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Die Heidialp oberhalb von Maienfeld (Schweiz). Hier soll Johanna Spyri für Ihre Heidi-Romane inspiriert worden sein.

Schweiz 

Heidi kommt ins Kino - Besuch am Drehort

Mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem Original wird Heidi neu verfilmt. Schauspieler Bruno Ganz, selbst gebürtiger Schweizer, spielt den Großvater.

„Heidi ist besser als Schweizer Schokolade und berühmter als unsere Banken“, sagt er. Autor Thomas Burmeister war unterwegs auf Heidis Spuren, im Buch, im Film und im wirklichen Leben.

„Wo ist Heidi?“ Tausende von Kilometern sind sie gereist. Mit dem Flugzeug bis in die Schweiz und dann mit dem Bus durch das Sarganserland nach Maienfeld im Kanton Graubünden. Zuletzt noch ein 90-Minuten-Fußmarsch zur grünen Heidialp vor grauen Riesenfelsen. Aber wo ist das Mädchen mit den Zöpfen? Weit und breit nur Kühe. Gut, dass wenigstens der Almöhi Auskunft geben kann: „Ja, das Heidi, das musste nochmal zur Tante nach Frankfurt.“

Heidi – kleines Mädchen, grosser Ruhm

Ja, Markus Zindel (52), Landwirt und Zigarrenraucher, hat die Rolle des Almöhi drauf. Im wirklichen Leben ist er der offizielle Hirte der Heidialp auf dem 1111 Meter hohen Ochsenberg. „Es kommt schon vor, dass jemand meint, das Heidi sei echt“, sagt er. Die Illusion will er nicht rauben. Da hilft der Hinweis auf Frankfurt, wo Heidi laut dem Roman von Johanna Spyri ja eine Zeitlang bei der Tante lebt und vor Heimweh nach den Bergen fast vergeht.

Die beiden Bücher der Schweizer Schriftstellerin Johanna Spyri (1827-1901)lassen sich als Heile-Welt-Bibel lesen und auch als Wanderführer: „Vom freundlichen Dorfe Maienfeld führt ein Fußweg durch grüne, baumreiche Fluren bis zum Fuße der Höhen, die von dieser Seite groß und ernst auf das Tal niederschauen.“ Mehr als 50 Millionen Mal und in mehr als 50 Sprachen sind die Heidi-Romane verkauft worden, seit 1879 der erste Band erschien. Oft ist die Kindergeschichte rund um den Geißenpeter, das Mädchen und den Almöhi verfilmt worden. Gerade fanden in den Schweizer Bergen die Dreharbeiten zu einem neuen Kinofilm mit Bruno Ganz als Großvater und Almöhi statt.

1997 schlossen sich Gemeinden rings um die Buch-Schauplätze zur Ferienregion Heidiland zusammen. Heidiland ist zu einem Synonym für die gesamte Bergwelt der Eidgenossenschaft geworden. Tatsächlich heißt so nur die Region zwischen Maienfeld, Sargans, Bad Ragaz und Weesen/Walensee kurz vor dem Fürstentum Liechtenstein.

Schauplätze aus der Romanen von Johanna Spyri

Höhepunkt des Heidi-Tourismus ist ein Ort der Rheintalregion, den Johanna Spyri als „Dörfli“ zum Heimatort ihrer Heldin erkor. „Willkommen in Heidis Heimat“, liest man auf Plakaten. Das angeblich originale Heidihaus, einst von Walser Siedlern errichtet, ist malerisch. Dass Heidi nie darin gewohnt haben kann, hält Touristen nicht davon ab, sich vor dem Eingangsschild fotografieren zu lassen: „Heidi’s House – the Original“. Meist sind es Japaner. Und zwar so viele, dass Heididorf bisweilen weltweit der Ort mit der größten Japanerdichte pro Quadratmeter ist.

Der wirkliche Ortsname ist Rofels. Die Handvoll Einwohner verdient gut mit am Bergmädchenrummel. „Und von abends bis morgens haben wir ja auch unsere Ruhe“, sagt eine ältere Frau schmunzelnd. Gleich neben dem kleinen Streichelziegenzoo öffnet am Morgen der Heidi-Shop mit Heidiwurst und Heidiwein, Heidipoststempeln, Heidikaffee und Heidischokolade.

Wie göttlich ruhig ist es dagegen auf der Heidialp, vor der Hütte mit dem herrlichen Blick auf Kühe, Berge und das Rheintal. Oben bei Markus Zindel, der im Nebenjob der Almöhi ist.

Thomas Burmeister, dpa

Die Reise-Infos zum Heidiland

REISEZIEL Maienfeld liegt acht Kilometer südlich von Sargans im unteren Churer Rheintal und gehört zur Bündner Herrschaft im Kanton Graubünden. Zur Ferienregion Heidiland haben sich die Orte Maienfeld, Sargans, Bad Ragaz und Weesen am Walensee zusammengeschlossen. Das Gebiet ist zirka 650 Quadratkilometer groß.

ANREISE Von München über die Lindauer Autobahn, durch den Pfändertunnel in Österreich und weiter in der Schweiz Richtung Chur/Sargans bis zur Ausfahrt Maienfeld. Insgesamt rund 260 Kilometer, drei Stunden Fahrzeit. Mit der Bahn mehrmals täglich von München nach Maienfeld, rund vier Stunden Fahrzeit.

WANDERN Vom Bahnhof in Maienfeld startet der Heidiweg durch die engen Gassen des historischen Städtchens nach Rofels zum Heididörfli. Der Weg ist gut markiert und auch mit Kinderwagen zu gehen. Im Heididorf beginnt der anspruchsvollere Weg hinauf zur Heidialp auf dem Ochsenberg. Gehzeit rund eineinhalb Stunden. Unterwegs wird an zwölf Stationen die Heidigeschichte dargestellt.

WEITERE INFOS Schweiz Tourismus, Tel. 00800/10020030 (gebührenfrei), www.myswitzerland.com. Heidiland-Infostelle Maienfeld, Tel. 0041/81-7201818, www.heidiland.com. Heididorf in Maienfeld, Tel. 0041/81-3301912, www.heidihaus.ch.

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