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Hirten der Savanne: Die Massai sind in Tansania sesshaft geworden und leben vor allem von der Rinderzucht.

Safari mit Familienanschluss

Ein Besuch bei dem Volk der Massai ist bei einer Reise nach Ostafrika neben einer Safari quasi Pflichtprogramm. Reiseredakteur Volker Pfau war im Dorf Olpopongi in Tansania...

Eingang zum Massai-Dorf Olpopongi

...zu Gast, in dem man das traditionsreiche Hirtenvolk kennen lernt, sich ihre Kultur erklären lässt und bei denen man – das ist einmalig – auch übernachten kann. Es ist kurz vor zehn Uhr abends. Stockfinstere Nacht in Ostafrika. In der Nachbarhütte klingelt ein Handy. „Hallo, … ja, ich bin noch wach, … ich bin gerade im Massaidorf, … nein, das ist kein Witz!“ Super Empfang hier in Olpopongi, 50 Kilometer nördlich vom Kilimanjaro International Airport. Dank Airtel, einer der Mobilfunkgesellschaften, die in dem ostafrikanischen Land ihre Dienste anbieten. Auch dort, wo nach unseren europäischen Begriffen die Zivilisation weit, weit entfernt ist.

Doch so wild, wie die weißen Besucher vielleicht befürchtet haben, geht es in Olpopongi – und bei den Massais generell – keineswegs zu. Der Empfang am Parkplatz vor dem Dorf ist freundlich. Acht Männer und acht Frauen, bekleidet mit dem traditionellen Shouka-Umhang und mit unzähligen Perlen geschmückt, kommen uns in einer Reihe singend und tanzend entgegen, begrüßen jeden Gast mit Handschlag und einem herzlichen „Jambo, hallo!“. Tanzend und singend ziehen dann alle bunt durcheinander und untergehakt ins Dorf, wobei wir Weißen unsere Hüftsteifigkeit mit der langen Anfahrt im Geländewagen zu entschuldigen versuchen.

Verpflegung: Frühstück in der Dorfmitte nach einer nacht in der Hütte – der Koch ist extra für die Gäste eingestellt worden.

Es folgt eine kurze Einführung durch Massai Freddy, der wegen seiner guten Englisch- Kenntnisse für den Gästekontakt zuständig ist. Danach geht’s zum Einchecken an die Rezeptionshütte – Petroleumlampe, Handtücher, Stirnlampe, Schlüssel gibt’s gegen Unterschrift. Ordnung muss sein. Spätestens jetzt sind etwaige Bedenken, im Zivilisations- Nirwana gelandet zu sein, weggewischt.

Das Essen besteht – entgegen etwaiger Befürchtungen – nicht aus frischem Rinderblut. „Das trinken wir nur ganz selten“, beruhigt Freddy und erzählt von den Essgewohnheiten seiner Stammesgenossen: „Massai kochen nicht, sie grillen oder essen roh.“Den Olpopongi-Besuchern wird Maisbrei, Gemüse und ein Reiseintopf mit Fleisch serviert, als Nachtisch gibt’s Früchte. Die Pizza, die auf dem Büfett steht, ist ein weiteres Zugeständnis an den Geschmack der Weißen. Der Koch stammt aus der 75 Kilometer entfernten Stadt Moshi und wurde extra fürs Dorf engagiert. Er versteht sein Handwerk.
Sollte jemand beim Essen zu üppig zugelangt haben – kein Problem: Auf dem folgenden naturkundlichen Spaziergang durch die Steppe rund ums Dorf zeigt uns Freddy einen Baum, den er als Gründornakazie bezeichnet. „Die Rinde ist gut gegen Magenprobleme und Durchfall.“ Gegen jedes Wehwechen ist offenbar ein Kraut gewachsen.

Der Massai präsentiert alle paar Schritte ein weiteres Exemplar aus der wild wachsende Apotheke, aus der sich der Kundige bedienen kann. Hier zeigt er auf eine Pflanze, deren Harz vor Insektenstichen schützt, ein paar Schritte weiter wächst Sisalgras, dessen Wurzeln Gelenkprobleme lindern sollen, dann steht Freddy vor einem Strauch, der gegen Brechreiz hilft, der nächste verbessert die Sehfähigkeit und aus einem weiteren lässt sich mit wenigen Messerschnitten eine tolle Zahnbürste schnitzen.

Zu sehen gibt’s rund ums Dorf auch jede Menge Spuren von Elefanten, Giraffen, Ameisenbären und Antilopen. Zu Gesicht bekommen wir jedoch keines dieser Tiere. „Die Kinder vertreiben sie“, sagt Freddy, „weil sie unsere Rinder beim Grasen stören.“ Wilde Tiere sind nicht in der Gegend, seinen Speer verwendet er als eindrucksvollen Zeigestock. Also wird’s nichts mit dem erträumten Kitschfoto von der Giraffe zwischen Akazienbäumen im Sonnenuntergang.

Begegnung: Reiseredakteur Volker pfau hat bei seinem Besuch im Massai-Dorf einen Freund gefunden.

