So sehen Sieger aus: Die deutsche Nationalmannschaft 1954 vor ihren Mannschaftsquartier (li.). Foto oben: Historische Aufnahme des Hotels Belvedere und das Hotel heute (u.). Der Geist von Spiez, die Ruhe am Thunersee (unten li.) soll die Mannschaft damals beflügelt haben.

Ruhe am Thunersee

Hier entstand ein Fußball-Wunder

Der Geist von Spiez, einem kleinen Ort am Thunersee, hat die deutsche Nationalelf vor 60 Jahren zum WM-Sieg geführt. Was das Mannschaftsquartier damit zu tun hat und wie Jogis Jungs davon in Brasilien profitieren könnten:

Immer wieder gerne erinnert man sich in diesen fußballerfüllten Tagen an das Wunder von Bern, als die deutsche Nationalmannschaft am 4. Juli 1954 im Wankdorfstadion Ungarn mit 3:2 schlug und als Außenseiter ganz unverhofft Weltmeister wurde. Zum 60. Jubiläum gibt es im Hotel Belvedere in Spiez am Thunersee, wo die Mannschaft von Trainer Sepp Herberger damals logierte, eine Ausstellung, so rund wie das Leder, um das sich derzeit wieder alles dreht.

„Wir sind ja schon ein Kulthotel für die Deutschen“, sagt Bruno Affentranger, der Geschäftsführer des Hotels. Mindestens 1000 Gäste pro Jahr würden nur wegen der Fußball-Erinnerungen kommen. Und das trotz gesalzener Schweizer Übernachtungspreise ab 175 Fränkli am Tag, nur mit Frühstück. Aber schließlich habe der Geist von Spiez die Spieler damals zum Sieg getragen, eine Mischung aus Wohlfühlen, Harmonie, Kameradschaft und Siegeswillen. So was setzt sich durch. So was bleibt. Das spürt man als Urlauber, auch heute, 60 Jahre danach.

Historische Aufnahme des Hotels Belvedere.

„Hier gab es Ruhe, wir konnten spazieren gehen und schwimmen“, hat Deutschlands Außenläufer Horst Eckel vor Kurzem bei einem Treffen in Spiez gesagt. Und er ist sich sicher: „Wenn sich unsere Jungs in ihrem Quartier in Brasilien so wohlfühlen, wird Deutschland wieder Weltmeister.“ Ungarns damaliger Verteidiger Jeno Buzanszky machte umgekehrt im Nachhinein sein Mannschaftsquartier für die überraschende Niederlage verantwortlich: „Wir wohnten in einem Stadthotel in Solothurn. Da fand in der Nacht vor dem Endspiel ein Blasmusikfest statt. Keiner von uns konnte schlafen.“

Der Geist von Spiez, die Ruhe am Thunersee soll die Mannschaft damals beflügelt haben.

An die WM-Wochen von damals erinnert in Spiez nicht nur eine Ausstellung im Hotel Belvedere, sondern auch ein Uferweg am Thunersee. Bei Spaziergängen dort soll WM-Trainer Sepp Herberger seine Spieltaktik überdacht haben. Heute treffen Urlauber hier die WM-Helden Sepp Herberger, Mannschaftskapitän Fritz Walter und Siegtorschütze Helmut Rahn als Holzskulpturen. Und auf Sitzbänken sind Sinnsprüche rund ums Fußballspiel zu lesen, darunter ein Satz des einstigen englischen Nationalstürmers Gary Lineker: „Fußball ist ein Spiel, bei dem 22 Mann einem Ball hinterherlaufen und am Ende gewinnt immer Deutschland.“ In diesem Sinne: Auf ein neues Wunder, hoffentlich!

ch/dpa

Die Reise-Infos zu Spiez

REISEZIEL Spiez liegt am Südufer des Thunersees im Berner Oberland, etwa 40 Kilometer von Bern entfernt. Der See ist 17,5 Kilometer lang und maximal 3,5 Kilometer breit. Zwischen den Ufergemeinden verkehren zehn Passagierschiffe, darunter der historische Schaufelraddampfer Blümlisalp.

ANREISE mit dem Auto von München über die Lindauer Autobahn bis zur Grenze nach Österreich, dann über Zürich und Bern nach Thun. Insgesamt ca. 450 Kilometer, viereinhalb Stunden Fahrzeit.

HOTEL Das Belvedere ist ein Traditionshaus mit über 100-jähriger Geschichte. Es nennt sich Strandhotel und hat auch einen Privatbadeplatz am Ufer, liegt aber in Fußweite entfernt etwas erhöht mit Blick auf den See. Zimmer ab 175 Schweizer Franken (140 Euro) pro Person mit Frühstück, Nutzung des Wellnessbereichs und Shuttle zum Bahnhof inklusive. Schachenstrasse 39, Tel. 0041/ 33-655 66 66, im Internet: www.belvedere-spiez.ch.

AUSSTELLUNG Noch bis zum 30. September ist im Hotel Belvedere die Jubiläumsausstellung zum „Wunder von Bern“ zu besichtigen, mit zahlreichen historischen Fotos, Original-Eintrittskarten von damals, der original Gold-, Silber- und Bronzemedaille, den Trikots, Bällen aus dem Spiel, alten Adidas-Fußballschuhen und dem Original-Schild von der Turmuhr des Wankdorfstadions. Das Stadion wurde 2001 abgerissen und an gleicher Stelle wieder aufgebaut. Geöffnet ist die Ausstellung Montag bis Freitag von 8 bis 17 Uhr. Eintritt: vier Euro für Erwachsene, für Kinder und Jugendliche gratis.

URLAUBSPAUSCHALE Bei Interlaken-Tourismus kann eine Jubiläumspauschale mit drei Ü/F in der Region, dem Eintritt in die Fußball-Ausstellung und einem VIP-Pass der Jungfraubahn ab 275 Euro gebucht werden. Infos unter www.interlaken.ch oder bei Schweiz Tourismus unter der kostenlosen Nummer 0080010020030.

Christine Hinkofer

Christine Hinkofer

E-Mail:Christine.Hinkofer@tz.de

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