details rund um die Stadt an der schottischen Ostküste. Alternativ lässt sich aber auch einfach mit den Locals ins Gespräch kommen – die sicherlich den einen oder anderen Insidertipp parat haben. Zum Beispiel erfahre ich den Grund, warum so mancher Fußgänger vor dem Westtor der St. Giles’ Cathedral auf ein großes Mosaikherz im Asphalt spuckt.

Der Brauch geht auf das 15. Jahrhundert zurück. Damals stand dort ein Gefängnis, vor dem abgeschlagene Köpfe ausgestellt wurden. Das Spucken war ein Ausdruck des Protests. Ins Hier und Jetzt gelangte das Ritual dank Sir Walter Scott; er erwähnte den grausigen Kerker in seinem Roman „The Heart of Midlothian“. Da einer der Fußballclubs Edinburghs den Romantitel als Vereinsnamen führt, spucken nun die Fans des Lokalrivalen „Hibernian Edinburgh“ auf das „Herz“.

Gassen, die Geschichte atmen

Für alle Besucher empfiehlt sich ein Besuch des Edinburgh Castle. Vorbei am Friedhof der St. Cuthbert’s Church geht es auf die Burg, die auf einem erloschenen Vulkankegel thront. Die mächtige Burganlage blickt auf eine lange, wechselvolle Geschichte aus Belagerung, Zerstörung und Wiederaufbau zurück. Führt man sich allein die Anzahl der Auseinandersetzungen mit England vor Augen, überrascht es, wie die Abstimmung zur Unabhängigkeit ausgefallen ist.

Klassisches Motiv: Dudelsackspieler im Schottenrock.

Wem keine Zeit für einen ausführlichen Schlossrundgang bleibt, der kann immerhin den wundervollen Ausblick auf die Stadt genießen – und neue Ziele auswählen. Wie wäre es beispielsweise mit Old Town – der Altstadt direkt unterhalb vom Castle? Von der Royale Mile, dem Herzstück der Old Town in Edinburgh, führen immer wieder verschlungene Wege und düstere Gassen ab und zeugen noch heute von einer spannenden Zeit. Für alle, die neben den überirdischen architektonischen Zeitzeugen an besonderen Stadttouren interessiert sind, sei die „Mary King’s Close“ zu empfehlen: Die Tour führt durch den Untergrund Edinburghs; in ein verwirrendes Labyrinth aus unzähligen Gässchen, Straßen, Schächten und Geheimgängen. Sehr anschaulich wird bei diesen Führungen die Geschichte der Stadt erzählt, die mehrfach von Hungersnöten, Pest und Krieg heimgesucht wurde.

Lesestoff

Eine Stadt, die 2004 von der UNESCO zur ersten Weltstadt der Literatur ernannt wurde, bietet natürlich auch passende literarische Touren. Auf diesen lässt sich erkunden, wo manche Romanvorlage ihren Ursprung hatte – wie zum Beispiel die Figur des Piraten mit dem Holzbein, Long John Silver, in Robert Louis Stevensons Roman „Die Schatzinsel“. Komprimierter lässt sich all das im Writers’ Museum „erlesen“: Das Haus zeigt Leben und Werke der großen Schriftsteller, die Edinburgh hervorgebracht hat. Darunter auch Sir Arthur Conan Doyle, der geistige Vater von Sherlock Holmes. Aber auch zeitgenössische Autoren wie Irvine Welsh („Trainspotting“) oder die Harry-Potter-Erfinderin Joanne K. Rowling finden sich hier. Eine Stadt – so viele berühmte Literaten: Liegt es vielleicht am Whisky?

Auch neu ist alt

Wo es eine „Old Town“ gibt, muss natürlich auch ein neuerer Stadtteil existieren. Allerdings entstand „New Town“ auch schon um 1820, was die Aussage bestätigt, dass Edinburgh eigentlich eine große Theaterkulisse ist. Die gregorianische Neustadt setzt sich aus einheitlichen Drei-Etagen-Fassaden zusammen. Neoklassizistische Villen als Reihenhäuser, umgeben von stillen Plätzen und kleinen Parkanlagen aus einer Zeit, als die Könige aus dem Hause Hannover alle George hießen.

Hier befindet sich auch mein Boutique Hotel Nira Caledonia. Das stilvoll, mit britischer Note und Bohemian-Chic eingerichtete Haus fügt sich – ohne grelle Werbetafel – perfekt in die wunderbare Umgebung. In der historischen Residenz, die einst Christoph North, einem bekannten Essayisten, Bonvivant und Hedonisten des 19. Jahrhunderts als Wohnsitz diente, findet der Individualreisende einen idealen Ausgangspunkt, um gleich hinter dem Haus Stockbridge zu entdecken. Dieses In-Viertel erinnert mit einem Mix aus ländlichem Idyll, kleinen Antiquitätenläden sowie Bars und Restaurants an den Stadtteil Notting Hill in London.

Entlang des romantischen Water of Leith Walkway, einem grünen Spaziergang am gleichnamigen Flüsschen mit einer Kulisse aus Steinbrücken, kleinen Stauwehren und alten Getreidemühlen, erreicht man die Scottish National Gallery of Modern Art: eine exquisite Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst – und für manchen das beste Museum der Stadt.

Zum Abschluss meiner Städtereise gönne ich mir, nein, keinen Whisky, den es – als „schottisches Lebenswasser“ – fast überall in ausgezeichneter Qualität gibt, sondern den Edinburgh Gin. Denn auch Gin hat eine große Historie: Über 40 Gin-Destillerien gab es hier im 18. Jahrhundert. Im Head & Tales lässt sich diese Geschichte nicht nur „ertrinken“, sondern auch in alter Gin-Tradition unter Anleitung selbst brennen. Na dann: „Slàinte mhath“, Vereinigtes Königreich – auf Dich!

Markus R. Groß

Reiseinformationen London & Edinburgh

Anreise Etwa per Direktflug mit Lufthansa (beispielsweise ab Frankfurt am Main), www.lufthansa.com

Wohnen: The Savoy London, www.fairmont.de/savoy-london; Nira Caledonia, www.niracaledonia.com

Mehr Infos erhalten Interessenten unter www.visitlondon.com, www.visitscotland.com, www.thisisedinburgh.com Reiseführer www.dumontreise.de, www.marcopolo.de

Warner bros. Studio Tour Harry Potter: Hier dürfen (nicht nur) Zauberfans einen Blick hinter die Kulissen werfen: Zu entdecken gibt es Filmsets, Kostüme, Requisiten und Animationen aus den Harry-Potter-Filmen, die teilweise zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt werden. Die Studios liegen in Leavesden, etwa 30 Kilometer nordwestlich von London. Alle Informationen zu Öffnungszeiten, Preisen und Tourangeboten unter www.wbstudiotour.co.uk

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