Wieder zurück im Dorf lädt uns Großmutter Coco zum Tee in ihre Hütte. Am Eingang heißt’s Kopf runter, Schultern zusammenziehen und möglichst nirgends anstoßen. Die Wände aus Lehm und Kuhdung machen nicht wirklich einen stabilen, vertrauenerweckenden Eindruck. Das kleine Feuer in der Vertiefung im festgestampften Lehmboden raucht, aber das hält auch die Fliegen fern. Sie, die angeblich 93 Jahre alt ist, werkelt geschäftig mit Wassertopf und Teekanne, gießt Milch in Tassen und reicht jedem seinen Tee. Sehr süß, sehr lecker, sehr authentisch. Der Geschmack der Massai. Oma Coco freut sich, dass es uns schmeckt und sie ist augenscheinlich stolz darauf, uns zu bewirten. Sie hat, wie ihre Stammesgenossen, mit denen wir den Tag verbracht haben, uns Nähe und Vertrautheit vermittelt.

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Der Mann hinter Olpopongi

Es ist nicht nur das viele Wissen über das ostafrikanische Nomadenvolk, das uns Freddy und die anderen Massais vermittelt haben, das uns beeindruckt hat, sondern es ist vor allem die Unbefangenheit, mit der diese Menschen auf uns zugingen und Vertrautheit schaffen konnten. Es sind diese kleinen, spontanen Begegnungen, die am Abend auf dem Bett in der Massaihütte vor dem geistigen Auge vorbeiziehen: das Lachen, mit dem wir unsere sprachliche Unbeholfenheit überbrückten, die Freude an unserem Interesse am selbstgemachten Schmuck, die Neugier der Kinder und deren Begeisterung beim Betrachten der Bilder im Display der Digitalkameras, die Unbefangenheit, mit der unsere zaghaften Schritte beim gemeinsamen Tanz übergangen wurden.

Wir haben Massai zum Anfassen getroffen, die sich aber ihre Würde bewahren können und denen wir Besucher darum mit Respekt und auf Augenhöhe begegnen. Es ist kein Folklore- Kitsch, der uns in Olpopongi geboten wird, sondern das echte Leben. Zu dem gehört auch, dass nachts um zehn in der Hütte nebenan das Handy klingelt.

Volker Pfau

REISE-INFOS ZU TANSANIA

Am Indischen Ozean: Tansania

REISEZIEL Tansania ist mit rund 945 000 Quadratkilometern das größte Land Ostafrikas (etwa zweieinhalb mal so groß wie Deutschland) und hat etwa 33 Millionen Einwohner. Zu dem Staat gehört auch die Insel Sansibar. Tansania ist vor allem bekannt wegen seiner Nationalparks mit Millionen von Wildtieren (v. a. Serengeti, Ngorongo-Krater) und dem Kilimandscharo, mit 5892 Metern der höchste Berg Afrikas.

ANREISE Von Frankfurt aus fliegt Ethiopian Airlines fünf Mal wöchentlich mit umsteigen in Addis Abeba zum Kilimanjaro/Arusha International Airport. Preis: ab rund 550 Euro (Hin- und Rückflug, inkl. Rail & Fly). Ethiopian Airlines erlaubt in Economy zwei frei-Gepäckstücke mit jeweils bis zu 23 Kilogramm Gewicht. Info und Buchung im Reisebüro oder im Internet unter www. ethiopianairlines.com.

EINREISE Es ist ein Reisepass notwendig, der noch mindestens sechs Monate über die Reise hinaus gültig sein muss. Deutsche Staatsangehörige benötigen zur Einreise ein Visum, das am Flughafen ausgestellt wird, Gebühr: 50 US-Dollar oder 50 Euro. Wer bei der Anreise auf einem afrikanischen Flughafen umsteigt (z. B. mit Ethiopian Airlines in Addis Abeba), muss eine gültige Gelbfieberimpfung vorweisen.

KLIMA Das Land liegt in den Tropen, deswegen muss mit Temperaturen von deutlich über 30 Grad und intensiver sonne gerechnet werden. Hauptreisezeit ist von Juni bis Oktober, in der kleinen Regenzeit (November und Dezember) regnet es ab und zu, dafür sind die Temperaturen angenehm, die Luft ist klar (ideal zum fotografieren) und die Nationalparks sind fast leer. März bis Juni ist die Zeit der großen Regenfälle.

MASSAI-DORF Ein Aufenthalt in Olpopongi kann beim Veranstalter Diamir entweder als Baustein gebucht werden (2 Tage, Ü/VP, ab/bis Meru View Lodge kosten ab 270 Euro p. P.) oder er gehört zum Programm von Tansania-Rundreisen (s. u.).

PAUSCHALEN Eine Mischung aus Safari, Ausflügen und Stranderholung bietet die 14-tägige Reise „Löwen, Land & Leute“ des Spezialveranstalters Diamir. zum Programm gehören u. a. Safaris in drei Nationalparks, Übernachtung im Massai- Dorf Olpopongi, Fußpirsch und Strandtage auf Sansibar. Mit Flügen, Transfers, Nationalparkgebühren und Verpflegung kostet die Reise ab 2290 Euro pro Person (im DZ). Info und Buchung bei Diamir, Tel. 03 51/31 20 77, www.diamir.de.

REISETYP Wer sich nicht nur für die Tiere Afrikas, sondern auch für die Menschen interessiert, erlebt in Olpopongi die Ureinwohner hautnah – Berührungsängste sollte man dabei keine haben und eine Nacht in einfacher Unterkunft nicht scheuen.

AUSKUNFT Tansania hat keine touristische Vertretung in Deutschland. Informationen zu dem Land gibt es auf der vom Reiseveranstalter Diamir betriebenen Internetseite www.tansania.de.

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